Und wieder auf die Art der Gegenbewegungen achten!
von Jochen Steffens
Ja, ja, jetzt kommt wieder der Steffens mit seinen „Gegenbewegungen“. Wir haben gestern im Nasdaq100 die 2020/2018 Punkte nach unten aufgelöst. Wie erwartet kam es dann zu einem dynamischen weiteren Abverkauf. Insoweit sind die bearishen Zeichen im Nasdaq100 bestätigt worden.

Heute folgte dann der Dax mit einem Bruch der 7800er und sogar der 7750er Marke. Auch hier klare Bärensignale. Jetzt geht es lediglich noch um die Nachhaltigkeit. Aber, wie man auf dem Börsenparkett so schön sagt: Es ist nun viel Porzellan zerschlagen. Nun sind wirklich alle wach gerüttelt. Und wie immer, wenn nun alle Angst kriegen, wie immer wenn es zu so einem „Ausverkauf“ wie gestern gekommen ist, muss man mit einer Gegenbewegung rechnen. Und tatsächlich, die US-Indizes sind heute zunächst dick im Plus.
Die tatsächliche Verfassung des Marktes
Und erst die Art und Weise, wie diese Gegenbewegung ausfallen wird, kann uns etwas über die tatsächliche Verfassung des Marktes verraten. Erst dann werden wir erfahren, ob es sich bei den fallenden Kursen der letzten Wochen nur um eine kurze kleine Konsolidierung handelt, oder aber ob sich die Kursverluste ausweiten könnten. Sie kennen das, das habe ich schon sehr häufig geschrieben.
In den letzen Monaten waren die entsprechenden Gegenbewegungen nach einem Ausverkauf meistens sehr stark und oft genug führten sie direkt zu einem neuen Hoch. Also so gesehen war es bisher immer richtig gewesen, die Gegenbewegung abzuwarten, bevor man in eine gepflegte Panik zu verfallen ist.
Die erste Frage ist jetzt, werden nun lediglich die entscheidenden Ausbruchsmarken (z.B. im Nasdaq100 die 2020er Marke) von unten getestet oder schaffen es die Indizes wieder, diese Marken zurückzuerobern (im Dax wäre das der Fall, wenn er wieder nachhaltig in seine Seitwärtsbewegung zurückläuft). Werden diese Marken lediglich von unten getestet, dann ist das Kursziel im Nasdaq100 deutlich: Gapclose!
Das muss man einfach abwarten und entsprechend bewerten. Börse ist schließlich immer ein dynamischer Prozess. Sie sehen Entwicklungen, Sie sehen bearishe Zeichen, Sie traden darauf, aber Sie können sich nie darauf verlassen, sondern müssen jeden Tag neu beurteilen und analysieren, was genau passiert – zumindest wenn Sie kurzfristiger orientiert sind.
Was passiert also genau?
Logisch ist, dass nach so einem Abverkauf wie gestern in den USA, die Verkäuferseite erst einmal ausdünnt. Die Anleger, die nah am Markt sind, haben gestern zusehen müssen, wie alles fällt und entnervt irgendwann auch auf „Verkaufen“ gedrückt. Das sind die zittrigen Hände.
Mit anderen Worten, diejenigen, die oben verkaufen wollten (und letzten Endes diesen Einbruch eingeleitet haben) haben nun große Mengen an Aktien verkauft. Hinzu gesellten sich gestern in die kleine „Panik“ hinein die zittrigen Hände. Und somit sind viele potenzielle Verkäufer jetzt bereits aus dem Markt.
Die Käuferseite
Logisch ist auch, dass viele Trader solche „Paniksituationen“ nutzen, um auf eine kurze Reaktion in die andere Richtung zu traden. So sehr auch gegen Trader hin und wieder gewettert wird, gerade sie sind es oft, die solche Entwicklungen „abdämpfen“, eben weil sie Panik kaufen.
Wichtiger wird aber sein, ob nun „echte“ Käufer in den Markt kommen. Also Anleger, die zum aktuellen Niveau einsteigen wollen, um längerfristig investiert zu bleiben. Dazu müssen sie natürlich Gründe finden: Der sinkende Ölpreis könnte so einer sein.
Kommen diese Käufer in den Markt und schaffen diese es, den Verkaufsdruck, der in den letzten Tagen deutlich zu spüren war, aufzukaufen, dann kann es bereits das Ende der Konsolidierung gewesen sein. Und dann ist es egal, wie bearish die Zeichen im Chart waren! Schaffen es diese Käufer nicht, eben weil immer noch genügend Anleger aussteigen wollen, und davon muss man nach dem Bruch der Marken ausgehen, weil zu viele große Adressen mit mittel- bis langfristigen Problemen rechnen, dann wird es weiter runter gehen.
Achten Sie also auf den Chart
So einfach ist das eigentlich. Und meistens erkennt man das, was passiert, an den Charts. Und deswegen ist die Frage so wichtig, ob die aktuelle Gegenbewegung über die alten Ausbruchsniveaus hinaus läuft. Das nämlich wäre ein Zeichen für ein starkes Käuferinteresse. Dieses würde noch etwas mehr bestätigt, wenn es zu einem neuen markanten Bewegungshoch kommen sollte. Richtig bullish wird es erst dann wieder, wenn die letzten Hochs überwunden werden.
Zu offensichtlich alles
Es gibt einen Grund, warum ich noch ein wenig skeptisch bin. Die Topformation im Nasdaq100 ist so extrem deutlich und idealtypisch, dass selbst der wirklich ungeübteste Chartist diese sofort erkennen muss. Meistens sind aber die wirklichen Tops in den amerikanischen Indizes weniger „eindeutig“. Das ist aber nur so ein Gedanke.
Also lassen wir weiter die Charts entscheiden.
Und wie soll man das traden?
Wenn Sie sich fragen sollten, wie man und wann man denn in so einen Markt Short einsteigt, wenn es doch immer sein kann, dass alle Bärensignale wieder aufgelöst werden könnten? Mut braucht man immer an den Börsen, es kann immer alles passieren, auch das bekannte Gegenteil. Man steigt ein, wenn man die Signale sieht, vergrößert eventuell seine Positionen, wenn diese Signale sich bestätigen und beobachtet und analysiert jeden Tage genau, was passiert.
So sind wir sind im Target-Trader am Freitag Morgen, nachdem sich das Umkehr-Doji im Nasdaq100 abzeichnete, eingestiegen. Jetzt warte ich die weitere Entwicklung ab. (Das war übrigens die erste Shortposition seit mehreren Jahren in den normalen Depots).
Und wie immer, wenn man ein gutes Umkehrsignal in so einem starken Trend erkennt, also gegen den Trend tradet, haben wir jetzt bereits einen Stopp auf Kaufkurs dieser Shortposition gelegt. Uns kann also nichts mehr passieren (auch, da wir schon seit Wochen fast alle Aktienpositionen verkauft haben und rechtzeitig in Gold, Euro und den Bund eingestiegen sind).
Sollte die Gegenbewegung nun Stärke zeigen, werde ich natürlich sofort mit einer ersten Position auf die Longseite wechseln. Bei weiter bullishen Signalen, würden dann weitere Long-Positionen folgen. Nur so können Sie einen derart volatilen Markt mit einer gewissen Ruhe und Gelassenheit traden.
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens