...muss aber nicht. Ich weiß, Sie wollen natürlich eine klare Ansage. Darum werde ich mich bemühen, beziehungsweise Ihnen die Möglichkeiten und die Gefahren aufzeigen. Gestern kam es zu einem typischen Sell Off, einen totalen Ausverkauf. Es schien, als hätten sich Aktien plötzlich in einen hochansteckenden Virus verwandelt, den man möglichst weiträumig meiden sollte.
Natürlich bereinigt so ein Sell Off den Markt, denn „Panikstimmung“ führt dazu, dass die Zittrigen und Ängstlichen aus dem Markt gedrückt werden. Alle diejenigen, die mit einer „gewissen“ latenten Verkaufsbereitschaft seit Wochen besorgt den Markt beobachteten, sind damit ausgestiegen. Mit anderen Worten: Die potenzielle Verkäuferschicht ist ausgedünnt. Aus diesem Grund sind solche Sell Offs gute Einstiegsmöglichkeiten für einen kurzfristig orientierten Trader, die auf eine Gegenbewegung setzen. Heute war das allerdings anders, denn wichtige Inflationszahlen standen an, die zumindest das Potenzial haben, den Markt um noch eine Ebene tiefer zu treten. Dazu gleich mehr.
Wenn es das nun aber war und die Börse jetzt weiter steigt, dann wird diese Kredit- und Immobilienkrise wieder ganz schnell vergessen sein. All die Panik war umsonst, wieder einmal hätte eine Hysterie einen Großteil der unerfahrenen Trader gefoppt.
Aber, nun kommt es darauf an, ob weitere Nachrichten den Markt belasten. Die neuen Nachrichten müssen dazu führen, dass nun sogar die etwas weniger zittrigen und ängstlichen Anleger nervös werden. Dann tritt die erste Stufe des Kaskadeneffekts, den ich gestern beschrieben habe, ein (Anm. des R.: Nein, ich habe gestern nicht prognostiziert, dass der Dax auf 4000 Punkte fällt, das war lediglich ein Beispiel!).
Kommen keine solche Nachrichten, dann ist der Markt jetzt bereinigt, dann sind theoretisch durchaus auch neue Allzeithochs im DAX und dem S&P500 denkbar (wir befinden uns allerdings im schwachen Sommer, das wird also schwierig.)
US-BIP beruhigend?
Gerade sind die neuen Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA hereingekommen. Wie oben erwähnt, hatten diese das Potenzial, den Markt noch weiter in Bedrängnis zu bringen.
Das US-BIP ist im zweiten Quartal um 3,4% gestiegen. Das interessiert uns aktuell weniger. Viel wichtiger ist der PCE-Deflator. Dieser von der US-Notenbank als Inflationsmaß favorisierte PCE-Deflator stieg um satte 4,3%! Zuvor war er um 3,5% gestiegen und im letzten Quartal 2006 sank er sogar um 0,9%. Vielleicht erinnern Sie sich, das hatte damals die Inflationssorgen endgültig beerdigt.
4,3% ist meines Erachtens eine heftige Ansage und alles andere als beruhigend!!! Der Markt nahm es jedoch zunächst gelassen, stieg sogar zunächst an. Das lag daran, dass die „Kernrate“ also ohne Energie und Nahrungsmittel lediglich um 1,4% angestiegen ist, nach 2,4% zuvor. Das hört sich doch zunächst sehr gut an, denn die Fed achtet nur auf die Kernraten.
Die zeitversetzte Wirkung
Wenn man jedoch bedenkt, dass sich insbesondere die Energiekosten erst zeitversetzt auf die Kernrate auswirkt, dann macht das alles Sinn. Die niedrige Kernrate wäre also damit eine Folge der niedrigen Energiekosten zum Jahreswechsel, vor der aktuellen Rallye des Ölpreises.
Das würde aber auch bedeuten, dass wir spätestens im Herbst/Winter mit einer deutlich anziehenden Kernrate zu rechnen hätten (auch weil die Rate aktuell so schwach ist, es geht schließlich immer um eine Relation). Zumindest dann, wenn der Ölpreis weiter steigt.
Ganz verrückt wird es dann, wenn der Ölpreis sich an seinen saisonalen Verlauf hält, und im Herbst wieder schwächer notiert. Dann kann die Kernrate steigen, während der Gesamtdeflator gleichzeitig anfängt zu sinken (auch diesen Effekt hatten wir schon).
Wann wird sich der Markt Angst um einen Anstieg der Inflation machen
Die relevante Frage ist, wann fängt der Markt an, sich um diese Inflationsgefahr zu sorgen? Erst dann, wenn die Zahlen diese Vermutung (mehr ist es bisher noch nicht) bestätigen? Oder ist der aktuelle Einbruch zu einem Teil schon die Reaktion darauf, nur die Medien merken es nicht? Inflation bei schwächerem Wirtschaftswachstum (Stagflation) ist meines Erachtens das Damoklesschwert, das zurzeit über den Märkten hängt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Dollar trotz der Kreditmarktkrise Stärke zeigt. Rechnen also die Devisenhändler mit einem Anstieg der Zinsen in den USA? Müsste nicht eine Krise im Immobilienmarkt eher zu einer Zinssenkung führen, um die Kredite wieder billiger zu machen? Irgendetwas passt da nicht. Wieso fällt Gold, wobei doch Gold die typische Krisenwährung ist? Wird mit der Immobilien- und Kreditkrise von den eigentlichen Inflationsgefahren abgelenkt? Das sind Fragen, die man sich vor dem Wochenende stellen sollte.
Doch noch einmal kurz zu den Charts
Wir sollten uns also, nachdem sich der Nasdaq100-Chart idealtypisch entwickelt hat und sein Kursziel aus der Schulter-Kopf-Schulter-Formation gestern erreichte, noch einmal den Charts zuwenden. Dieses Mal möchte ich den Dow Jones bemühen.

Was mich stört ist, dass der Dow-Jones weder die markante Unterstützung bei 13.250 Punkten erreichte, noch eine typische Zweiteilung in dem starken Abverkauf zu erkennen ist. Würde der Dow-Jones idealtypisch verlaufen, dann müsste es nun zu einer kleinen Gegenbewegung kommen, die dann in weiter fallende Kurse übergeht, die das Tief von gestern unterschreiten.
Ob dann die Unterstützung bei 13250 Punkten hält und sich dort ein Boden bildet, muss abgewartet werden. Hält sie nicht, wird es kritisch. Wirklich bullisher wird es auf der anderen Seite erst über 13.690 Punkten. Bis dahin muss alles, was passiert, einfach als technische Gegenreaktion nach diesem massiven Einbruch vom Donnerstag gewertet werden.
Es kann es also schon gewesen sein, ich vermute aber, dass wir zumindest nach einer Gegenbewegung noch einen weiteren Abverkauf bis mindestens zur 13250er Marke sehen werden.