Unternehmer will Internet, Radio, Fernsehen und Telefon über einen Service anbieten - Fusionspläne mit Versatel und Belgacom
von Helmut Hetzel
Den Haag - Der niederländische Medienunternehmer John de Mol plant ein neues Mediennetzwerk. Dazu sollen das niederländische Telekommunikationsunternehmen Versatel, dessen belgischer Konkurrent Belgacom und die niederländischen Talpa Capital Holding zusammengebracht werden. "Eine Übernahmeofferte" für Versatel gehört den Angaben zufolge "zu den Möglichkeiten". Die drei Unternehmen haben ihre Verhandlungen intensiviert. "Ende dieses Monats", teilte Versatel mit, werde klar sein, ob die drei Unternehmen künftig zusammenarbeiten werden.
Treibende Kraft hinter dem Dreierbund ist der niederländischen Medienmogul und Milliardär John de Mol ("Big Brother"). De Mol, dessen Vermögen auf etwa 2,5 Mrd. Euro geschätzt wird, ist der Besitzer von Talpa; die Holding wiederum hält 42 Prozent der Versatel-Anteile. De Mol glaubt, daß es künftig keine Trennung mehr zwischen Internet, Fernsehen, Radio und Telephonie geben wird und sämtliche Mediendienste über ein Netzwerk angeboten werden. Ein solches Netzwerk möchte De Mol durch einen Zusammenschluß von Belgacom und Versatel formen.
Die notwendige Infrastruktur würde sich de Mol mit Versatel verschaffen: Das Unternehmen hat Leitungen von Rotterdam bis Rostock, von Flensburg bis Berchtesgaden und von Antwerpen bis Passau; dazu Verbindungen via Paris und London in die USA. Die Medieninhalte, die über die Netze von Belgacom und Versatel verbreitet werden würden, könnte de Mols Talpa-Holding beschaffen: Talpa betreibt bereits zwei Radiosender und produziert Kinderprogramme. Im August startet Talpa in den Niederlanden den neuen TV-Sender "Tien"; Talpa hat zudem gemeinsam mit Versatel die Senderechte für die Übertragung der Fußballspiele der niederländischen Bundesliga ("Eredivisie") gekauft. Belgacom wiederum besitzt die Fußballübertragungsrechte in Belgien.
Auf die Meldung hin, daß Versatel, Belgacom und Talpa ihre Gespräche intensiviert haben, machten die Versatel-Aktien an der Amsterdamer Börse einen Kurssprung. Sie legten vor dem Wochenende um fünf Prozent auf 2,05 Euro zu; das Unternehmen, das die Hälfte seines Umsatzes in Deutschland macht, hat damit einen Börsenwert von rund einer Mrd. Euro.
Beobachter rechen damit, daß es zu einem Bündnis zwischen den drei Unternehmen kommen und für Versatel bis Ende des Monats ein Übernahmeangebot vorliegen wird, entweder von Talpa oder von Belgacom. "Inzwischen ist klar, daß die Talpa-Beteiligung an Versatel keine finanzielle, sondern eine strategische ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Talpa, Versatel und Belgacom ihre Kräfte bündeln", sagte Jan Willem Berghuis Analyst bei der Effektenbank Kempen & Co.
Für ihre geplanten Unternehmungen haben die beiden potentiellen Partner Talpa und Belgacom ausreichend Geld in der Kasse. Belgacom ist schuldenfrei und verfügt zugleich über insgesamt 4,5 Mrd. Euro an liquiden Mitteln. Und John de Mol hat seinerseits einen Großteil seines Milliardenvermögens in die Talpa Holding gesteckt - das meiste des nun bei Talpa angelegten Geldes hat de Mol im März 2000 verdient, als er zum Pries von rund 5,5 Mrd. Euro seine TV-Produktionsfirma Endemol an den spanischen Telekomkommunikationskonzern Telefónica verkaufte. In den Kaufvertrag hatten die Spanier eine spezielle Klausel eingebaut: Daß nämlich John de Mol bis Juli 2005 keine eigenen TV-Programme produzieren darf. Diese Frist läuft nun ab - ab August will de Mol dann mit Versatel und Belgacom durchstarten
Gruß Moya 


