Ausblick
Kein Katastrophismus an den Börsen
12. Januar 2009 Jetzt kommt es knüppeldick: Der kräftige Anstieg der Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten von 6,8 auf 7,2 Prozent im vergangenen Dezember zeigt die amerikanische Wirtschaft im festen Griff der Rezession. Die Ökonomen der Commerzbank prognostizieren für das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2008 einen Rückgang von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
In Europa sieht es nicht viel besser aus: Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien meldeten in den vergangenen Tagen Rückgänge der Industrieproduktion im vergangenen November. Gleichzeitig brach die deutsche Ausfuhr regelrecht ein, denn die Exporte lagen im November 2008 um 10,6 Prozent unter ihrem Stand vom Vormonat.
Keine großen Erwartungen an die Berichtssaison
Besserung ist nicht zu sehen, denn in diesem Schreckensmonat November ging auch noch der Auftragseingang um 6 Prozent zurück. Von einem „freien Fall“ der Konjunkturindikatoren schreiben die Analysten des Wertpapierhauses Morgan Stanley, die ihre Wachstumsprognose für das diesjährige BIP in der Eurozone von minus 1 auf minus 1,6 Prozent revidieren.
hstoffkonzern Alcoa die Berichtssaison über die Unternehmensabschlüsse 2008 eröffnet. Alcoa hatte bereits in der vergangenen Woche einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Nach dem von Klaus Kleinfeld geführten Aluminiumriesen am Montag folgt in den Vereinigten Staaten der Chiphersteller Intel am Donnerstag mit seinem Abschluss.
In Europa veröffentlichen am Anfang große Handelskonzerne ihre Jahreszahlen; der deutschen Metro am Dienstag schließt sich der französische Konkurrent Carrefour am kommenden Donnerstag an.
Finanzunternehmen im Blick
Besondere Beachtung werden die Abschlüsse der Finanzunternehmen finden, nachdem sich die Lage an den Kreditmärkten gegen Jahresende noch einmal verschlechtert hatte. Von den Verwerfungen dürften nicht nur Banken, sondern auch Versicherer betroffen sein.
Der Kapitaleinschuss des Staates in die Commerzbank hat der Aktie der gelben Bank keineswegs gutgetan, sondern ihre Abwärtsbewegung noch verstärkt. Unter Druck geriet auch der Aktienkurs der Deutschen Bank. Ursache sind Spekulationen über einen großen Verlust im Eigenhandel gegen Jahresende, die bisher aber nicht bestätigt wurden.
In dem beabsichtigten Verkauf des Wertpapierbrokers Smith Barney an Morgan Stanley sieht das „Wall Street Journal“ einen „Schritt zur Zerschlagung“ der Citigroup. Keine Folge der Finanzkrise, sondern politische Unbotmäßigkeit ist der Grund für eine Strafzahlung von 350 Millionen Dollar durch die britische Großbank Lloyds an die Vereinigten Staaten. Lloyds hatte seit Jahren verbotene Geschäfte mit Iran und Sudan gemacht und gegenüber der amerikanischen Bankenaufsicht falsche Angaben über die Identität ihrer Kunden aus diesen beiden Ländern gemacht.
Obama wird's schon richten
„Das Jahr schlechter Nachrichten hat begonnen und wird die weltweiten Börsen auf absehbare Zeit unter Druck halten“, schreiben die Analysten der LBBW. Bisher haben die Finanzmärkte auf die neuesten Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft noch nicht aufgeregt reagiert. Im Gegenteil versuchten sich die Aktienmärkte sogar an einer kleinen Jahresauftaktrally, die den Dax sogar vorübergehend über die Marke von 5000 Punkten trug. Auch die Preise einiger Rohstoffe legten spürbar zu. So überschritt der Preis für ein Barrel amerikanisches Leichtöl zum ersten Mal seit zwei Monaten kurz die Marke von 50 Dollar.
Auch wenn sich weder die Aktienkurse noch die Rohstoffpreise auf diesen Zwischenhochs halten konnten, ist von einer schlechten Stimmung an den Märkten nicht wirklich die Rede. Händler und Investoren sind verunsichert, vielleicht auch etwas ängstlich angesichts der vermutlich sehr schlechten Wirtschaftszahlen in den kommenden Wochen.
Aber von Panikverkäufen wie im vergangenen Oktober lässt sich nichts bemerken. Das hängt auch mit dem Vertrauen vieler Investoren in die staatlichen Konjunkturprogramme zusammen, die derzeit rund um den Globus angekündigt werden. Die Optimisten hoffen daneben noch auf einen „Obama-Effekt“ nach der Einführung Barack Obamas in das Präsidentenamt in der übernächsten Woche.
Gefragte Staatsanleihen
Im Interbankenhandel ist sogar eine leichte Auflockerung erkennbar, obgleich der Markt noch weit von seinem Normalzustand entfernt ist. „Die Geldmarktspreads sind stark rückläufig, befinden sich aber weiterhin auf deutlich erhöhtem Niveau“ stellte Bundesbankpräsident Axel Weber dieser Tage fest. Allerdings könnten schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft durchaus für neue Verwerfungen sorgen.
Gefragt sind weiterhin die Papiere erstklassiger Staatschuldner wie der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten Staaten. Nicht wenige Anlagestrategen sehen trotz der hohen Volumina, die in den kommenden Monaten am Markt plaziert werden müssen, weitere Chancen auf Kursgewinne, da immer noch viele institutionelle Anleger sichere und liquide Anlagen bevorzugen.
Privatanleger weniger optimistisch als Profis
Kaum Überraschungen erwarten die Marktteilnehmer von der Sitzung des Zentralbankrats der Europäischen Zentralbank am kommenden Donnerstag. Eine weitere Senkung der Leitzinsen um 50 Basispunkte gilt bereits als eingepreist. Wichtiger als die Zinssenkung wird der Ausblick von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auf die nähere Zukunft eingeschätzt.
Die verhaltene Zuversicht vieler Investmentprofis teilen die deutschen Privatanleger mehrheitlich nicht. Das auf einer repräsentativen Befragung beruhende Investmentbarometer von JP Morgan Asset Management zeigt für den Dezember 2008 ernüchternde Werte. So erwarten nur 22,2 Prozent der Befragten in den kommenden sechs Monaten einen Anstieg des Dax. Das ist der niedrigste jemals gemessene Wert. 46,2 Prozent der Anleger erwarten fallende Kurse, während etwa jeder dritte Privatanleger keine Stellung zur weiteren Börsenentwicklung beziehen wollte.


































