Die Texte von Euch sind alle sehr interessant, etwas schade finde ich grundsätzlich den Kampf in der Öffentlichkeit zwischen Bullen und Bären. Dabei haben beide Seiten gute Argumente für sich und können über die Zukunft nur orakeln. Das geht den Wirtschaftsexperten so, daß geht uns so, denn wenn wir die Vorhersagen im Nachhinein betrachten, dann stimmen in der Regel nur die, die auf harten Fakten basierend eine Grundtendenz voraussagten.
Die harten Fakten können aber lange dauern, bis sie in der Realität ankommen, zum Teil sind die harten Fakten die wir sehen nur weiche Propaganda, gilt auch wieder für beide Seiten, ich bin überzeugt, man versucht mit allen Mitteln an unser Geld zu kommen und da sind die Bären die besseren Bullen, weil sie in einer Squeeze den gehaßten Bullen die Stücke noch abnehmen und oft die ersten sind, die in einer Abwärtbewegung gar nicht dabei sind, weil sie zu früh verkaufen. Gerade 2008 war das gut erkennbar, da haben viele Bären sogar gegen den Trend nach unten Longs gekauft.
Die Bullen sind da nicht besser, es gibt derzeit viele, die zwar Long sind, aber viel zu spät den Einstieg fanden und den Ausstieg ebenso spät finden werden, 95 % der Marktteilnehmer verlieren eben und wer sind die restlichen 5 % ?
Sei´s drum, die Argumentationen vieler finde ich klasse, aber eines kann man bis jetzt nicht schreiben, daß wir einen Aufschwung haben, oder die Talsohle erreicht ist. Dafür reichen die Informationen nicht aus, die harten Fakten sprechen erstmal eine andere Sprache, nämlich die einer Konsolidierung im fundamentalen Bereich bei gleichzeitig massiv steigenden Arbeitslosenzahlen und massiv steigenden Staatsverschuldungen.
Wenn Euer Nachbar arbeitslos ist, in Wahrheit pleite, aber dennoch einen Ferrari kauft, ist dann seine Situation gerettet für ihn? Nach aussen hin garantiert, im Kern aber muß man schauen, woher kommt das Geld. Hat er es aus dem Sparstrumpf gezaubert, isser dämlich, hat er es geliehen bekommen, isser dennoch pleite, sogar mehr als vorher, weil die laufenden Kosten nicht bezahlbar sind für ihn ohne Einnahmen.
So ähnlich ist die Situation der Staatengemeinschaften. Sie haben in die Märkte das Geld gepumpt, was nicht im Sparstrumpf gesteckt hatte und somit einen weiteren Kredit bei den Bürgern aufgenommen, ohne diese zu fragen und mit nur einem Ziel: Um die Bürger zu beruhigen, denn wenn die alle zu den Banken gerannt wären, bei einer Rückhaltequote der Banken von gerade mal 2 % , wäre das System innerhalb weniger Stunden kollabiert.
Das die Banken mit dem Geld zocken, klar, wir sehen es. Das die Banken Bilanzierungen ändern, klar, wir wissen es. Das ein Teil des unternehmerischen Mittelstandes massivste Probleme hat, es wird nicht bestritten werden können. Das die Arbeitslosigkeit massiv ansteigt, in den USA die Beschäftigtenquote so gering ist, wie vor dem zweiten Weltkrieg, es ist bekannt. Das bei uns die Anträge auf Kurzarbeitergeld massiv hochgefahren und verlängert wurden, um vor den Wahlen nicht mit wehenden Fahnen politisch nach links gedrückt zu werden, es wird niemand bestreiten.
Das in Deutschland an jeder Ecke gebaut und gewurstelt wird und man sich nur wundert, auch das sieht man, aber es reicht nicht aus. Das in der Automobilbranche ebenfalls gestreckt wurde, wir wissen es.
All diese Aktionen laufen seit geraumer Zeit und natürlich setzen sie ihre Marken in den Daten. Wenn ich mir aber anschaue, daß die Industrieproduktion eben nicht so steigt wie sie es müßte, um etwas positives zu bewirken, dann mache ich mir meine Gedanken, die Steigerungen, ihr wißt es, waren hauptsächlich zurückzuführen auf militärisches Gerät. Unser Nachbar hat sich neben dem Ferrari noch ne Zimmerflak bestellt, damit er ruhig schlafen kann.
In dieser Lage erleben wir an den Märkten eine Rallye und weil dem so ist, schlußfolgern viele, es wird wirtschaftlich bergauf gehen. Es ist ganz ehrlich zu hoffen das es so kommt. Die Argumente der Bären sind aber stichhaltiger, denn die der Bullen basieren auf einer Einschätzung, die man von aussen sieht, wie beim Nachbarn, die sich aber anhand der Daten nicht verifizieren läßt.
Ach ja, die Befragungen jede Woche der Bürger. Auch geil, wenn der Nachbar von uns nun den Ferrari hat und ein wenig schwarz arbeitet, kann er sogar damit einige Tage durch die Nachbarschaft brummen. Alle die man fragt werden sagen : Hey, der ist reich, der muß nicht mehr arbeiten, der hat es geschafft.
Das dem nicht so ist, weiß er nur alleine und nun muß er mit allen Mitteln irgendwie die Situation retten, um den Anschein zu wahren, denn wenn er das nicht schafft, verliert er das Vertrauen und die Anerkennung der Nachbarn, er verliert seinen Status und wahrscheinlich dann wirklich alles was er hat, auch wenn es auf Pump ist.
Übertragen wir die Sichtweise auf die Märkte, haben sich die Staatengemeinschaften gerade etwas geleistet, um die Situation kurzfristig zu überstehen. Wir sehen es an steigenden Aktienmärkten, wir sehen es an erneut arroganten Bankern, hey, wie kann man arrogant sein, wenn man Millionen vom Steuerzahler in den Hintern geblasen bekommt weil man nen schlechten Job gemacht hat? Naja, wenn nun also 95 % der Marktteilnehmer nen schlechten Job machen, einschließlich der Banker, Kopf kratz, wer gewinnt dann langfristig?
Von den Banken mit Sicherheit nur sehr wenige, die sich die Macht aufgebaut haben Informationen vor uns zu haben und bis in die Regierungen hinein Einfluß ausüben. Namen brauche ich keine nennen, Ihr kennt sie.
Bei den Privatinvestoren, nur diejenigen, die diszipliniert nicht ihre Charaktereigenschaft ( Bulle oder Bär ), sondern ihren Handelsplan anhand eines Systems handeln. Der Rest kann nicht gewinnen, weil die Bewegungen die wir sehen nicht real sind, sie finden nur in unseren Köpfen statt und sind im Prinzip nur die psychologische Verführung einer Masse anhand von Kursen billig oder teuer zu suggerieren und somit Reichtum zu versprechen.
Ich habe mit einigen Bekannten einen Test gemacht. Ich habe einen Chart generiert, völlig willkürlich, die Kollegen saßen dort und bekamen die Daten rein wie bei der richtigen Börse. Aber sie wußten, es ist fiktiv, es ist nur ein Spiel. Seltsamerweise lagen 80 % richtig in der Einschätzung. Das Gleiche an der Börse einen Tag drauf hat ein Ergebniss von 15 % richtigen Trades an einem Tag gezeigt. Hat man sich die Trades angeschaut, war schnell klar, es fehlte an Struktur, es wurde gehandelt was man möchte das der Markt macht.
Dieses funzt natürlich nicht.
Deswegen sind die Diskussionen und das Ringen um Argumente wirchtig und wertvoll. Für die Bullen die Bärenargumente, um sich auf den Boden zu holen, für den Bären die Bullenargumente, um nicht als Bettvorleger zu enden, denn mit Shorts sitzt man meist die längere Zeit auf heissen Kohlen und man häutet sich.
Alles zusammen kann nur bedeuten, im Handel das Wissen um die "Möglichkeiten" im Kopf zu haben. Also auch für die Bullen, aufpassen, es kann deutlich nach unten rauschen, wer da zu früh reingeht, verliert das Geld aus dem Aufschwung.
Für den Bären, hey, sie können pumpen und wir wissen nicht wie groß ihre Lungen sind. Wenn sie nach Luft jappsen, geht es nicht anders, als den Sauerstoff zu nutzen der ab und an abgelassen wird und auch mal Long zu gehen. Das große Ausatmen zu verpassen dürfte die stärkste Angst der Bären sein, genau wie die größte Angst der Bullen ist, einen Aufschwung nicht mit zu nehmen.
Aber es ist und bleibt so, man kann jeden verdammten Tag in den Markt, man verpaßt nichts, wer glaubt etwas zu verpassen verliert, denn er läßt sich von seiner Angst treiben.
Glaub das war jetzt das Wort zum Sonntag......na dann mal raus ins Freie !!