Schlimmer als die Dotcom-Blase: Bei dieser Aktie kommt jede Hilfe zu spät!

Max Gross Max Gross
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Max Gross verfügt über langjährige Börsenerfahrung, davon fünf Jahre als Redakteur bei einem der führenden Anlegermagazine Deutschlands. Für ARIVA.DE bereitet er Markt- und Unternehmensentwicklungen fundiert, praxisnah und mit klarem Fokus auf Anlageentscheidungen auf. Sein Schwerpunkt liegt auf US-Aktien, Dividendenwerten und Value-Titeln. Ziel seiner Arbeit ist es, Anlegerinnen und Anlegern relevante Informationen, konkrete Investmentideen und belastbare Impulse für den langfristigen Vermögensaufbau zu liefern. Dafür setzt er auf die Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse.

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Eine Blase kurz vor dem Platzen (Symbolbild).
© Lanju Fotografie auf Unsplash.
Der Hype um Halbleiter-Aktien treibt die Kurse auf immer neue Höhen. Das gilt allerdings auch für die Unternehmensbewertungen – mit schwerwiegenden Folgen.
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Halbleiter- und KI-Aktien: Die Gier wird immer größer

Noch immer weckt der KI-Boom die Gier der Anlegerinnen und Anleger. Vor allem im Bereich Halbleiter und KI-Infrastruktur sind die Kurse in den vergangenen Wochen – Iran-Krieg hin oder her – geradezu in den Himmel gewachsen. Das Plus von 99 Prozent gegenüber dem Jahreswechsel im Branchenindex Philadelphia Semiconductor ist für nur ein Beispiel.

Die Anteile vieler Einzelwerte sind noch deutlich stärker gestiegen. Hier ist vor allem die Speicherchiphersteller Micron, SanDisk und SK Hynix zu denken. Doch auf für die Zulieferer der Halbleiterindustrie ist es jüngst hervorragend gelaufen – sogar deutsche Werte wie die Anlagenbauer Aixtron und SUSS MicroTec konnten hiervon profitieren.

Werte aus dem Artikel:

Unternehmensbewertungen wie seit der Dotcom-Blase nicht mehr

Doch mit den Aktienkursen sind auch die Bewertungen der Unternehmen ins Unermessliche gestiegen. Das führt vermehrt zu Stimmen, die jetzt vor einer Korrektur oder sogar einem Crash warnen. Viele Anlegerinnen und Anleger tun diese Warnungen zwar als Manipulationsversuche ab, die sie aus ihren Positionen drängen sollen. Doch gegenstandslos sind die Mahnungen nicht.

Das beweist jetzt beispielsweise die Aktie von Applied Materials. Die hat sich in den vergangenen 12 Monaten um knapp 232 Prozent verteuert. Das ist zwar eine ganze Menge, aber bei Weitem noch nicht so viel wie beispielsweise bei Micron.

Applied Materials stellt neuen Negativrekord auf

Doch auch dieser Kursanstieg hat jetzt zu einer bemerkenswerten Folge geführt. Die Aktie ist inzwischen so teuer wie seit der Dotcom-Blase und damit seit über einem Vierteljahrhundert nicht mehr! Grundlage für diese Aussage ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf Basis der in den vergangenen 12 Monaten erwirtschafteten Erlöse (TTM).

Dieses ist durch die beschleunigte Rallye der Aktie insbesondere in den vergangenen Wochen jetzt auf 16,1 gestiegen. Selbst auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase lag das Kurs-Umsatz-Verhältnis von Applied Materials "nur" bei knapp 15.

Bewertung um ein Vielfaches höher als im Rest der Branche

Auch mit Blick auf andere Bewertungskennziffern ist Applied Materials, das sich auf die Herstellung von für die Halbleiterproduktion benötigten Materialien und Chemikalien, wie Lösungsmittel, spezialisiert hat, inzwischen deutlich überbewertet.

Das für 2026 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis bereinigter Gewinne bei 47,7 und damit um 133,2 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel von 20,5. Gegenüber dem Branchendurchschnitt von 24,8 ist Applied Materials inzwischen um fast 93 Prozent überbewertet. Dieser Trend setzt sich bei vielen weiteren Kennziffern fort.

So liegt beispielsweise das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis mit 1,91 um 31,5 Prozent über dem Vergleichswert der Branche. Anders als bei Micron und Nvidia gibt es bei Applied Material Wachstum also nicht mal zu einem günstigen Preis. Bei Kennziffern wie dem Kurs-Buch-Verhältnis liegt der Aufschlag gegenüber der Vergleichsgruppe sogar bei über 250 Prozent. Das verdeutlicht, wie sehr die Bewertung hier aus dem Ruder gelaufen ist.

Bearishe Divergenzen sprechen jetzt für eine Korrektur

Mit Blick auf den Chart der Aktie zeigt sich ein in den vergangenen 3 Jahren hochdynamischer Aufwärtstrend, der sich seit dem Herbst in mehreren Stufen signifikant beschleunigt hat. Dadurch ist der Abstand zu den Durchschnittslinien allerdings stark gewachsen, was künftige Korrekturen besonders schmerzhaft machen könnte.

Ein Indiz dafür, dass es schon bald so weit sein könnte, liefert vor allem der Relative-Stärke-Index (RSI). Der ist auf Tageskursbasis nicht nur im überkauften Bereich, sondern begleitet den Aufwärtstrend der Aktie schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Dadurch liegen bearishe Divergenzen vor, die in der technischen Analyse als Trendwendeindikatoren gelten.

Schlimmstenfalls droht eine Halbierung der Aktie

Ein Zählerstand von 76,1 Punkten auf Tageskursbasis ist zwar fortgeschritten, aber noch nicht zwingend überkauft. Das sieht mit Blick auf den Wochen- und Monats-RSI jedoch anders aus. Hier stehen Werte von 83,4 und 85,5 zu Buche.

Das sind sehr fortschrittliche Werte, welche die Aktie jetzt in eine wochen- oder gar monatelange Korrektur zwingen könnten. Voraussichtliche Abwärtsziele sind der Bereich um 400 US-Dollar sowie die 200-Tage-Linie bei rund 315 US-Dollar. Das bedeutet ein Abwärtspotenzial von 30 bis 45 Prozent.

16.06.26 - ARIVA.DE Redaktion

Fazit: Es ist an der Zeit, ängstlich zu sein, jetzt wo alle gierig sind!

Anlegerinnen und Anleger lassen innerhalb der Halbleiterbranche inzwischen jedes Gespür für vertretbare Unternehmensbewertungen vermissen. Das hat am Beispiel von Applied Materials jetzt zu einem Kurs-Umsatz-Verhältnis geführt, das sogar über dem Stand der Dotcom-Blase liegt. Auch insgesamt ist die Aktie inzwischen so teuer, dass eine Bewertungskorrektur unvermeidlich sein dürfte.

Applied Materials steht hier stellvertretend für die gesamte Branche. Anlegerinnen und Anleger sollten sich auch mit Blick auf die technisch heiß gelaufenen Charts daher geeignete Exit-Strategien zurecht legen und erste Gewinnmitnahmen erwägen – sonst könnte schon in ein paar Wochen ein böses Erwachen drohen.

Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross


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