siehe auch:
--> DE BEIRA: Die Mutter aller Rohrkrepierer--> Kriminelle Kursmanipulationen von Börsenbriefen
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Vorsicht Falle - wie Börsenbriefe Kurse machen
Reich werden mit Newslettern? Klar, wer will das nicht. Doch der Fall De Beira Goldfields zeigt: Es ist Vorsicht angesagt. Schon ein Blick in die so genannten Disclaimer zeigt mögliche Interessenkonflikte auf. Die Disclaimer sind also auf jeden Fall Pflichtlektüre.
So heißt es etwa im Haftungsausschluss des Newsletters "HotStock-Kurier": "Die auf den Webseiten und den Newslettern vom HotStock-Kurier veröffentlichten Interviews und Informationen zu Wertpapieren und Unternehmen werden grundsätzlich von den jeweiligen Unternehmen vergütet. Nach dem geltenden Recht liegt hier ein Interessenkonflikt vor, auf den wir sie hiermit ausdrücklich hinweisen wollen. Aber auch wenn unsere Informationen und Analysen nicht unabhängig sind, sind sie dennoch von strengen fachmännischen Qualitätskriterien geprägt."
Bis zur Lektüre des "Kleingedruckten" scheinen die meisten Anleger allerdings gar nicht erst zu kommen. Das Spiel mit der Psychologie hebelt den gesunden Menschenverstand aus. Oft genug glaubt man sich in den Wilden Westen versetzt. Kein Wunder, denn oftmals rücken „Gold-Werte“ in den Fokus dieser Briefe. Die weltweiten Rohstoff-Vorkommen stoßen auf Engpässe – was also spricht gegen eine Investition in Öl- oder Goldaktien? Wer will schon "einmalige Chancen" verpassen, zumal dann, wenn "gewaltige News" anstehen?
Spiel mit der Anleger-Fantasie
Unter Verweis auf grenzenlose Wachstumsperspektiven wird arglosen Anlegern der Kauf nahezu unbekannter Explorationsunternehmen nahegelegt: California Oil & Gas, De Beira Goldfields, Cascade Energy, Texola Energy, Aurora Gold, Barnabus Energy, um nur einige dieser Titel zu nennen. Dass die meisten dieser Unternehmen keine nennenswerten Erlöse erwirtschaften und zudem oft über eine schwache Kapitalausstattung verfügen, interessiert die Autoren kaum. Im Gegenteil: Die Tatsache, dass sich das Geschäft der besprochenen Unternehmen gerade erst entwickelt, soll den Tippgebern zufolge die Grundlage für astronomische Aktiengewinne abgeben. So verspricht der "HotStock Kurier" vollmundig, dass die Öl-und Gasprojekte der Texola Energy Corp. "allesamt potentielle Weltklasseresourcen" seien. Der Newsletter "Finanzen und Börse" leitet seinerseits eine Empfehlung der britischen Transatlantic Capital per E-Mail weiter. Angepriesen wird darin der Penny-Stock Cascade Energy, der in der kanadischen Provinz Alberta nach Gasvorkommen sucht. Mit diesem Wert könne der Anleger an den "exzellenten Aussichten des Rohstoffsektors" partizipieren, heißt es. Dass es mit dem Papier unlängst steil abwärts ging, wird zugleich als Kurschance umgedeutet: "Die Aktie hat nach massivem Kurseinbruch nun enormes Aufwärtspotenzial."
Aufmerksamen Beobachtern der Börsenbrief-Szene ist nicht entgangen, dass sich Newsletter wie Bullinvestor, Börsenspion, Commodity Stock Investor, Blue Sky Level, Markus Frick und Rohstoffraketen mitunter sogar gegenseitig zitieren. Einige senden bis zu drei Mal die Woche Updates ihrer Empfehlungen per E-Mail. Anleger werden mit Tipps also förmlich torpediert.
De Beira und California Oil & Gas
Die oben angeführten "Interessenkonflikte" lagen offensichtlich auch im Falle der Spekulationen in Aktien von De Beira Goldfields und California Oil & Gas vor. Im Mittelpunkt steht hier der Börsenbrief "Blue Sky-Level" und sein Redakteur Christian Euler. Besonders brisant: Erst kürzlich hat sich das Magazin "Focus", für das Euler ebenfalls schrieb, von seinem Finanzredakteur getrennt.
Der Fall der Minengesellschaft De Beira verlief nach Ansicht von Experten nach einem perfekten Drehbuch: Mehrere hundert Prozent stieg die Aktie des Goldsuchers mit Sitz in Nevada, dann kam der jähe Absturz. Viele deutsche Anleger, die den Börsenbrief-Empfehlungen folgten, sitzen jetzt auf massiven Verlusten. Mitte Mai dieses Jahres empfahl Euler im "Focus" die Aktie. Eine Woche danach erfolgte der Tipp in seinem Börsenbrief "Blue Sky-Level", den er über die britische Firma Grosvenor verschickt. Anfang Juni erschien dann im "Focus" ein mehrseitiger Artikel zu den angeblich glänzenden Aussichten von Gold-Investments – wiederum fiel der Name De Beira. Nur eines erfuhren die Leser des Münchener Magazins nicht: dass der Autor des Artikels die Aktie zugleich in seinem Börsenbrief empfahl. Einen ähnlichen Interessenkonflikt gab es offenbar auch bei der Rohstoff-Aktie California Oil & Gas: Am 26. April empfahl Euler in "Blue Sky-Level" das Papier zum Kauf. Noch am selben Tag stufte "Focus-Money" das Papier als "Kursverdoppler" ein.
Gerüchten über Kursmanipulationen trat Euler entgegen. Er bestreitet einen Insiderhandel. Im Rahmen einer routinemäßigen Untersuchung schaut sich die BaFin zur Zeit den Handel in Aktien von De Beira an. Eine förmliche Ermittlung wurde bislang nicht eingeleitet, hieß es auf Anfrage. Ohnedies verliefen Ermittlungen der Börsenpolizei in der Vergangenheit oft im Sande.
Quelle: http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_172536
"Focus"-Tipp im Doppelpack
von Markus Zydra und Claus Hecking, Frankfurt
Das Magazin "Focus" hat sich von seinem Finanzredakteur Christian Euler wegen seiner Doppeltätigkeit als "Focus"-Journalist und Herausgeber eines Börsenbriefs getrennt. Damit ändert das Blatt seine Linie gegenüber Interessensverquickungen von Redakteuren.
"Die Chefredaktion meinte, dass der Ruf des Blattes durch mich geschädigt werden könnte. Dann haben wir uns auf einen Auflösungsvertrag geeinigt", sagte Euler der FTD. Ein "Focus"-Sprecher verweigerte jegliche Auskunft über die Hintergründe des Vorfalls, sagte aber: "Ich möchte betonen, dass wir uns von dem Kollegen getrennt haben."
Mit der Vertragsauflösung revidiert der "Focus" seine bisherige Linie im Umgang mit derart dubiosen Verquickungen seiner Mitarbeiter. Noch im Jahr 2000 hatte "Focus"-Chef Helmut Markwort seinen langjährigen Redakteur Marian von Korff in einem weitaus gravierenderen Fall öffentlich in Schutz genommen. Zuvor hatte der "Spiegel" enthüllt, dass von Korff Firmen im "Focus" zum Kauf empfahl, an denen die von ihm geführte Beteiligungsgesellschaft Fair Invest und der von ihm beratene Fonds VMR Strategie Quadrat Anteile hielten.
Die Rolle der Medien bei der Veröffentlichung von Wertpapieranalysen und damit verbundenen Kauf- oder Verkaufsempfehlungen war im Jahr 2003 kontrovers diskutiert worden. Im Zuge des Anlegerschutzverbesserungsgesetzes sollten die Medien ebenfalls unter die Kontrolle der Finanzaufsicht BaFin gestellt werden. Unter Berufung auf die Pressefreiheit einigten sich Gesetzgeber und Medienvertreter auf eine wirksame Selbstkontrolle.
Interessenskonflikte in zwei Fällen
Die Interessenskonflikte des "Focus"-Redakteurs manifestierten sich in zwei Fällen: Am 26. April empfahl Euler in seinem Börsenbrief "Blue Sky-Level" die Aktie der Rohstofffirma California Oil & Gas zum Kauf. Am selben Tag wurde das Papier als "Kursverdoppler" in dem Magazin "Focus-Money" eingestuft. Zwar stammte der Artikel nicht von Euler, doch gibt er zu, den schreibenden Kollegen auf diese Aktie aufmerksam gemacht zu haben. "Es war ein positiver Imageeffekt für den Newsletter, wenn auch ein berühmtes Anlegermagazin diese Aktie empfiehlt", sagt der ehemalige "Focus"-Redakteur.
Euler selbst war es, der am 15. Mai im "Focus" die Aktie des Goldminenkonzerns De Beira empfahl - und wenig später auch in seinem Börsenbrief, den er über die britische Firma Grosvenor vertreibt. Die Aktie von California Oil & Gas fiel in den zwei Monaten zwischen dem "Focus-Money"-Bericht und am Donnerstag um rund 38 Prozent auf 0,89 Euro. Auch bei De Beira ging es abwärts: Von 18 Euro auf aktuell 3,58 Euro.
Newsletter wieder im Kommen
Newsletter wie "Blue SkyLevel" sind wieder im Kommen. Erst vor kurzem gelang es dem Börsenbrief-Herausgeber Egbert Prior beim Börsengang seiner Beteiligungsgesellschaft Prior Capital AG mehr als 5 Mio. Euro einzusammeln. Gerade bei "Geheimtipps" wie California Oil & Gas können Börsenbriefe, unterstützt von Internetforen, Kursbewegungen auslösen oder verstärken. De Beiras Aktienkurs verneunfachte sich binnen drei Wochen nach Eulers Tipp. Euler bestreitet einen Insiderhandel. Die BaFin sieht noch keinen Anlass für eine Überprüfung.
Der Presserat verwies auf Anfrage lediglich auf seine Leitlinien. Darin heißt es, dass beruflich erlangte Informationen vor ihrer Veröffentlichung ausschließlich für publizistische Zwecke und nicht zum eigenen persönlichen Vorteil verwendet werden dürfen. Der "Focus" richte sich nach diesem Kodex, so der Sprecher. Im Jahr 2000, kurz vor Beginn der dreijährigen Baisse, hatte sich die "Focus"-Redaktion noch in einem langen Artikel gegen den "Spiegel"-Bericht gewehrt: "Die ,Focus‘-Börsentipps waren gut.
Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/geldanlage/91310.html