Wer hat es gestern nicht gesehen? Das sagenumwobene, langerwartete und herbeigesehnte Kanzler-Duell. Nach dem Insel-Duell, dem Diät-Duell und dem Koch-Duell setzte dieses TV-Duell ganz neue Maßstäbe irgendwohin, wo sie nicht wieder abgeholt wurden. Ein Highlight der deutschen Fernsehgeschichte! Endlich bekam der Wähler ganz neue Einblicke in Dinge, die er schon immer nicht hat wissen wollen. Diese Jahrhundertsendung, die RTL und Sat.1 zeitgleich ausstrahlten, bot dem Zuseher einfach alles - Sex, Steuern und Intrigen - und das ohne Uschi Glas!
Peter Limbourg und der Erfinder der Betroffenheitsmaske, Peter Kloeppel, setzten die beiden Kontrahenten derart unter Druck, dass sie sich fast vor laufender Kamera zerfetzten. Das als "Live"- Sendung angekündigte Duell wurde natürlich schon drei Stunden zuvor aufgezeichnet und war bereits kurz nach 18 Uhr im Internet zu finden. Hier ist er endlich, der original Wortlaut:
Herr Bundeskanzler, warum sollen die Menschen Ihnen persönlich vertrauen, dass Sie das auch alles einhalten, was Sie versprechen?
Schröder: Glaubwürdigkeit hat zu tun mit der Tatsache, dass man macht, was man sagt, dass man hinter dem steht, was man tut, dass man aufrichtig und ehrlich ist, wenn man etwas gemacht hat, dass man davon überzeugt ist, wovon man andere überzeugen will, dass man dem vertrauen kann, was man gerade eben noch gesagt hat, dass man zu dem steht, was man tut, dass man auch zuverlässig ist, dass man ehrlich ist und dass man sich darauf verlassen kann, was man eben noch als bare Münze von sich gab.

Herr Ministerpräsident, warum sollen die Wähler Ihnen vertrauen?
Stoiber: Ich versuche, immer nach dem Prinzip zu handeln, keine Unterschiede zwischen Reden und Handeln zu machen. Ich glaube, das ist einer der grössten Vorwürfe, den die Menschen immer wieder an die Politiker richten, dass zwischen Reden und Handeln ein zu großer Unterschied ist. Ich bemühe mich beim Handeln nicht das Reden zu vergessen, denn wie oft ist es schon passiert, dass nur geredet wurde, also ohne zu Handeln. Klar, man kann auch Handeln ohne zu Reden und Reden zu Handeln, doch gerade letzteres kann nicht verschwiegen werden, auch wenn noch soviel geredet wird.

Ich meinte, fehlt Ihnen möglicherweise als Person die Glaubwürdigkeit, die Sie vielleicht bei den Sachthemen haben?
Stoiber: Nein, Herr Knobbel. Sehen Sie, ich bin der Kanzlerkandidat von CDU und CSU. Herr Schröder ist der Kanzlerkandidat der SPD, er ist aber auch der Kanzlerkandidat der Grünen und der Kanzlerkandidat der PDS. Ich bin hingegen auch der einzig wahre Kanzlerkandidat der FDP, der Kanzlerkandidat der noch immer Unentschlossenen und der Kanzlerkandidat der Nichtwähler und Wahlverdrossenen.
Herr Bundeskanzler, welchen Kanzler bekommen die Wähler, wenn Sie wiedergewählt werden?
Schröder: Sofern die Wähler nicht Herrn Stoiber oder Herrn Westerwelle wählen, werden sie mich bekommen, denke ich. Sie werden einen ungefärbten und ungepuderten Kanzler bekommen, den sie verdient haben, denke ich. Ich arbeite 24 Stunden am Morgen, am Tag und in der Nacht, wenn ich nicht gerade Pause mache. Ich arbeite unentwegt, teilweise und sogar in der Regel an Doris. Ich denke auch, dass ich zu oft "denke ich" sage, aber das ist nicht von Bedeutung, denke ich.
Sie sehen da keinen Imagewechsel?
Schröder: Was heisst Imagewechsel? Ich finde, man sollte sowieso weniger über Image reden als vielmehr über das, was jemand tut, was man macht und was man sagt, wenn man was macht und wenn man was sagt. Man sollte darüber reden, dass man hinter dem steht, was man tut, wenn man hinter etwas steht, was man getan hat oder dass man dem vertrauen kann, was man gerade eben noch gesagt hat, wenn man gerade etwas gesagt hat, dem man auch vertrauen kann.
Herr Stoiber, man hat den Eindruck, Sie führen keinen Wahlkampf, sondern einen Ähnlichkeitswettbewerb mit Herrn Schröder.
Stoiber: Ich glaube, dass Ihre Wahrnehmung nicht ganz richtig ist oder das sie nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Was erlauben Sie sich eigentlich, Sie kleine Ratte? Im übrigen bin ich ja auch ein Konservativer - und wissen Sie, was Homoehe anbelangt: Wir waren dagegen, besonders ich war gegen diese unnatürliche ekelhafte Schwulen- und Lesbensache, aber man muss natürlich auch akzeptieren, dass dieses asoziale Pack namens demokratische Mehrheit anders entschieden hat. Und damit ich die paar Stimmen dieser Wählerschaft abgeifen konnte, musste ich mich natürlich fügen, so meine Berater.
Herr Schröder, hat Ihre ruhige Hand angefangen zu zittern?
Schröder: Auch wenn ich mir die neuesten Umfragen anschaue, habe ich eigentlich keinen Grund, wild onanierend in der Ecke zu sitzen. Sowohl was die Parteiwerte angeht, die noch besser werden können, als auch die persönlichen Werte. Die persönlichen Werte liegen mir eigentlich nicht so sehr, denn wer mich kennt, kann bestätigen, dass ích im Grunde ein einfacher Mann bin, der eine Schwäche für die Konjunktur hat. Grundsätzlich mache ich zunächst einen ungünstigen Eindruck, verliere aber bei näherer Bekanntschaft. Die Parteiwerte sind mir dagegen äusserst unwichtig, denn schliesslich stehe ich hier, nicht die Partei!
Herr Stoiber, haben Sie die katastrophale Flut für Ihren Wahlkampf benutzt?
Stoiber: Also, das glaube ich nicht. Ich meine, dass ich in Passau war als Ministerpräsident und mich an der Katastrophe aufgegeilt habe, das ist eine Selbstverständlichkeit. Sie hätten sehen sollen, wieviel andere Gaffer noch da waren! Man musste sich doch ein Bild darüber macht, wie die armen Schweine diese Situation meistern. Das ist die grösste Katastrophe, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu bewältigen hat. Und hier gilt es auch, etwas zusammenzustehen, damit keine Gaffer in der zweiten Reihe stehen müssen. Und glauben Sie mir: in der Realität kommt das viel besser als im Fernsehen!
Erst kam die Flut, dann die Mücken, dann die Politiker - fühlen Sie sich davon angesprochen, Herr Schröder?
Schröder: Nöö. Aber an dieser Stelle muss ich Herrn Stoiber zustimmen: was das Aufgeilen am Leid anderer angeht, das kann man viel besser, wenn man eine sehr persönliche Anschauung hat, also direkt vor Ort ist. Wäre man nicht hingefahren, hätte sich der eine oder andere gefragt, warum wir uns nicht dran aufgeilen wollen und uns für krank erklärt. Ausserdem: je direkter der Eindruck ist, desto schneller und präziser kann man den Menschen helfen. Mir ist zum Beispiel ein Mann mit einer kaputten Haustür entgegengekommen, der unentwegt jammerte, er hätte alles, rein alles verloren. Ich habe die Lage erkannt und sofort geholfen. Jetzt hat er eine neue Haustür.
Ist es jetzt das richtige Signal, zu Zeiten der Flutkatastrophe, die Reform um ein Jahr zu verschieben?
Schröder: Es ist das richtige Signal und zwar aus zwei Gründen. Erstens sind die Menschen jetzt sowieso mit dem Aufbau Ost Version 2.0 beschäftigt. Es ist zwar kein Hochhaus eingestürzt, aber für den Hauch einer kleiner binnenländischen Katastrophe zahlt der Bürger doch auch gerne ein paar Euro. Zweitens lohnen sich Existenzgründungen momentan sowieso nicht, da der Aufbau schon zu fünfzig Prozent an Ikea vergeben wurde. Und so ein kleiner Sandsack-Shop kostet ja auch nicht die Welt.
Stoiber: Wir haben die Flutkatastrophe und wir haben vier Millionen Arbeitslose! Wir haben mehr Arbeitslose als Sandsäcke! Über vier Millionen Arbeitslose im Sommer. Wir bauen keine Arbeitslose ab, stattdessen produzieren wir arbeitswillige Arbeitslose, die nach den jüngsten Arbeitslosenzahlen vom Arbeitsamt uns nur noch mehr Arbeit machen. Selbst wenn wir uns sofort an die Arbeit machen würden, wäre für die meisten Arbeitslosen in kürzester Arbeitszeit kein anständiges Arbeitsklima zu schaffen, das kann ihnen nicht nur jedes Arbeitsamt bestätigen, sondern auch jede Arbeitskraft in jedem x-beliebigem Arbeitslager. Und wenn ein Arbeiter seine Arbeit verliert, hilft ihm bei der maroden Arbeitsplatzpolitik des Arbeitsministeriums auch keine Arbeitslosenunterstützung, keine Arbeitslosenversicherung und kein Arbeitsgericht!
Äh, ja, das war sehr arbeitsintensiv. Sie halten den Weg also für falsch?
Stoiber: Wir halten den Weg für falsch, in vielem sind wir mit der SPD den Weg gemeinsam gegangen, aber wer einen anderen Weg haben will - und wir haben ja noch genug Wege -, wer einen anderen Weg haben will, wer nicht diesen Weg gehen will, der muss die Union wählen, denn dann gehen wir einen anderen Weg.
Schröder: Sie sollten mir jetzt mal eine Bemerkung gestatten. Zunächst einmal geht es um die Verschiebung von Steuerentlastungen und zwar für ein Jahr. Wir wollen mit der Körperschaftssteuererhöhung die Einkommenssteuer ausgleichen, die natürlich auch erhöht wird, weil die anstehende Mineralölsteuererhöhung und die Versicherungssteuererhöhung nicht ausreichen werden, um den Leuten in Not schnell und unkompliziert Geld zukommen zu lassen, das sie natürlich wieder versteuern müssen. Es geht ja auch darum, mit Hilfe der Tabaksteuererhöhung nicht zu viel Druck auf die Umsatzsteuer auszuüben, sondern durch eine gezielte Erhöhung aller Steuern jeden irgendwo zu treffen.
Läuft dieses Vorgehen nicht Gefahr, die Gewerbesteuer außer Gefecht zu setzen?
Schröder: das kann ich Ihnen jetzt nicht beantworten, denn das hab ich so auswendig lernen müssen. Das haben mir meine Berater so aufgeschrieben.
Herr Stoiber, wie hätten Sie das Versprechen eingehalten, die Wirtschaft anzukurbeln?
Stoiber: Der Fehler, den die Regierung gemacht hat, war, dass sie sich hat einschüchtern lassen. Gut, die 16 Jahre Kohl-Regierung, der 11. September, der Zusammenbruch des Neuen Markts, die Weltkonjunktur, der Afghanistan-Krieg und die Flutkatastrophe haben leichte Auswirkungen gehabt. Aber das hat doch gar nichts mit diesen dramatischen Zuwachszahlen an Arbeitslosigkeit und diesem schwachen Wirtschaftswachstum zu tun! Deswegen akzeptiere ich natürlich nicht diese Ausrede des Bundeskanzlers, immer wieder zu sagen, andere sind schuld. Das hat er schon im Kindergarten gemacht, da hat er gesagt, ich kann nichts dafür, die Bedingungen werden von den Kindergärtnerinnen gemacht. Immer sollen andere Schuld sein, und die Leute bezahlen es mit Arbeitslosigkeit.
Schröder: Wenn ich auf gleichem Niveau antworten würde, würde ich Herrn Stoiber an seine Mittlere Reife erinnern, bei der er seinen Eltern hoch und heilig versprochen hatte, das Zeugnis mit 1,5 Promille zu schaffen. Er hat zwar immerhin 3,8 Promille geschafft, musste aber ohne Fernsehen und Abendbrot unterm Bett schlafen.
Wie schätzen Sie das Problem der Zuwanderung ein?
Stoiber: Ich halte es für völlig falsch, dass wir - in Anbetracht der Tatsache, dass wir demnächst auch noch viele neue Ostblock-Zuwanderer bekommen - jeden hier reinlassen, denn zuerst nehmen uns die Inder unsere Arbeitsplätze weg, dann kommen die Neger mit den langen Schwänzen und verführen unsere Töchter und zu guter letzt hauen die Polen mit unseren Autos ab!
Schröder: Naja, wir brauchen eben Leute, die in einem Land aufgewachsen sind, in der es High-Tech en masse gibt, wo man sich im Bereich der Kommunikationstechnologie und Informatik auskennt, wie zum Beispiel in Indien. Die fünf Inder, die sich mit der GreenCard in Deutschland gemeldet hatten, sind nach dem Besuch des Münchener Oktoberfestes zu Fuss nach Österreich geflüchtet, wo sie um Asyl baten.
Welchen Einfluss haben Ihre Ehefrauen auf Ihre Politik?
Stoiber: Einen ganz großen. Ohne das Verständnis und ohne die Liebe meiner Frau könnte ich eine solche Herausforderung überhaupt nicht angehen. Sie unterstützt mich. Sie hilft mir. Sie berät mich auch, wenn ich mich mal in einem Loch befinde. Aber seitdem ich Katherina Reiche in meinem Kompetenz-Team habe, kann ich die ein oder andere Arbeit auch mal auf ihr abwälzen.
Schröder: Die bessere Hälfte, das bezieht man ja gelegentlich auf andere Zusammenhänge, zum Beispiel beim Schlachten von Rindern oder Pferden. Natürlich versuche ich, ihr den Sinn meines Berufes einigermassen einzubleuen, aber das ist bei Doris natürlich wie ein Fass ohne Boden. Aber sie hat das Telefon erfunden, also das Sorgentelefon für Kinder, die bei Doom oder Counterstrike irgendwo festhängen und nicht weiter kommen. Ich denke, Doris ist und bleibt ein Frauenbild, das nicht meines ist. Aber was soll der stock-konservative Wähler sagen, wenn ich schon wieder heiraten würde?
Fortsetzung folgt am 8.September...
Peter Limbourg und der Erfinder der Betroffenheitsmaske, Peter Kloeppel, setzten die beiden Kontrahenten derart unter Druck, dass sie sich fast vor laufender Kamera zerfetzten. Das als "Live"- Sendung angekündigte Duell wurde natürlich schon drei Stunden zuvor aufgezeichnet und war bereits kurz nach 18 Uhr im Internet zu finden. Hier ist er endlich, der original Wortlaut:
Herr Bundeskanzler, warum sollen die Menschen Ihnen persönlich vertrauen, dass Sie das auch alles einhalten, was Sie versprechen?
Schröder: Glaubwürdigkeit hat zu tun mit der Tatsache, dass man macht, was man sagt, dass man hinter dem steht, was man tut, dass man aufrichtig und ehrlich ist, wenn man etwas gemacht hat, dass man davon überzeugt ist, wovon man andere überzeugen will, dass man dem vertrauen kann, was man gerade eben noch gesagt hat, dass man zu dem steht, was man tut, dass man auch zuverlässig ist, dass man ehrlich ist und dass man sich darauf verlassen kann, was man eben noch als bare Münze von sich gab.

Herr Ministerpräsident, warum sollen die Wähler Ihnen vertrauen?
Stoiber: Ich versuche, immer nach dem Prinzip zu handeln, keine Unterschiede zwischen Reden und Handeln zu machen. Ich glaube, das ist einer der grössten Vorwürfe, den die Menschen immer wieder an die Politiker richten, dass zwischen Reden und Handeln ein zu großer Unterschied ist. Ich bemühe mich beim Handeln nicht das Reden zu vergessen, denn wie oft ist es schon passiert, dass nur geredet wurde, also ohne zu Handeln. Klar, man kann auch Handeln ohne zu Reden und Reden zu Handeln, doch gerade letzteres kann nicht verschwiegen werden, auch wenn noch soviel geredet wird.

Ich meinte, fehlt Ihnen möglicherweise als Person die Glaubwürdigkeit, die Sie vielleicht bei den Sachthemen haben?
Stoiber: Nein, Herr Knobbel. Sehen Sie, ich bin der Kanzlerkandidat von CDU und CSU. Herr Schröder ist der Kanzlerkandidat der SPD, er ist aber auch der Kanzlerkandidat der Grünen und der Kanzlerkandidat der PDS. Ich bin hingegen auch der einzig wahre Kanzlerkandidat der FDP, der Kanzlerkandidat der noch immer Unentschlossenen und der Kanzlerkandidat der Nichtwähler und Wahlverdrossenen.
Herr Bundeskanzler, welchen Kanzler bekommen die Wähler, wenn Sie wiedergewählt werden?
Schröder: Sofern die Wähler nicht Herrn Stoiber oder Herrn Westerwelle wählen, werden sie mich bekommen, denke ich. Sie werden einen ungefärbten und ungepuderten Kanzler bekommen, den sie verdient haben, denke ich. Ich arbeite 24 Stunden am Morgen, am Tag und in der Nacht, wenn ich nicht gerade Pause mache. Ich arbeite unentwegt, teilweise und sogar in der Regel an Doris. Ich denke auch, dass ich zu oft "denke ich" sage, aber das ist nicht von Bedeutung, denke ich.
Sie sehen da keinen Imagewechsel?
Schröder: Was heisst Imagewechsel? Ich finde, man sollte sowieso weniger über Image reden als vielmehr über das, was jemand tut, was man macht und was man sagt, wenn man was macht und wenn man was sagt. Man sollte darüber reden, dass man hinter dem steht, was man tut, wenn man hinter etwas steht, was man getan hat oder dass man dem vertrauen kann, was man gerade eben noch gesagt hat, wenn man gerade etwas gesagt hat, dem man auch vertrauen kann.
Herr Stoiber, man hat den Eindruck, Sie führen keinen Wahlkampf, sondern einen Ähnlichkeitswettbewerb mit Herrn Schröder.
Stoiber: Ich glaube, dass Ihre Wahrnehmung nicht ganz richtig ist oder das sie nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Was erlauben Sie sich eigentlich, Sie kleine Ratte? Im übrigen bin ich ja auch ein Konservativer - und wissen Sie, was Homoehe anbelangt: Wir waren dagegen, besonders ich war gegen diese unnatürliche ekelhafte Schwulen- und Lesbensache, aber man muss natürlich auch akzeptieren, dass dieses asoziale Pack namens demokratische Mehrheit anders entschieden hat. Und damit ich die paar Stimmen dieser Wählerschaft abgeifen konnte, musste ich mich natürlich fügen, so meine Berater.
Herr Schröder, hat Ihre ruhige Hand angefangen zu zittern?
Schröder: Auch wenn ich mir die neuesten Umfragen anschaue, habe ich eigentlich keinen Grund, wild onanierend in der Ecke zu sitzen. Sowohl was die Parteiwerte angeht, die noch besser werden können, als auch die persönlichen Werte. Die persönlichen Werte liegen mir eigentlich nicht so sehr, denn wer mich kennt, kann bestätigen, dass ích im Grunde ein einfacher Mann bin, der eine Schwäche für die Konjunktur hat. Grundsätzlich mache ich zunächst einen ungünstigen Eindruck, verliere aber bei näherer Bekanntschaft. Die Parteiwerte sind mir dagegen äusserst unwichtig, denn schliesslich stehe ich hier, nicht die Partei!
Herr Stoiber, haben Sie die katastrophale Flut für Ihren Wahlkampf benutzt?
Stoiber: Also, das glaube ich nicht. Ich meine, dass ich in Passau war als Ministerpräsident und mich an der Katastrophe aufgegeilt habe, das ist eine Selbstverständlichkeit. Sie hätten sehen sollen, wieviel andere Gaffer noch da waren! Man musste sich doch ein Bild darüber macht, wie die armen Schweine diese Situation meistern. Das ist die grösste Katastrophe, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu bewältigen hat. Und hier gilt es auch, etwas zusammenzustehen, damit keine Gaffer in der zweiten Reihe stehen müssen. Und glauben Sie mir: in der Realität kommt das viel besser als im Fernsehen!
Erst kam die Flut, dann die Mücken, dann die Politiker - fühlen Sie sich davon angesprochen, Herr Schröder?
Schröder: Nöö. Aber an dieser Stelle muss ich Herrn Stoiber zustimmen: was das Aufgeilen am Leid anderer angeht, das kann man viel besser, wenn man eine sehr persönliche Anschauung hat, also direkt vor Ort ist. Wäre man nicht hingefahren, hätte sich der eine oder andere gefragt, warum wir uns nicht dran aufgeilen wollen und uns für krank erklärt. Ausserdem: je direkter der Eindruck ist, desto schneller und präziser kann man den Menschen helfen. Mir ist zum Beispiel ein Mann mit einer kaputten Haustür entgegengekommen, der unentwegt jammerte, er hätte alles, rein alles verloren. Ich habe die Lage erkannt und sofort geholfen. Jetzt hat er eine neue Haustür.
Ist es jetzt das richtige Signal, zu Zeiten der Flutkatastrophe, die Reform um ein Jahr zu verschieben?
Schröder: Es ist das richtige Signal und zwar aus zwei Gründen. Erstens sind die Menschen jetzt sowieso mit dem Aufbau Ost Version 2.0 beschäftigt. Es ist zwar kein Hochhaus eingestürzt, aber für den Hauch einer kleiner binnenländischen Katastrophe zahlt der Bürger doch auch gerne ein paar Euro. Zweitens lohnen sich Existenzgründungen momentan sowieso nicht, da der Aufbau schon zu fünfzig Prozent an Ikea vergeben wurde. Und so ein kleiner Sandsack-Shop kostet ja auch nicht die Welt.
Stoiber: Wir haben die Flutkatastrophe und wir haben vier Millionen Arbeitslose! Wir haben mehr Arbeitslose als Sandsäcke! Über vier Millionen Arbeitslose im Sommer. Wir bauen keine Arbeitslose ab, stattdessen produzieren wir arbeitswillige Arbeitslose, die nach den jüngsten Arbeitslosenzahlen vom Arbeitsamt uns nur noch mehr Arbeit machen. Selbst wenn wir uns sofort an die Arbeit machen würden, wäre für die meisten Arbeitslosen in kürzester Arbeitszeit kein anständiges Arbeitsklima zu schaffen, das kann ihnen nicht nur jedes Arbeitsamt bestätigen, sondern auch jede Arbeitskraft in jedem x-beliebigem Arbeitslager. Und wenn ein Arbeiter seine Arbeit verliert, hilft ihm bei der maroden Arbeitsplatzpolitik des Arbeitsministeriums auch keine Arbeitslosenunterstützung, keine Arbeitslosenversicherung und kein Arbeitsgericht!
Äh, ja, das war sehr arbeitsintensiv. Sie halten den Weg also für falsch?
Stoiber: Wir halten den Weg für falsch, in vielem sind wir mit der SPD den Weg gemeinsam gegangen, aber wer einen anderen Weg haben will - und wir haben ja noch genug Wege -, wer einen anderen Weg haben will, wer nicht diesen Weg gehen will, der muss die Union wählen, denn dann gehen wir einen anderen Weg.
Schröder: Sie sollten mir jetzt mal eine Bemerkung gestatten. Zunächst einmal geht es um die Verschiebung von Steuerentlastungen und zwar für ein Jahr. Wir wollen mit der Körperschaftssteuererhöhung die Einkommenssteuer ausgleichen, die natürlich auch erhöht wird, weil die anstehende Mineralölsteuererhöhung und die Versicherungssteuererhöhung nicht ausreichen werden, um den Leuten in Not schnell und unkompliziert Geld zukommen zu lassen, das sie natürlich wieder versteuern müssen. Es geht ja auch darum, mit Hilfe der Tabaksteuererhöhung nicht zu viel Druck auf die Umsatzsteuer auszuüben, sondern durch eine gezielte Erhöhung aller Steuern jeden irgendwo zu treffen.
Läuft dieses Vorgehen nicht Gefahr, die Gewerbesteuer außer Gefecht zu setzen?
Schröder: das kann ich Ihnen jetzt nicht beantworten, denn das hab ich so auswendig lernen müssen. Das haben mir meine Berater so aufgeschrieben.
Herr Stoiber, wie hätten Sie das Versprechen eingehalten, die Wirtschaft anzukurbeln?
Stoiber: Der Fehler, den die Regierung gemacht hat, war, dass sie sich hat einschüchtern lassen. Gut, die 16 Jahre Kohl-Regierung, der 11. September, der Zusammenbruch des Neuen Markts, die Weltkonjunktur, der Afghanistan-Krieg und die Flutkatastrophe haben leichte Auswirkungen gehabt. Aber das hat doch gar nichts mit diesen dramatischen Zuwachszahlen an Arbeitslosigkeit und diesem schwachen Wirtschaftswachstum zu tun! Deswegen akzeptiere ich natürlich nicht diese Ausrede des Bundeskanzlers, immer wieder zu sagen, andere sind schuld. Das hat er schon im Kindergarten gemacht, da hat er gesagt, ich kann nichts dafür, die Bedingungen werden von den Kindergärtnerinnen gemacht. Immer sollen andere Schuld sein, und die Leute bezahlen es mit Arbeitslosigkeit.
Schröder: Wenn ich auf gleichem Niveau antworten würde, würde ich Herrn Stoiber an seine Mittlere Reife erinnern, bei der er seinen Eltern hoch und heilig versprochen hatte, das Zeugnis mit 1,5 Promille zu schaffen. Er hat zwar immerhin 3,8 Promille geschafft, musste aber ohne Fernsehen und Abendbrot unterm Bett schlafen.
Wie schätzen Sie das Problem der Zuwanderung ein?
Stoiber: Ich halte es für völlig falsch, dass wir - in Anbetracht der Tatsache, dass wir demnächst auch noch viele neue Ostblock-Zuwanderer bekommen - jeden hier reinlassen, denn zuerst nehmen uns die Inder unsere Arbeitsplätze weg, dann kommen die Neger mit den langen Schwänzen und verführen unsere Töchter und zu guter letzt hauen die Polen mit unseren Autos ab!
Schröder: Naja, wir brauchen eben Leute, die in einem Land aufgewachsen sind, in der es High-Tech en masse gibt, wo man sich im Bereich der Kommunikationstechnologie und Informatik auskennt, wie zum Beispiel in Indien. Die fünf Inder, die sich mit der GreenCard in Deutschland gemeldet hatten, sind nach dem Besuch des Münchener Oktoberfestes zu Fuss nach Österreich geflüchtet, wo sie um Asyl baten.
Welchen Einfluss haben Ihre Ehefrauen auf Ihre Politik?
Stoiber: Einen ganz großen. Ohne das Verständnis und ohne die Liebe meiner Frau könnte ich eine solche Herausforderung überhaupt nicht angehen. Sie unterstützt mich. Sie hilft mir. Sie berät mich auch, wenn ich mich mal in einem Loch befinde. Aber seitdem ich Katherina Reiche in meinem Kompetenz-Team habe, kann ich die ein oder andere Arbeit auch mal auf ihr abwälzen.
Schröder: Die bessere Hälfte, das bezieht man ja gelegentlich auf andere Zusammenhänge, zum Beispiel beim Schlachten von Rindern oder Pferden. Natürlich versuche ich, ihr den Sinn meines Berufes einigermassen einzubleuen, aber das ist bei Doris natürlich wie ein Fass ohne Boden. Aber sie hat das Telefon erfunden, also das Sorgentelefon für Kinder, die bei Doom oder Counterstrike irgendwo festhängen und nicht weiter kommen. Ich denke, Doris ist und bleibt ein Frauenbild, das nicht meines ist. Aber was soll der stock-konservative Wähler sagen, wenn ich schon wieder heiraten würde?
Fortsetzung folgt am 8.September...


