Nvidia kratzt an der 5-Billionen-Dollar-Marke – CEO Jensen Huang schreibt Silicon-Valley-Geschichte
Donnerstag, 30.10.2025 08:00 von ARIVA.DE Redaktion
Das Logo von Nvidia am Gebäude der Zentrale in Santa Clara, Kalifornien. - © JasonDoiy / iStock Unreleased / Getty Images Plus / Getty Images www.gettyimages.de
Der Siegeszug von Nvidia setzt sich ungebremst fort: Am Mittwoch war die Aktie des Chip-Herstellers erneut deutlich im Plus und brachte das Unternehmen damit in Reichweite der historischen 5-Billionen-US-Dollar-Marke. Nur drei Monate nach dem Überschreiten der 4-Billionen-Grenze könnte Nvidia damit einen weiteren Meilenstein erreichen und seine Führungsrolle im weltweiten KI-Boom weiter untermauern.
CEO Jensen Huang präsentierte am Dienstag bei der Entwicklerkonferenz in Kalifornien beeindruckende Zahlen: KI-Chip-Bestellungen im Wert von 500 Milliarden US-Dollar sowie den Bau von sieben Supercomputern für die US-Regierung. Diese Projekte sollen die Infrastruktur für die nächste Generation von Künstlicher Intelligenz bilden und Nvidia endgültig zum Rückgrat der globalen KI-Industrie machen.
Vom Nischenanbieter zum mächtigsten Tech-Konzern der Welt
Die Transformation Nvidias ist beispiellos. Noch vor zehn Jahren galt das Unternehmen als Spezialist für Grafikprozessoren. Heute liefert es die Rechenleistung, auf der Systeme wie ChatGPT, Google Gemini oder Elon Musks xAI laufen. Seit dem Start von ChatGPT vor knapp drei Jahren hat sich der Nvidia-Kurs mehr als verzwölffacht – während der S&P 500 im selben Zeitraum "nur" um 69 Prozent zulegte.
Mit einer Bewertung von 5 Billionen US-Dollar übertrifft Nvidia nun den gesamten Kryptowährungsmarkt und erreicht etwa die Hälfte der Marktkapitalisierung des gesamteuropäischen Stoxx-600-Index.
"Langfristig werden Tech-Giganten wie Apple, Microsoft oder Amazon versuchen, eigene KI-Chips zu entwickeln, um sich von Nvidia unabhängiger zu machen", erklärt Brian Colello, Senior Analyst bei Morningstar bei Reuters. "Doch diese Bemühungen werden Nvidias Dominanz höchstens leicht ankratzen."
Der Erfolg hat auch CEO Jensen Huang zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht: Sein Anteil an Nvidia ist rund 177 Milliarden US-Dollar wert. Damit nimmt er Platz acht auf der Forbes-Liste ein.
Geopolitische Bedeutung wächst rasant
Nvidia ist längst mehr als ein Tech-Konzern. Der Konzern ist ein geopolitisches Machtinstrument. Die Blackwell- und H100-Chips gelten als zentrale Bausteine der westlichen KI-Infrastruktur. Washington nutzt Nvidias Technologie, um Chinas technologischen Aufstieg zu bremsen, während Peking versucht, eigene Alternativen zu entwickeln.
US-Präsident Donald Trump will am Donnerstag bei einem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping über den Blackwell-Chip sprechen. Ein Hinweis darauf, wie stark Nvidias Produkte mittlerweile zum Bestandteil globaler Diplomatie geworden sind.
"Nvidia hat seine Geschichte klar nach Washington gebracht", sagt Bob O'Donnell von TECHnalysis Research. "Sie adressieren gezielt die heißesten Themen der Technologie- und Sicherheitsagenda – von KI über Halbleiter bis zur nationalen Wettbewerbsfähigkeit."
Huang selbst lobte auf der Konferenz Trumps "America First"-Strategie, warnte aber vor einer zu harten Entkopplung von China. "Man darf nicht vergessen, dass die Hälfte der weltweiten KI-Entwickler in Asien sitzt", so Huang.
Neue Milliardenverträge mit Südkorea
Wie Bloomberg berichtet, steht Nvidia kurz vor der Unterzeichnung neuer Lieferverträge mit südkoreanischen Konzernen wie Samsung Electronics und der Hyundai Motor Group. Die Vereinbarungen sollen noch vor Huangs Besuch beim APEC-CEO-Gipfel in Gyeongju am Freitag bekannt gegeben werden.
Ziel ist es, Nvidias Lieferketten zu stärken und die Versorgung südkoreanischer Unternehmen mit modernster KI-Technologie zu sichern. Ein strategischer Schachzug im Spannungsfeld zwischen Washington, Peking und Seoul.
Bewertungsrisiken und Ausblick
Trotz der Euphorie warnen einige Marktbeobachter vor einer Überhitzung. "Die Bewertung von Nvidia reflektiert nicht mehr nur Wachstum, sondern nahezu Perfektion", meint ein Analyst von Morgan Stanley. Sollten Investoren ihre Erwartungen an die Margen oder Liefergeschwindigkeit nach unten anpassen, drohe eine Korrektur.
Am 19. November wird Nvidia seine nächsten Quartalsergebnisse veröffentlichen. Ein Termin, den die Märkte mit Spannung erwarten.
Fazit: Nvidia steht an der Spitze einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Der Konzern hat sich vom Grafikkartenhersteller zum zentralen Treiber der globalen KI-Revolution entwickelt – technologisch, wirtschaftlich und geopolitisch. Doch je höher der Aufstieg, desto größer das Risiko eines Rückschlags.
Die Bewertung ist atemberaubend, und selbst kleine Enttäuschungen könnten zu heftigen Kursreaktionen führen. Für langfristig orientierte Anleger bleibt Nvidia zwar das Maß aller Dinge in der KI-Branche, kurzfristig aber ist Vorsicht angebracht.
Redaktion Ariva/MW