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Geldanlage-Report - Sunwin International Neutraceuticals Finger weg

Mittwoch, 23.06.2010 09:20 von Aktiencheck

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Die Experten vom "Geldanlage-Report" empfehlen Anlegern die Finger von der Aktie von Sunwin International Neutraceuticals (Sunwin Stevia International Aktie) zu lassen.

Neue Technologien oder Wirkstoffe könnten Märkte revolutionieren. Wichtig für den Marktdurchbruch sei dabei, dass Branchengrößen mit Marktmacht zu den Förderern gehören würden.

Das sei beim natürlichen Süßstoff Stevia der Fall und deshalb könnte aus dem aktuellen Hype eine Revolution werden. Stevia werde aus Honigkraut gewonnen, einer Pflanze, die bisher vor allem im Grenzland zwischen Brasilien und Paraguay angebaut werde. Die dort lebenden Indianer würden die Pflanze schon seit über 100 Jahren zum Süßen von Speisen nutzen.

Die größten Vorteile gegenüber Zucker: Die Pflanze sei bis zu 300-mal so süß wie Zucker, habe null Kalorien, null Kohlehydrate und sei deshalb sogar für Diabetiker geeignet. Das seien beträchtliche Vorteile, die gut in unsere Zeit passen würden.

Vor wenigen Wochen habe die US-Regierung eine landesweite Kampagne gegen Fettleibigkeit und übermäßigen Zuckerkonsum gestartet. Vor allem stark zuckerhaltige Limonaden würden dabei ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Präsident Barack Obama wolle sogar eine Soda-Steuer für Cola, Sprite und Co. einführen - sofern sie stark zuckerhaltig seien.

Logisch, dass diese Entwicklung die Marktchancen für Süßstoffe stark begünstige. Doch mit den bisherigen Süßstoff-Marktführern Aspartam und Sucralose könnten Lebensmittelgiganten wie Coca-Cola inzwischen kaum mehr Geld verdienen. Der Patentschutz sei ausgelaufen und China überschwemme den Markt mit Billigprodukten.

Die Schlussfolgerung der Firmenlenker sei so einfach wie genial: Ein neues Produkt habe her gemusst! Schnell sei Stevia auserkoren worden, wegen seiner Eigenschaften, aber vor allem auch weil die Pflanze selbst als Lebensmittel verboten bleibe. Frühere Studien, die teilweise im Auftrag der Zucker-Lobby durchgeführt worden seien, hätten gezeigt, dass Bestandteile der Pflanze beim Konsum in hohen Dosen krebserregend wirken könnten.

Coca-Cola habe nun in Zusammenarbeit mit Cargill, dem größten Familienunternehmen der USA mit einem Jahresumsatz von über 100 Milliarden US-Dollar, auf der Basis der Stevia-Pflanze einen chemischen Süßstoff entwickelt (Rebaudiosid-A), der gesundheitlich unbedenklich sei. Weil es sich um eine Eigenentwicklung handle, hätten die beiden Konzerne darauf 24 Patente anmelden können - was bei der Pflanze selbst natürlich nicht möglich gewesen wäre.

Auch weitere Konzerne, wie beispielsweise die französische Danone, würden nun Stevia entdecken. Danone möchte noch im Juni in Frankreich einen neuen Fruchtjoghurt auf den Markt bringen, der mit Stevia gesüßt sei. Pepsi sei ebenfalls bereits in die Produktion eingestiegen.

Nachdem die generelle Unbedenklichkeit von Rebaudiosid-A (Reb A) als Lebensmittelergänzungsstoff in Süßungsmitteln von der US-Gesundheitsbehörde FDA bereits in 2008 testiert worden sei, könnte in 2011 nun auch die EU die Zulassung beschließen. Damit scheine die Zeit reif für Stevia. Gleich von drei Seiten - der politischen, der unternehmensstrategischen und der rechtlichen - gebe es Rückenwind für die wieder entdeckte Pflanze. Der Marktdurchbruch stehe bevor. Das Marktpotenzial würden die Marktforscher von Mintel in einer neuen Studie auf nicht weniger als 10 Milliarden US-Dollar jährlich beziffern.

Doch wie könnten wir als Anleger profitieren? Für die großen Lebensmittelkonzerne habe die Entwicklung kaum Auswirkungen auf die Kursentwicklung der Aktien. Cargill sei als privates Familienunternehmen nicht börsennotiert. Als Alternative kämen drei kleinere, aufstrebende Firmen infrage.

Das bekannteste der drei kleinen Unternehmen sei Sunwin International Neutraceuticals, das die Experten aber als das am wenigsten Aussichtsreiche einschätzen würden. Die letzten Geschäftsberichte würden für sich sprechen: In den ersten neun Monaten des Fiskaljahres 2010 seien die Umsätze im Vergleich zur Vorjahresperiode um 38 Prozent eingebrochen. Dabei seien in beiden wichtigen Geschäftsfeldern Umsatzverluste zu beklagen gewesen, sowohl bei Steviosiden als auch im Bereich der Veterinärmedizin.

Das Unternehmen sei dabei deutlich in die Verlustzone gerutscht. Die Begründung, die auf die allgemein schwache Weltwirtschaft verweise, könne nicht überzeugen, weil die Konkurrenz ihrerseits im selben Zeitraum hohe Zuwachsraten vorweisen könne. Der jüngste Kursschub dürfte vor allem auf Aktien-Promotion zurückzuführen sein. Dieser Quelle zufolge habe der US-Börsendienst Wall Street E-News 300.000 US-Dollar für das Bewerben der Sunwin International Neutraceuticals-Aktien erhalten.

Die aktuelle Börsenbewertung der Aktie liege bei 96 Millionen US-Dollar und damit bei mehr als dem Vierfachen der im Geschäftsjahr 2009 erzielten Umsätze - und das bei zuletzt fallender Tendenz. Auch von 2008 auf 2009 hätten die Umsätze bereits stagniert. Der Rückfall in die Verlustzone passe in dieses Bild. Zudem habe Sunwin International Neutraceuticals mit WILD Flavors nur einen ernst zu nehmenden Vermarktungspartner und stehe damit schlechter da als die Konkurrenz. In der Vergangenheit sei die Aktie ein chronischer Underperformer gewesen. Sie sei zudem am wenig regulierten OTC-Markt gehandelt. Seriöse Gewinnschätzungen würden nicht existieren.

Die Empfehlung der Experten vom "Geldanlage-Report" für die Sunwin International Neutraceuticals-Aktie lautet daher: Finger weg! (Analyse vom 22.06.2010) (23.06.2010/ac/a/a)

\nOffenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.