Studie: Radikale Umwälzungen im Gesundheitswesen durch Digitalisierung erwartet

Dienstag, 22.10.2019 15:11 von Eike Schäfer - Aufrufe: 819

Ärztin am Überwachungsmonitor (Symbolbild)
Ärztin am Überwachungsmonitor (Symbolbild) - ©fernandozhiminaicela / Pixabay
Schneller als von vielen erwartet könnte sich im Gesundheitswesen ein radikaler Umbruch vollziehen. Nach einer heute veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Roland Berger könnten digitale Technologien schon in den kommenden sechs Jahren ein Fünftel der ärztlichen Leistungen ersetzen. Große kapitalstarke Techkonzerne wie Apple, Google, Amazon und Co. sehen viele Beobachter als mögliche Profiteure an.

Auf MRT-Bildern einen Meniskusriss erkennen, krankhafte Veränderungen der Leber diagnostizieren oder Auffälligkeiten im Gefäßsystem eines Menschen lokalisieren – all das ist in Deutschland bislang Fachärzten vorbehalten. Doch wie lange noch? Längst laufen Studien, auch hierfür Computer einzusetzen. Künstliche Intelligenz (KI), so prophezeien es Fachleute, wird die Medizin nachhaltig verändern. Das dies – zumindest in Teilbereichen – viel schneller passieren kann, als wir bislang dachten, legt eine heute veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Roland Berger nahe.

400 Gesundheitsexperten aus aller Welt haben die Studienautoren nach ihren Prognosen für das Jahr 2025 befragt. Schon in diesem kurzen Zeitraum rechnet ein Großteil der Befragten damit, dass KI die Diagnoseverfahren deutlich beeinflussen wird. Gleiches gilt für digitale Anwendungen zur Überwachung von Patienten und zur Prävention von Krankheiten. Nicht ganz so stark ausgeprägt, aber immer noch hoch wird der Einfluss von KI auf die Therapie (Entscheidung, Durchführung) geschätzt.

Allein in Deutschland 38 Milliarden Euro Marktvolumen für digitale Gesundheitsdienste

Die Ausgaben für digitale Produkte und Dienstleistungen können laut Studie auf rund acht Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben ansteigen – das wären in Deutschland etwa 38 Milliarden Euro. „Niemand vermag aktuell vorauszusagen, ob die genannten Summen als Zusatzvolumina generiert werden oder Verdrängung sind“, schreiben die Autoren. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass die Medizintechnikbranche in Deutschland viele Jahrzehnte gebraucht hat, bis sie 2018 erstmals die Schallmauer von 30 Milliarden Euro Umsatz durchbrechen konnte. EU-weit liegt das Marktvolumen für digitale Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitswesen den Angaben zufolge bei 155 Milliarden Euro.

Mit der zunehmenden Digitalisierung wird laut Studie die klassische Trennung zwischen Patient, Krankenversicherung, Arzt, Industrie, Klinik und Altenpflege zunehmend aufgebrochen und durch neue Rollenmodelle ersetzt. „Spätestens mit der Ausweitung von Geschäftsmodellen und veränderten Wertschöpfungsanteilen werden neue Konflikte um die Kundenschnittstelle entstehen, denen sich kein Akteur entziehen kann“, heißt es in der Studie. Auch niedergelassene Ärzte stünden vor einem großen Veränderungsdruck. Krankenhäuser und weltweite Telemedizinanbieter drängen in den ambulanten Bereich. Die von Roland Berger befragten Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2025 etwa 20 Prozent der ärztlichen Leistungen durch KI ersetzt werden – eine Bewertung, die laut Studie auch in der Berufsgruppe der Ärzte selbst geteilt wird.

Apple, Google, Amazon und Co.: Über Kooperationen in den Markt

Diese Entwicklung bietet innovativen StartUps Chancen. Aber auch große IT-Konzerne kommen mehr und mehr ins Spiel - nicht zuletzt, weil sich mit dem Einzug neue Technologien das Datenvolumen im Gesundheitswesen in den kommenden fünf bis sechs Jahren verfünffachen könnte. Apple, Google und Co. sind nach Einschätzung von Beobachtern am Geschäft mit anwendungsorientierter Medizin interessiert und könnten den Markteintritt über strategische Kooperationen schaffen.

Ansätze dazu gibt es schon reichlich in Fernost und den USA. Die Plattform "Good Doctor" des chinesischen Versicherungs- und Finanzkonzerns Ping An baue mit derzeit 14.000 Krankenhäusern und Apotheken ein eigenes Ökosystem mit rund 200 Millionen Nutzern auf, heißt es in der Studie. Amazon habe in den USA gemeinsam mit Berkshire Hathaway und JP Morgan bereits eine eigene Krankenversicherung gegründet. Facebook forsche mit der Radiologie-Abteilung der New York University School of Medicine an der Anwendung von KI auf MRT-Scans. Und während auch Google Geld bei Investoren für Übernahmen im Life Sciences-Bereich einsammele, treibe Apple den medizinischen Nutzen seiner Apple Watch weiter voran. Sechs von zehn der befragten Experten gehen wohl nicht zuletzt deswegen davon aus, dass sich die bekannten Tech-Riesen bis 2025 als etablierte Player auf dem Gesundheitsmarkt etabliert haben werden.

„Es stehen drastische Veränderungen mit Auswirkungen auf alle Stakeholder im Gesundheitswesen an“, resümieren die Autoren der Studie. Der digitale Wandel werde sich beschleunigen, die erste Welle habe den Gesundheitssektor längst erfasst. „Wer zeitnah die richtigen Weichen stellt, hat gute Chancen, sie zu reiten, statt von ihr erfasst zu werden.“


 


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