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Stresstest: Europas Versicherer für Krisen gerüstet - Zinsen sind Achillesferse

Freitag, 14.12.2018 18:47 von dpa-AFX

Die Flagge der Europäischen Union.
Die Flagge der Europäischen Union.
pixabay.com

FRANKFURT (dpa-AFX) - Europas Versicherer sind aus Sicht der Aufsichtsbehörde insgesamt gut für mögliche Krisen gerüstet. Ein möglicher Zinsschock nach oben oder unten würde die Kapitaldecke der Unternehmen aber empfindlich treffen. Im jüngsten Stresstest fielen mehrere der 42 untersuchten Unternehmen bei den Anforderungen an die Eigenmittel unter die kritische Quote von 100 Prozent, wie die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa am Freitagabend in Frankfurt mitteilte.

Anhaltende Niedrigzinsen, aber auch ein plötzlicher Anstieg des Zinsniveaus sowie der Lebenserwartung der Kunden erwiesen sich als Gefahr für die Versicherer-Finanzen. Mit schweren Naturkatastrophen kam die Branche deutlich besser zurecht.

Der Test sei eine gute Grundlage, um mit den Versicherern weiter über die Anfälligkeiten und mögliche Schritte zu sprechen, sagte Eiopa-Präsident Gabriel Bernardino. Aus Deutschland hatten Europas größter Versicherer Allianz (Allianz Aktie) , der weltgrößte Rückversicherer Munich Re , der Talanx-Haupteigner HDI, die R+V Versicherung und die Huk Coburg an dem Test teilgenommen. Auch andere Größen wie Axa (AXA Aktie) und Generali waren dabei. Die meisten Versicherer - darunter auch die deutschen - haben der Veröffentlichung ihrer Einzelergebnisse allerdings nicht zugestimmt.

Im ersten Stress-Szenario, das einen Zinsanstieg mit Verwerfungen an den Kapitalmärkten sowie hohe Schäden vorsah, konnten 6 der getesteten Konzerne die kritische Marke von 100 Prozent bei den vorgeschriebenen Eigenmitteln nicht halten. Im Schnitt lag die Quote noch bei gut 145 Prozent. Im zweiten Szenario, das einen Zinsrückgang mit langfristigem Niedrigzinsumfeld und einen Anstieg der allgemeinen Lebenserwartung vorsah, sackten 7 Versicherer unter 100 Prozent. Im Schnitt lag die Quote bei gut 137 Prozent. Ohne Krise hatte sich die Quote bei den untersuchten Unternehmen im Schnitt bei rund 202 Prozent belaufen.

Auch die teilnehmenden deutschen Unternehmen hätten sich insgesamt krisenfest gezeigt, sagte der oberste Versicherungsaufseher der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Frank Grund. Allerdings bleibe eine anhaltende Niedrigzinsphase eine Herausforderung. "Aufgrund ihrer langfristigen Verpflichtungen sind einige deutsche Unternehmen von der Niedrigzinsphase besonders betroffen." Hohe Garantiezinsen für Lebens- und Rentenversicherungen, wie in Deutschland lange Zeit üblich, gibt es in anderen europäischen Ländern oft nicht./stw/fba