Smartphones „Made in Germany“

Dienstag, 10.07.2018 13:44 von WirtschaftsWoche

Smartphones aus Deutschland? Der Münchner Hersteller Gigaset (Gigaset Aktie) probiert das im Münsterland aus. Damit sich das Experiment rechnet, müssen Roboter einen Großteil der Montage übernehmen.

Fast lautlos zieht der Roboterarm die Miniaturschrauben an. Luisa Böing klebt zur gleichen Zeit einen Mikrodraht fest. Wenn die 26-Jährige damit fertig ist, geht sie zur nächsten Montageposition weiter, ein weiterer Roboter übernimmt anschließend den darauf folgenden Arbeitsschritt. In Halle 33 im Bocholter Werks des Telefonherstellers Gigaset arbeiten Mensch und Maschine bei der Produktion von Smartphones Hand in Hand.

„Die Roboter sind fast wie Arbeitskollegen“, sagt Böing auf dem Weg zum nächsten Handgriff. „Manchmal erwischt man sich sogar dabei, dass man sie anspricht.“ Anders als an einem Fließband ist die 26-Jährige nicht nur für die immer gleiche Aufgabe zuständig, sondern für die Montage eines kompletten Geräts. „60 Prozent der Arbeit machen Roboter und Maschinen, 40 Prozent ist Handarbeit“, beschreibt Jörg Wissing, Leiter der Automatisierung im Werk, die Arbeitsteilung.

Gehäuse, Display, Lautsprecher, Akku - nach wenigen Minuten ist das Smartphone komplett. Dann kommt der symbolträchtige Schritt: Eine Mitarbeiterin packt das fertige Gerät in einen Pappkarton, auf dem „Made in Germany“ gedruckt ist. Zehn Jahre nach dem Ende der Handyproduktion bei Nokia (Nokia Aktie) in Bochum werden wieder Mobiltelefone in Deutschland gebaut. Für Gigaset ist das auf dem umkämpften Markt ein Alleinstellungsmerkmal. Bisher wurden Gigaset-Handys ausschließlich in Asien gefertigt.

Gigaset ist bekannt für seine Festnetztelefone. Millionen davon dürften in deutschen Wohnungen und Büros stehen. Doch die ehemalige Siemens-Sparte hat schwere Zeiten hinter sich - gerade auch das Werk in Bocholt. Seit 1948 werden hier Fernsprecher gebaut. Zu Hochzeiten waren in Bocholt 4000 Menschen beschäftigt, jetzt sind es noch 550.

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