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ROUNDUP/Studie beweist: Gurtmuffel leben extrem gefährlich

Donnerstag, 21.06.2018 15:33 von dpa-AFX

Schäden durch Hochwasser (Symbolbild).
Schäden durch Hochwasser (Symbolbild). pixabay.com
MÜNSTER (dpa-AFX) - Nur rund zwei Prozent der Deutschen sind Gurtmuffel und schnallen sich im Auto nicht an. Diese kleine Gruppe macht aber laut einer Studie von Unfallforschern ein Viertel der bei Unfällen getöteten Autoinsassen aus. Nicht alle von ihnen hätte ein Gurt gerettet, aber: "Hätten wir eine Anschnall-Quote von 100 Prozent, hätten wir pro Jahr rund 200 Verkehrstote und knapp 1500 Schwerverletzte weniger", sagte Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag in Münster.

Die Untersuchung berücksichtigte nur Unfälle mit getöteten Autoinsassen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 1439 Menschen, die im Auto saßen, durch Unfälle getötet. 360 dieser Opfer, also ein Viertel, waren nicht angeschnallt gewesen. Hochrechnungen zufolge hätten 200 dieser Getöteten mit Gurt den Unfall überlebt.

Brockmann fordert eine Erhöhung der seit 1984 gültigen Höhe des Bußgeldes, das bei 30 Euro (früher 60 Mark) liegt, und mehr Polizeikontrollen. Der Leiter der Unfallforschung des Verbandes sprach sich für eine neue Aufklärungskampagne aus.

Den Anschnall-Verweigerern müsse klar gemacht werden, dass selbst bei Unfällen bei geringem Tempo ohne Gurt schwerste Verletzungen die Folge sein können. Unter den Gurtverweigerern seien auffällig viele Männer. "Sie glauben wohl, Verletzungen beim Aufprall durch die Kraft ihrer Arme und den Airbag verhindern zu können", sagte der Unfallforscher. Das sei ein Irrglaube.

So löst der Airbag im Fahrzeug in der Regel erst ab einer Geschwindigkeit ab 25 km/h aus. "Aber bereits bei einem Frontalunfall bei nur 20 Kilometern pro Stunde müsste ein 75 Kilogramm schwerer Mann mit seinem Armen ein Gewicht von 1800 Kilogramm abstützen. Der Weltrekord beim Gewichtheben liegt bei 266 Kilogramm", erläutert Brockmann. Kein Mensch könne das.

Für die Studie hatten die Forscher die Unfalldatenbank der Versicherer ausgewertet. Um die Motive der Gurtmuffel zu ergründen, wurde in einer Umfrage auch gefragt, wie oft und warum denn kein Gurt angelegt wurde. Das Teilergebnis der Befragung ist allerdings nicht repräsentativ, denn mit den nur zwei Prozent Anschnall-Verweigerern war die Fallzahl zu gering.

Für Forscher Brockmann aber ist das Ergebnis dennoch interessant. Demnach sind bei den Fahrern ohne Gurt mit 62 Prozent deutlich mehr Männer vertreten. Bei den Mitfahrern ist das Verhältnis ausgeglichen. Unter den 45- bis 64-Jährigen ist die Unlust auf den Gurt am größten. Und die aussagestärkste Zahl: 87 Prozent der Gurtmuffel schnallen sich nur dann nicht an, wenn sie allein im Auto sind. "Die soziale Kontrolle ist offenbar wichtig. Wenn die Enkel mit im Auto sitzen, schnallt die Oma sich an. Denn rational (Rational Aktie) kann sie dem Nachwuchs nicht erklären, warum sie das nicht tut", sagt Brockmann.

In Deutschland gilt seit 1976 eine Anschnallpflicht auf den Vordersitzen in Autos, seit 1984 gilt die Pflicht auch für die Rückbank. Allein 1985 ging die Zahl der Unfalltoten vor allem dank dieser Regelung um 1461 zurück. Die Zahl der Schwerverletzten sank um 15 091. Brockmann weiß, dass es immer eine Restgruppe von Leuten geben werde, die sich nicht anschnallen. Und im Europavergleich steht Deutschland mit 98 Prozent gut da. In südeuropäischen Ländern liegt die Anschnallquote zum Teil nur bei 80 Prozent. Dennoch sein Appell: "Wir können mit jedem Prozentpunkt mehr hinter dem Komma bei der Anschnallquote zehn Verkehrstote im Jahr verhindern."/lic/DP/stw

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