Dienstag, 27.09.2022 17:07 von dpa-AFX | Aufrufe: 240

ROUNDUP/Interne Prüfung zu NDR-Vorwürfen: Kein Beleg für 'politischen Filter'

Zeitungsständer (Symbolbild). © Global_Pics / iStock Unreleased / Getty Images

KIEL (dpa-AFX) - Eine interne Aufarbeitung beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) sieht den Vorwurf gegen Führungskräfte in Kiel im Zusammenhang mit einer möglichen Einflussnahme auf die politische Berichterstattung nicht bestätigt. "Belege für einen "politischen Filter" konnten wir im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein nicht finden", heißt es in dem am Dienstag auf der NDR-Webseite veröffentlichten Bericht. "Wir sehen einzelne tagesaktuelle Entscheidungen kritisch, aber für einen solch massiven Vorwurf müsste die Berichterstattung des Landesfunkhauses über einen längeren Zeitraum systematisch ausgewertet werden. Das war in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich."

Die vom Kontrollgremium Landesrundfunkrat angestoßene externe Überprüfung der Vorwürfe dauert indes an. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Vorsitzende des Landesrundfunkrates Schleswig-Holstein, Laura Pooth, teilte zum internen Aufarbeitungsbericht mit: Es sei ein wichtiger Schritt, dass erste Ergebnisse vorliegen. "Das Gremium nimmt allerdings mit Sorge zur Kenntnis, dass das Arbeitsklima in Teilen des Funkhauses stark gestört ist."

In dem Bericht, den der NDR selbst angeschoben und mit dem er zwei NDR-Journalisten beauftragt hatte, beschreiben die Autoren "schwere Verwerfungen" im Landesfunkhaus in Kiel. Die Führungsstruktur sei sehr hierarchisch gewesen, es sei wenig diskutiert oder erklärt worden. Es wird unter anderem empfohlen: "Es muss genauer als bisher hingeschaut werden, ob Führungsgrundsätze im NDR eingehalten werden, in allen Bereichen des NDR und auch in den Landesfunkhäusern."

Hintergrund ist ein Bericht des Online-Mediums "Business Insider". Er warf die Frage auf, ob Direktorin Sabine Rossbach ihren Job dafür genutzt haben könnte, Familienmitgliedern Vorteile zu verschaffen, was zum Teil auch das Programm betroffen haben könnte. Rossbach und der Sender hatten dies zurückgewiesen. Zugleich hatte der NDR bekannt gemacht, dass ein Aspekt Gegenstand einer Prüfung durch die Anti-Korruptionsbeauftragte des Senders sei. Rossbach lässt vorerst ihre Tätigkeit ruhen.

Die Vorwürfe beim NDR fallen in eine Zeit, in der auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) stark unter Druck ist. Dort gab es bereits vor den NDR-Fällen bislang ungeklärte Vorwürfe der Vetternwirtschaft und des Filzes gegen die fristlos entlassene Intendantin Patricia Schlesinger und den zurückgetretenen Chefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf, die beide zurückwiesen. Auch im RBB-Fall laufen derzeit Untersuchungen. Dabei ermittelt auch die Generalstaatsanwaltschaft Berlin gegen Schlesinger, Wolf und Schlesingers Ehemann wegen des Verdachts der Untreue und der Vorteilsannahme./rin/DP/nas

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