ROUNDUP: Industrie fordert großes Bauprogramm - Wohnungsnot und Flüchtlinge

Donnerstag, 17.09.2015 11:49 von dpa-AFX - Aufrufe: 1001

Schweißarbeiten in einer Fabrik (Symbolbild).
Schweißarbeiten in einer Fabrik (Symbolbild).
© Thossaphol / iStock / Getty Images Plus / Getty I. www.gettyimages.de

SCHROBENHAUSEN/BERLIN (dpa-AFX) - Zunehmend teures Wohnen in Ballungsgebieten und ein nicht endender Flüchtlingsstrom: In Deutschland fehlen laut der Bauindustrie hunderttausende bezahlbare Wohnungen. "Wir brauchen ein massives Programm im sozialen Wohnungsbau, ansonsten ist dieses Thema nicht lösbar", sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Thomas Bauer (Bauer Aktie), der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Deutschland benötigte auch ohne Flüchtlinge ein solches Programm, weil die Bevölkerung aus unterschiedlichen Einkommensschichten bestehe. Hinzu käme, dass sich die Demographie ändere. So gebe es etwa immer mehr Single-Haushalte. Insgesamt müssten deshalb in den nächsten Jahren jährlich 300 000 neue Wohnungen gebaut werden, vor allem für Familien und Singles mit geringen Einkommen in Ballungsgebieten. Ein großer Teil davon sei auch Ersatzbau, da Wohnungen aufgrund des Alters und schlechten Zustands abgerissen werden müssten.

Bei diesen Berechnungen sei die Flüchtlingswelle noch nicht berücksichtigt, betonte Bauer. Es kämen allein im laufenden Jahr wohl 800 000 Flüchtlinge, von denen auch viele bleiben werden. So könne man nicht davon ausgehen, dass die Syrer in den kommenden zwei Jahren wieder heimkehrten. Die Zahl der neu zu erstellenden Wohnungen könne vor diesem Hintergrund auf 350 000, vielleicht sogar auf 400 000 jährlich steigen.

"Und wenn wir im Segment kostengünstiger Wohnungen für Flüchtlinge einen großen Bedarf haben, warum bauen wir von den Standards her nicht wie vor 15 Jahren?", fragte Bauer. Die meisten Menschen hierzulande lebten in solchen Wohnungen. Mit den aktuellen Standards werde der Quadratmeter Wohnraum speziell mit Blick auf das Flüchtlingsproblem einfach zu teuer.

Die Wohnraumnot etwa mit Containern zu lösen, lehnt Bauer ab. "Für einen Container gibt man heute pro Quadratmeter 1000 Euro aus", sagte er. Für ein bisschen mehr als 1300 Euro könne bereits in einfachstem Standard massiv gebaut werden. Es seien dann Gebäude, die eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahre haben. Ein Container sei bereits nach fünf Jahren kaputt.

Gebäude in einfacherer Qualität und ohne Keller könnten Bauer zufolge innerhalb von vier Monaten gebaut werden. Allerdings verzögerten sich Bauvorhaben, weil Baugenehmigungen oftmals viele Monate dauerten. "Da muss die Genehmigungsphase auf zwei Wochen reduziert werden" forderte Bauer. In einer solchen Situation sollten Beamte einfach die Befugnis erhalten, Sondergenehmigungen erteilen zu dürfen. Nach dem Krieg sei auch schnell aus der Not heraus gebaut worden. Es gebe genug Unternehmen, die solche Unterkünfte errichten könnten./mne/jha/stb


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