Donnerstag, 01.12.2022 17:00 von dpa-AFX | Aufrufe: 494

ROUNDUP/Eine kontroverse Kippen-Alternative: Firmen setzen auf Tabakerhitzer

Mann mit Wirtschaftszeitung (Symbolbild). pixabay.com

GRÄFELING (dpa-AFX) - Auf Litfaßsäulen und Plakatwänden ist ihre Werbung derzeit noch sehr präsent: Tabakerhitzer der Marken Iqos von Philip Morris und glo von British American Tobacco (British American Tobacco Aktie) werden als gute Alternative zum Rauchen präsentiert. Die Uhr tickt, denn solche Art Werbung ist ab dem Jahreswechsel verboten. Eine am Donnerstag publizierte GfK-Umfrage, die Philip Morris in Auftrag gegeben hat, soll nun Schwung in die Debatte bringen: Sind solche Produkte hilfreich, damit Menschen wegkommen vom Kettenrauchen und umsteigen auf Tabakerhitzer, deren Schadstoffgehalt geringer ist als bei Verbrennungskippen? Sollte darüber nicht eher mehr statt weniger informiert werden?

Philip Morris betont, bei vielen Rauchern verfingen Appelle zum kompletten Rauchstopp nicht. Für diese Gruppe wäre es besser, wenn sie etwa auf Tabakerhitzer umstiegen, anstatt bei den Verbrennungsprodukten zu bleiben, sagt der wissenschaftliche Sprecher von Philip Morris in Deutschland, Alexander Nussbaum. Eine intensive öffentliche Aufklärung von erwachsenen Raucherinnen und Rauchern sei nötig, um ihr Wissen über die verbrennungsfreien Produkte zu verbessern. "E-Zigaretten oder Tabakerhitzer zu nutzen hat ein geringeres Schadenspotenzial als weiter zu rauchen - diese Erkenntnis ist noch immer nicht sehr weit verbreitet."

Bei dem Thema hat Philip Morris handfeste wirtschaftliche Interessen. Denn die Tabakerhitzer sind Teil eines teuren Kurswechsels der Konzerne. Philip Morris hat in den vergangenen Jahren sage und schreibe neun Milliarden Dollar (Dollarkurs) in "risikoreduzierte Produkte" investiert - neben den Tabakerhitzern geht es um E-Zigaretten und Nikotinbeutel. Damit will der Konzern auch in der Zukunft, wenn der Verkauf von Verbrennungszigaretten wegen restriktiver staatlicher Vorgaben immer schwieriger wird, einen einträglichen Geschäftszweig haben. Die intensive Werbung in den Straßen soll dabei helfen, dass Iqos zum Massengeschäft wird.

Kurse

Kotz leitet die "Debra-Studie", die in regelmäßigen Abständen Bundesbürger zum Rauchverhalten befragt. Der Untersuchung zufolge lag der Anteil von Menschen, die Tabakerhitzer nutzen, im vergangenen Jahr bei 0,3 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren und damit 0,1 Prozentpunkte höher als 2020. Für dieses Jahr rechnet Kotz auf Basis vorläufiger Zahlen mit einem leichten Anstieg.

Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) warnt davor, die Tabakerhitzer als "gute Alternative" darzustellen. "Sie sind nicht gut - sie sind riskant." Man müsse die Raucher beim Weg zum Rauchstopp unterstützen "und nicht zum nächsten schädlichen riskanten Produkt geleiten", sagt sie. Zudem seien die Folgen von Tabakerhitzern für die Gesundheit noch unklar, da es noch keine Langzeitstudien gebe.

Aus Berlin kommt eine weitere Wortmeldung zu dem Thema. Es sei zwar richtig, dass die modernen Erhitzer im Vergleich zu Tabakzigaretten weniger Schadstoffe enthielten, sagt der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert. "Sie bleiben aber gesundheitsschädlich." Die Botschaft an Raucherinnen und Raucher laute: "Wenn irgend möglich ganz aufhören." Hierzu gebe es auch professionelle Hilfe und Unterstützung./wdw/DP/men

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