Freitag, 12.08.2022 19:12 von dpa-AFX | Aufrufe: 596

ROUNDUP 4: Oder-Fischsterben für Naturschützer Katastrophe - Ursachen ungeklärt

Die biologische Vielfalt ist in den vergangenen Jahren zurück gegangen (Symbolbild). © pixabay.com

(neu: Entlassung von Spitzenbeamten in Polen)

SCHWEDT/POTSDAM (dpa-AFX) - Naturschützer sprechen von einer ökologischen Katastrophe. Das massenhafte Fischsterben in der Oder hat im Grenzgebiet zu Polen Alarmstimmung ausgelöst. Unklar blieb trotz umfangreicher Untersuchungen und Hinweisen auf Quecksilber im Wasser, woran genau die Tiere gestorben sind.

Nach Aussage von Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki wurde das Fischsterben offenbar durch die Einleitung von Chemie-Abfällen ausgelöst. "Es ist wahrscheinlich, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde, und das in voller Kenntnis der Risiken und Folgen", sagte Morawiecki in einer am Freitag auf Facebook (Facebook Aktie) veröffentlichten Videobotschaft. Der Regierungschef entließ zudem den Chef der Wasserbehörde und den Leiter der Umweltbehörde - sie sollen zu langsam auf das Fischsterben reagiert haben.

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel sprach von einer "Giftwelle" und rechnet damit, dass die Umwelt-Folgen noch lange zu spüren sind. Am Freitag beobachtete er im Nationalpark Unteres Odertal in der Uckermark selber, wie sich dort an den Ufern viele tote Fische ansammelten.

"So ein Fischsterben haben wir noch nicht erlebt. Das ist dramatisch", sagte die Bürgermeisterin von Schwedt, Annekathrin Hoppe (SPD), als sie am Ufer in der brandenburgischen Uckermark auf den etwa 200 Meter breiten Fluss schaute. Direkt vor ihren Füßen lagen zwischen Steinen die toten Tiere im Wasser, auch eine Muschel war dabei. Ein Fisch schnappte noch nach Luft.

Naturschützer gehen von weitreichenden Folgen für den Nationalpark Unteres Odertal aus. "Die Auswirkungen sind einfach furchtbar", sagte der stellvertretende Nationalparkleiter Michael Tautenhahn. "Für den Nationalpark ist das schlichtweg eine Katastrophe." Über die gesamte Strombreite habe man tote Fische treiben sehen. Betroffen seien etwa Zander, Welse, Gründlinge und Steinbeißer. Seeadler und andere Vögel könnten Gift durch die toten Fische aufnehmen. Der Nationalpark Unteres Odertal verbindet Polen und Deutschland - er zählt zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland.

Für die betroffenen Landstriche im Grenzgebiet stellen sich jetzt auch ganz praktische Fragen: Wie läuft die Entsorgung der Kadaver? Die Fische könnten nicht einfach so mit bloßen Händen entnommen werden, sagte Minister Vogel. Unklar war zunächst auch: Sind die Tiere Sonderabfall, und wie werden sie entsorgt? Landrätin Karina Dörk (CDU) in der Uckermark kündigte am Freitag an, sie wolle am Samstagmorgen loslegen mit dem Einsammeln der Fische - ein Einsatz, der ihr zufolge noch einige Zeit dauern kann.

Zuletzt haben neben der Einleitung von Giftstoffen in Flüsse und Seen teils auch natürliche Ursachen wie Sauerstoffmangel zu größerem Fischsterben in Deutschland geführt - wie etwa diesen Sommer in der Elbe rund um Hamburg oder in der Kleinen Vils (Bayern).

Im Kleinen und Großen Jasmunder Bodden auf der Ostsee-Insel Rügen waren im Winter viele Tonnen an Fischen verendet. Die Ursache dafür konnte nicht geklärt werden. Die Suche nach einem unbekannten Schadstoff ist nach Angaben des mecklenburgischen Landwirtschaftsministeriums erfolglos geblieben./dhe/DP/stw

Mehr Nachrichten kostenlos abonnieren

Werbung
E-Mail-Adresse
Benachrichtigungen von ARIVA.DE
(Mit der Bestellung akzeptieren Sie die Datenschutzhinweise)

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.

Andere Nutzer interessierte auch dieser Artikel: