Freitag, 14.01.2022 12:59 von dpa-AFX | Aufrufe: 731

ROUNDUP 3: Deutsche Wirtschaft weiterhin im Griff der Corona-Krise

BRD-Flagge. pixabay.com

(neu: weitere Details)

WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft geht ohne Rückenwind ins dritte Jahr der Pandemie. Mit 2,7 Prozent Wachstum hat Europas größte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr nach dem Corona-Tief zwar wieder Tritt gefasst. Allerdings fiel der vom Statistischen Bundesamt am Freitag anhand erster Zahlen vermeldete Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geringer aus als lange erhofft. Und die Lasten der Krise werden Deutschland noch lange zu schaffen machen: Der Staat gab im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Wiesbadener Behörde 153,86 Milliarden Euro mehr aus als er einnahm. Das war in absoluten Zahlen das zweithöchste Defizit seit der Wiedervereinigung.

"Die Wirtschaft ist nach dem Einbruch wieder auf Erholungskurs - aber schwächer als erwartet. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung aus dem Jahr 2020 ist insgesamt noch nicht wieder aufgeholt", bilanzierte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. "Das hat aber nicht nur mit dem Wiederaufflammen der Corona-Pandemie zu tun. Auch der Strukturwandel, der akute Fachkräftemangel, die zu hohen Energiepreise und die gestörten Lieferketten in den Weltmärkten beeinflussen das Wirtschaftswachstum."

Im Vergleich zu 2019, dem Jahr vor Beginn der Pandemie, war das BIP im vergangenen Jahr noch um 2,0 Prozent niedriger. Im Krisenjahr 2020 war die Wirtschaftsleistung nach jüngsten Daten um 4,6 Prozent eingebrochen.

Der Außenhandel wuchs dagegen kräftig und lag nur noch leicht unter dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019. Deutschland exportierte 2021 insgesamt 9,4 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als im Vorjahr. Die Importe stiegen bereinigt um Preiserhöhungen um 8,6 Prozent.

Auch die Lizenzeinnahmen des Impfstoffentwicklers Biontech trugen zum Wachstum bei, nach Schätzungen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) um etwa 0,5 Prozentpunkte.

Wichtige Konjunkturstütze waren 2021 die Konsumausgaben des Staates. Dieser gab vor allem mehr Geld aus, um die im Frühjahr flächendeckend eingeführten kostenlosen Antigen-Schnelltests und Corona-Impfstoffe zu beschaffen sowie Test- und Impfzentren zu betreiben, wie das Bundesamt erläuterte.

Insgesamt gab der deutsche Staat auch im zweiten Jahr der Pandemie nach vorläufigen Berechnungen der Statistiker deutlich mehr Geld aus als er einnahm. Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen 2021 bei 4,3 Prozent. 2020 hatte Deutschland mit ebenfalls 4,3 Prozent erstmals seit 2011 wieder ein Haushaltsdefizit verbuchen müssen.

Ärger aus Brüssel droht Deutschland deswegen nicht. Die EU-Staaten hatten wegen der Corona-Krise die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ausgesetzt, wonach das Haushaltsdefizit nicht über drei Prozent und die Gesamtverschuldung nicht über 60 Prozent des BIP steigen darf. 2023 soll der Pakt wieder greifen.

Das hohe Staatsdefizit sei "angesichts der Schwere des ökonomischen Pandemie-Schocks kein übermäßiger Grund zur Sorge", sagte Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW. Deutschland habe seine Neuverschuldung im Vergleich zu vielen anderen Staaten auf vergleichsweise niedrigem Niveau gehalten. "Für 2022 und die folgenden Jahre ist es aber unabdingbar, die Krisenpolitik nach dem Gießkannenprinzip zu beenden", mahnte Heinemann./ben/mar/DP/eas

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