ROUNDUP 2: Industrie fordert großes Bauprogramm - Wohnungsnot und Flüchtlinge

Donnerstag, 17.09.2015 18:45 von dpa-AFX - Aufrufe: 1137

Ein Industriestandort bei Sonnenaufgang (Symbolbild).
Ein Industriestandort bei Sonnenaufgang (Symbolbild).
pixabay.com

SCHROBENHAUSEN/BERLIN (dpa-AFX) - Zunehmend teures Wohnen in Ballungsgebieten und ein nicht endender Flüchtlingsstrom: In Deutschland fehlen laut der Bauindustrie hunderttausende bezahlbare Wohnungen. "Wir brauchen ein massives Programm im sozialen Wohnungsbau, ansonsten ist dieses Thema nicht lösbar", sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Thomas Bauer (Bauer Aktie), der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Deutschland benötigte auch ohne Flüchtlinge ein solches Programm wegen der unterschiedlichen Einkommensschichten der Bevölkerung. Hinzu käme die demographische Entwicklung. So gebe es etwa immer mehr Single-Haushalte. Insgesamt müssten deshalb in den nächsten Jahren jährlich 300 000 neue Wohnungen gebaut werden, vor allem für Familien und Singles mit geringen Einkommen in Ballungsgebieten, rechnete Bauer vor. Ein großer Teil davon sei auch Ersatzbau, da Wohnungen aufgrund des Alters und schlechten Zustands abgerissen werden müssten.

Bei diesen Berechnungen sei die Flüchtlingswelle noch nicht berücksichtigt, betonte Bauer. Es kämen allein im laufenden Jahr wohl 800 000 Flüchtlinge, von denen auch viele bleiben werden. So könne man nicht davon ausgehen, dass die syrischen Flüchtlinge in den kommenden zwei Jahren wieder heimkehrten. Die Zahl der neu zu erstellenden Wohnungen könne vor diesem Hintergrund auf 350 000, vielleicht sogar auf 400 000 jährlich steigen.

"Und wenn wir im Segment kostengünstiger Wohnungen für Flüchtlinge einen großen Bedarf haben, warum bauen wir von den Standards her nicht wie vor 15 Jahren?", fragte Bauer. Die meisten Menschen hierzulande lebten in solchen Wohnungen. Mit den aktuellen Standards werde der Quadratmeter Wohnraum speziell mit Blick auf das Flüchtlingsproblem einfach zu teuer.

Die Wohnraumnot etwa mit Containern zu lösen, lehnt Bauer ab. "Für einen Container gibt man heute pro Quadratmeter 1000 Euro aus", sagte er. Für ein bisschen mehr als 1300 Euro könne bereits in einfachstem Standard massiv gebaut werden. Es seien dann Gebäude, die eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahre haben. Ein Container sei bereits nach fünf Jahren kaputt.

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) kündigte am Donnerstag in Leipzig eine Vereinfachung des Planungsrechts an, um den Bau von Flüchtlingsunterkünften zu beschleunigen. So soll es für Kommunen zulässig werden, Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge kurzfristig auch in "innenhöfischen Außenbereichen" oder in unmittelbarer Nähe zu Schulen und Bahnanlagen zu errichten.

Laut Hendricks erhöht sich der bundesweite Bedarf an Neubauten auf mindestens 350 000 Wohnungen jährlich. Sie versprach deshalb, die Mittel des Bundes für den sozialen Wohnungsbau von derzeit rund 520 Millionen Euro für Kommunen mindestens zu verdoppeln. Auf dem Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik in Leipzig appellierte sie an private und kirchliche Grundbesitzer, Bauland zu verkaufen.

Laut Verbandspräsident Bauer könnten Gebäude in einfacherer Qualität und ohne Keller innerhalb von vier Monaten gebaut werden. Allerdings verzögerten sich Bauvorhaben, weil Baugenehmigungen oftmals viele Monate dauerten. "Da muss die Genehmigungsphase auf zwei Wochen reduziert werden", sagte Bauer. In einer solchen Situation sollten Beamte die Befugnis erhalten, Sondergenehmigungen erteilen zu dürfen. Es gebe genug Unternehmen, die solche Unterkünfte errichten könnten./mne/jha/stb/DP/fbr


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