Dienstag, 06.12.2022 17:06 von dpa-AFX | Aufrufe: 432

ROUNDUP 2: Anti-Hamsterrad-Revolution für die deutschen Kliniken

BRD-Flagge. pixabay.com

(neu: Details)

BERLIN (dpa-AFX) - Die Kliniken in Deutschland sollen nach Plänen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach grundlegend von wirtschaftlichem Druck zulasten von Patienten und Personal befreit werden. "Die Medizin wird wieder in den Vordergrund der Therapie gestellt und folgt nicht der Ökonomie", sagte der SPD-Politiker am Dienstag bei der Vorstellung von Vorschlägen für eine umfassende Finanzreform. Das Konzept einer Regierungskommission, das Grundlage für Gesetzespläne werden soll, sieht Änderungen am umstrittenen Vergütungssystem mit Pauschalen für Behandlungsfälle und Neuordnungen der Kliniken vor.

Lauterbach sagte in Berlin, bei den Reformplänen gehe es um "eine Revolution im Krankenhaussektor", die unbedingt nötig sei. "Wir haben die Ökonomie zu weit getrieben", konstatierte er. "Momentan werden zu oft Mittelmaß und Menge honoriert." Stattdessen müsse für jeden eine gute Grundversorgung garantiert sein - und Spezialeingriffe müssten auf besonders gut ausgestattete Kliniken konzentriert werden.

Die Lage: Der Vorsitzende der Regierungskommission, Tom Bschor, sagte, die Krise mit gesperrten Abteilungen und Patientenverlegungen in weit entfernte Krankenhäuser habe sich dramatisch zugespitzt. Es brenne lichterloh. Personal und Geld in den Kliniken würden durch die Logik des Vergütungssystems und unverhältnismäßige Gewinnerwartungen von Betreibern aufgezehrt. "Wir haben Masse statt Klasse." Es drohe, "dass die Krankenhausversorgung kollabieren wird mit katastrophalen Konsequenzen, wenn wir jetzt nicht grundlegend reformieren".

Der Fahrplan: Die Kommission schlägt vor, die Großoperation nicht sofort umzusetzen - sondern schrittweise und mit einer Übergangsphase von fünf Jahren. Die Ampel-Koalitionsfraktionen begrüßten das Konzept als "gute Grundlage" und wollen auch mit den Bundesländern darüber sprechen, die für die Krankenhausplanung zuständig bleiben sollen. Von der Opposition kam Kritik. Von "einem weiteren lückenhaften Konzept" sprach Unions-Gesundheitsexperte Tino Sorge (CDU). In der Kommission sitzen keine Branchenvertreter. Lauterbach machte klar, dass Lobbygruppen mit fachlichen Hinweisen gehört werden sollen. Sie sollen aber "keinen Einfluss auf die politische Umsetzung haben"./sam/bw/DP/nas

Mehr Nachrichten kostenlos abonnieren

Werbung
E-Mail-Adresse
Benachrichtigungen von ARIVA.DE
(Mit der Bestellung akzeptieren Sie die Datenschutzhinweise)

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.

Andere Nutzer interessierte auch dieser Artikel: