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Rohstoff-Report - Rohstoffmärkte: Wo endet die Preisspirale beim Öl?

Freitag, 09.03.2012 12:18 von Aktiencheck

München (www.zertifikatecheck.de) - Von keinem anderen Rohstoff sind die Industrieländer so abhängig wie vom Öl: Daher wiegt es umso schwerer, dass ein 159-Liter-Fass Brent-Öl in der vergangenen Woche in der Spitze 128,40 Dollar kostete - zwei Tage zuvor waren es noch fast acht Dollar weniger, so die Experten von "BörseGo" in ihrem "Rohstoff-Report".

Der Preissprung sei durch ein Gerücht verursacht worden: In Saudi Arabien sei eine Ölpipeline geplatzt - mutmaßlicher Auslöser: Ein terroristischer Anschlag. Das habe die Spekulation angeheizt. Als sich das Gerücht dann aber als haltlos erwiesen habe, sei der Preis genauso schnell wieder abgerutscht, wie er zuvor gestiegen sei. In dieser Woche habe ein Barrel Brent-Öl zeitweise wieder um über 6,5 Dollar weniger gekostet, als im letztwöchigen Hoch.

Eine Fortsetzung des Preisrückgangs sei aber eher unwahrscheinlich. Im Ölpreis enthalten sei nämlich auch eine so genannte "Risikoprämie" wegen einer drohenden Eskalation des Irankonfliktes. Beobachter würden diese Risikoprämie auf 10 bis 15 Dollar pro Fass veranschlagen. Solange sich die Situation um den Iran nicht verbessere, dürfte sich die Prämie auch nicht zurückbilden.

Die Gerüchte um Saudi Arabien sollten nun engmaschig beobachtet werden. Denn die Märkte würden sich darum sorgen, dass die revolutionäre Stimmung aus dem Arabischen Frühling in Nordafrika auch auf das Königreich übergreifen könnte. Saudi Arabien sei aber gerade jetzt als Swing-Produzent wichtig, da dort fast die gesamten Überschusskapazitäten des Ölkartells OPEC lägen. Diese Kapazitäten würden nun etwa benötigt, um Förderausfälle aus Südsudan, Jemen, Syrien sowie die Sanktion gegen iranisches Öl der EU zu kompensieren.

Dabei gehe es derzeit um zwei Millionen Barrel Erdöl - das sei bereits mehr als das Doppelte der Menge, um die die Ölnachfrage in diesem Jahr wachsen werde. Geschuldet sei der Verbrauchsanstieg dem Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern, schreibe die Internationale Energieagentur IEA in ihrem aktuellen Bericht.

Allen voran stehe die Volksrepublik China. Dort wolle man - oder müsse man - jetzt kleinere Brötchen backen. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao habe zur Eröffnung des jährlich stattfindenden Volkskongresses gesagt, das Wirtschaftswachstum solle im laufenden Jahr auf 7,5 Prozent und die Inflation auf 4 Prozent beschränkt werden. In den vergangenen Jahren habe das Wachstumsziel stets 8 Prozent betragen - und sei in der Regel übertroffen worden. Für den Ölmarkt sei dies zwar eine wichtige, aber nicht alles entscheidende Entwicklung. Denn hier würden Basiseffekte eine Rolle spielen.

Wenn China vor zwanzig Jahren pro Jahr zehn Prozent mehr Öl gebraucht habe, sei dies ausgehend von einer Verbrauchsbasis von rund 100 Millionen Tonnen jährlich gewesen - der Zuwachs habe also bei zehn Prozent zehn Millionen Tonnen betragen. In diesem Jahr werde der chinesische Ölverbrauch vermutlich "nur" um 5% wachsen. Dieses Wachstum werde jedoch gegenüber dem Jahr 2011 berechnet, als der chinesische Ölverbrauch schon 469 Millionen Tonnen erreicht habe. Der absolute Zuwachs - und das sei die einzige relevante Bezugs- und Planungsgröße für die Ölindustrie, die diese Menge ja tatsächlich liefern müsse, betrage trotz des halbierten prozentualen Wachstums in diesem Jahr schon 24 Millionen Tonnen.

Ein Verbrauchszuwachs von einem Prozent habe die Ölindustrie im Jahr 1990 aufgefordert, rund 600.000 Barrels Erdöl zusätzlich an den Markt zu bringen. Heute verursache das gleiche prozentuale Wachstum einen Mehrbedarf von 900.000 Barrels. Die derzeit maximal mögliche Förderleistung errechne sich aus der derzeitigen Ölfördermenge zuzüglich der Restkapazitäten der OPEC und liege somit bei rund 93 Millionen Barrels täglich. Diese Menge könne zwar durch die Freigabe strategischer Öllagerbestände kurzfristig erhöht werden. Einen solchen Schritt habe im vergangenen Jahr die Internationale Energieagentur unternommen. Dies werde den Ölpreis jedoch nur kurzfristig belasten.

Mittelfristig seien die Restkapazitäten der OPEC relevant, da außerhalb der OPEC die meist privat organisierten Produzenten Gewinnmaximierung betreiben und folglich am Kapazitätslimit Öl aus der Erde befördern würden. Der Ölpreis reagiere sensibel mit einem steigenden Preis sowie mit einer wachsenden Schwankungsintensität auf die Tatsache, dass die Restkapazitäten der weltweiten Ölförderung (d.h. Restkapazitäten der OPEC) wieder unter den durchschnittlichen Wert von 2,9 Millionen Barrels gefallen sei. Jetzt entspreche sie lediglich noch einer täglich zusätzlich möglichen Fördermenge von 2,4 Millionen Barrels (auch dank Südsudan, Syrien, Jemen, EU-Iran- Embargo).

Der Preis für ein Barrel Brent-Öl schwanke an der ICE in Atlanta derzeit durchschnittlich um 5,70 Dollar pro Tag. Dieser Wert, der Knappheit ausdrücke und gegenüber dem Jahresbeginn 2011 von 2,80 Dollar um mehr als das Doppelte angestiegen sei, erreiche damit das höchste Niveau seit dem Jahr 2009. Die Anstiegsphase des Ölpreises im Jahr 2006 bis 2008 von rund 50 Dollar auf fast 150 Dollar pro Barrel sei ebenfalls durch eine Zunahme der Schwankungsintensität des Ölpreises ausgelöst worden.

Eher spekulativ ausgerichtete Investoren, die von einem Ölpreisanstieg mit einem Hebel profitieren möchten, könnten statt auf Turbo-Produkte zu setzen, auch die in immer größerer Stückzahl und jetzt auch zusätzlich von der Deutschen Bank und der österreichischen Raiffeisen Centrobank (RCB) angebotenen Faktor-Zertifikate ins Kalkül ziehen. Die ersten Papiere seien bereits im November 2009 von der Commerzbank emittiert worden, die in diesem Zusammenhang auch gerne von der "neuen Generation der Hebel-Produkte" spreche. Denn sie würden gleichzeitig Vorteile von Turbos und klassischen Optionsscheinen verbinden, wie z.B. die weitgehende Unabhängigkeit von der Volatilität oder das Fehlen einer Knock-Out-Barriere. Wer aber denke, damit wäre auch das Risiko geringer, irre, denn der Hebel wirke auch hier natürlich nach beiden Seiten.

Das Besondere bei den für viele Anleger erst jetzt so richtig ins Blickfeld geratenen Produkten bestehe darin, dass der jeweilige Hebel bzw. "Faktor" gegenüber dem Vortagesschlusskurs des Basiswertes konstant gehalten werde, was eine tägliche Anpassung erfordere. Bei der Commerzbank beziehe sich jedes Papier deshalb auf einen eigens dafür berechneten Strategie-Index, der je nach der Richtung eine Finanzierungs- bzw. Zins-Komponente beinhalte. Damit es bei Faktor-Zertifikaten nicht wie bei Turbos zu einem Knock-Out-Ereignis komme, erfolge bei einer extrem negativen Entwicklung in Abhängigkeit von der jeweiligen Richtung ab einem bestimmten Grenzwert eine vorzeitige untertägige Anpassung, die weitere Kursverluste abschwäche. Die Emittenten würden für die Berechnung der jeweiligen Underlyings eine Gebühr, die Commerzbank beispielsweise in Höhe von 0,75 Prozent p.a. erheben.

Investoren sollten insbesondere beachten, dass sich die Faktor-Variante wegen der täglichen Readjustierung des Hebels bei seitwärtstendierenden Märkten eher negativ verhalte, während sie bei ausgeprägten Trendverläufen ihren kumulativen Effekt besonders zur Geltung bringen könne.

Wer auf steigende Ölpreise spekulieren möchte, finde aktuell bei der Commerzbank bzw. der RCB folgende Endlos-Produkte auf Brent bzw. WTI Futures - (Faktor 3x Long Zertifikat auf Brent Crude Rohöl ICE Rolling [Commerzbank AG]), (Faktor 4x Long Zertifikat auf Brent Crude Rohöl ICE Rolling [Commerzbank AG]); (Faktor 3x Long Zertifikat auf WTI Rohöl NYMEX Rolling [Commerzbank AG]), (Faktor 4x Long Zertifikat auf WTI Rohöl NYMEX Rolling [Commerzbank AG]) und (Partizipations Zertifikat auf X2 Brent Crude Oil Basket [Raiffeisen Centrobank AG]), (Faktor 3x Long Zertifikat auf Brent Crude Rohöl ICE Rolling [Raiffeisen Centrobank AG]): Konservativ orientierte Anleger, die sich gegen ein Verlustrisiko absichern möchten, könnten zu den neuen währungsgesicherten Öl-Protect-Anleihen von Barclays (Protect Anleihe auf Brent Crude Rohöl ICE Rolling [Barclays Bank PLC]), (Protect Anleihe auf Brent Crude Rohöl ICE Rolling [Barclays Bank PLC]) greifen. Die beiden Produkte würden eine 1:1-Partizipation an langlaufenden Brent Futures bis zu einem Cap bei 135 bzw. 139 Prozent ermöglichen.

Die Preise für Benzin und Diesel würden immer weiter klettern und hätten bereits die Niveaus aus dem Jahr 2008 erreicht, obwohl der Ölpreis noch 15% unter dem damaligen Preisniveau liege. Das führe dazu, dass der Preis für ein Barrel Brent-Öl umgerechnet in der vergangenen Woche bereits 96 Euro gekostet habe - ein neuer Rekordstand. Das Hoch im Juni des Jahres 2008 habe bei lediglich 93,22 Euro gelegen.

Doch es gebe Hoffnung auf Besserung. Es gehe um Europa. Es sei für eine wachsende Gruppe von wohlhabenden und institutionellen Investoren DIE Investment-Story einer ganzen Generation: Europa liege nach der Nahtoderfahrung am Boden, die Kreditmärkte würden zehn Prozent Verzinsung versprechen und der Euro sei günstig. Die Positionierungen gegen den Euro, die an US-Terminbörsen historische Höchststände erreicht hätten, würden nicht mehr in eine Welt passen, die gerade mit über einer Billion Euro von der EZB geflutet worden sei. Die unmittelbare Gefahr einer Wiederholung einer unkontrollierten Pleite einer großen Bank in Europa sei gebannt, während 1 Billion Euro dafür sorgen würden, dass Banken sich nicht mehr zu Zwangsliquidationen von Wertpapieren genötigt sehen würden.

Zwar bahne sich mittlerweile eine unkontrollierte Pleite eines ganzes Landes an. Doch lasse sich diese Situation wegen ihrer Entscheidung einen Tag nach Versand dieses Reports nicht abschließend bewerten. Die Experten würden im Zweifel für den Angeklagten votieren und an der bullischen Einschätzung des Währungspaars EUR/USD festhalten. Das liege vor allem an mittel- bis langfristigen Perspektiven. Denn wer am Anleihenmarkt investieren wolle, der schaue nach Europa - man habe mittlerweile volumenmäßig mehr Anleihen, die mit 10% oder höher rentieren würden, als alle Schwellenländer und die USA zusammen.

Wenn sich das rum spreche, dass der Weltuntergang jetzt doch noch nicht nach Europa komme, dann werde der Post-LTROgetriebene Markt möglicherweise damit beginnen, Europas Märkte vor diesem Hintergrund stärker von Seiten der sich bietenden Chancen, und weniger aus den noch drohenden Risiken zu betrachten. Vor diesem Hintergrund sollte man nun das Währungspaar Euro zum US-Dollar engmaschig beobachten. Wenn das steige, dürften sich auch die Spritpreise an der Tankstelle trotz höherer Ölpreise weniger bemerkbar machen. Denn ein höherer Euro zum US-Dollar bedeute auch: Geringere Importbelastung und sinkende Treibstoffpreise!

Beim Währungspaar EUR/USD sollte die Marke von 1,26 USD nicht mehr berührt bzw. unterschritten werden. Deshalb könnten hier Investoren mit einem Mini-Future von Goldman Sachs (Mini Future auf EUR/USD [Goldman Sachs]) mit einer Basis bei 1,2602 USD und einer Knock-Out-Schwelle bei 1,2730 besonders spekulativ unterwegs sein. Der Hebel betrage dabei stolze 21,09. Ähnlich spekulativ komme ein entsprechendes Produkt der DZ-BANK (Mini Future Optionsschein auf EUR/USD [DZ Bank AG]) mit einem Basispreis bei 1,2631 USD und einer Knock-Out-Schwelle bei 1,2727 USD daher. Der Hebel belaufe sich bei diesem Papier auf 19,16.

Etwas konservativer sei ein Mini-Future Long der RBS (Mini Future auf EUR/USD [The Royal Bank of Scotland N.V.]) mit einer Basis bei 1,20 USD und einer Knock-Out-Schwelle bei 1,2230 USD aufgestellt. Der Hebel sei hier immer noch zweistellig. Einen Hebel von 8,82 biete darüber hinaus ein Papier der BNP Paribas (Mini Long auf EUR/USD [BNP Paribas Emissions- und Handelsges.])/ WKN BN163N) auf den EUR/USD-Wechselkurs mit einem Basispreis bei 1,1812 USD und einem Knock-Out bei 1,1930 USD. (Ausgabe 5 vom 08.03.2011) (09.03.2012/zc/a/a)