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Roger Ver vs. Jimmy Song: „Bitcoin Cash ist Fiatgeld“

Dienstag, 11.09.2018 14:00

Das Streitgespräch zwischen Bitcoin.com-CEO und Bitcoin-Cash-Verfechter Roger Ver und dem Bitcoin-Core-Developer Jimmy Song markierte den Höhepunkt an Bord der Blockchain Cruise Europe. Dabei kam es zu einigen Kontroversen, auch mit persönlichen Bemerkungen wurde nicht gespart. 

Die beiden Kontrahenten waren im Nachgang der Bitcoin-Hard-Fork im letzten Jahr bereits mehrfach aneinandergeraten. Dabei hatten sie ihre unterschiedlichen Meinungen zu der Frage, wer die ursprüngliche Idee des Bitcoins vertritt, ausdiskutiert. Neben der ideologischen Debatte kamen auch persönliche und stilistische Unterschiede zwischen beiden zum Vorschein.

An Deck der Blockchain Cruise Europe wurden diese Unterschiede erneut deutlich. Nicht nur der Kleidungsstil der beiden unterschied sich deutlich – Song im grauen Anzug, Ver in Sonnenbrille, T-Shirt und Badeshorts – dieser Unterschied spiegelte sich auch in der Art ihres Vortrags wieder. So gab es direkt zu Beginn eine Unstimmigkeit zwischen beiden bezüglich des formellen Ablaufs der Debatte.

Bereits der Beginn der Debatte ist kontrovers

Zunächst stellt Jimmy Song kurz das Format des Gesprächs vor. Angedacht ist, dass beide Kontrahenten wechselweise erst zehn Minuten und dann fünf Minuten Sprechzeit haben, um ihre Argumente vorzubringen (Lincoln-Douglas-Style). Noch während Song dies dem Publikum präsentiert, unterbricht Roger Ver ihn bereits. Dieser klagt an, bei der Wahl des Formats kein Mitspracherecht gehabt zu haben. Zudem habe Jimmy Song eine voll ausformulierte Rede vorbereitet, während er selbst mit leeren Händen gekommen sei. Nach einem kurzen hin und her einigt man sich schließlich darauf, die Debatte wie geplant zu beginnen. Es ist ein Schema, das sich durch die gesamte Debatte ziehen wird.

Es wird schnell deutlich, dass Songs Wahl des Formats von dem Wunsch getrieben wurde, die Debatte zu zivilisieren und Unterbrechungen durch Roger Ver zu minimieren. Dieser versucht trotzdem immer wieder, aus den Regeln auszubrechen, was eine echte inhaltliche Debatte zunehmend erschwert. Phasenweise erinnert das Streitgespräch daher eher an Trash-Talk im Vorfeld eines US-amerikanischen Wrestling-Kampfes – eine geeignete Unterhaltung für das anwesende Eventpublikum.

Bitcoin Cash ist Fiatgeld?

Inhaltlich wurden die Herren schließlich doch – was zu großen Teilen daran lag, dass Jimmy Song seine Argumente vorlesefertig auf Papier vor sich liegen hatte. Das wichtigste davon ließ er gleich zu Beginn herausplatzen: Bitcoin Cash ist Fiatgeld.

Diese Argumentation stützt er vor allem darauf, dass es eine zentrale Autorität gibt, die die Geschicke von Bitcoin Cash leitet. Autoritäten würden fortwährend intervenieren, um Probleme wie Transaktionskosten und -geschwindigkeit zu lösen. Bitmain fungiere in dem System als eine Art Zentralbank, die die Geldmenge steuere. Dementsprechend sei Bitcoin Cash keynsianistisch und ähnle mehr einer Fiatwährung als einer Kryptowährung.

Roger Ver, offenbar nicht vorbereitet auf die Taktik seines Gegenübers, machte sich während Jimmy Songs Rede eifrig Notizen. Als er jedoch an der Reihe war, seine Argumente vorzubringen, war er zunächst nicht in der Lage, etwas auf die Vorwürfe gegen Bitcoin Cash zu erwidern. Stattdessen erkaufte er sich Zeit, indem er Jimmy eine Wette anbot. Eine Millionen US-Dollar dafür, dass BCH in zehn Jahren eine höhere Marktkapitalisierung aufweist als BTC. Song, der erkannte, dass Ver inhaltlich nichts erwidern konnte, ging auf dieses Angebot jedoch nicht ein.

Inhaltliche Auseinandersetzung: Fehlanzeige

Schlussendlich ging Ver – nach einiger Bedenkzeit – inhaltlich auf Songs Argumente ein. Als Anhaltspunkt gegen den Vorwurf der Zentralisierung beispielsweise führt er den aktuellen Konflikt zwischen Craig Wright und Bitmain an. Dieser zeige, dass es keine zentrale Autorität gibt. Ironischerweise hatte Song diesen Richtungsstreit zuvor als Zeichen dafür gewertet, dass es eine zentrale Autorität gibt. Worum sollte denn sonst gestritten werden, wenn nicht um Macht und Einfluss.

Anschließend versucht Ver, die Glaubwürdigkeit seines Gegenübers zu diskreditieren. Ohne auf das eigentliche Argument, Bitcoin Cash sei keynsianistisch, einzugehen, möchte Ver von Song wissen, ob er die Standardwerke von Keynes persönlich gelesen habe. Er selbst habe von Adam Smith bis Keynes jedes volkswirtschaftliche Standardwerk studiert. Auch diesmal tappt Song nicht in die Falle, sondern stellt vielmehr Vers Taktik, von dem Vorwurf abzulenken, für alle klar heraus. Als die Qualität der Debatte immer weiter sinkt, wird es Song schließlich zu viel und er erklärt die Debatte für beendet.

Was bleibt also von der Diskussion? Der Eindruck eines inhaltlich gut vorbereiteten Jimmy Song gegen den Bitcoin-Cash-Vermarkter Roger Ver, der die populistische Klaviatur des Streitgesprächs geschickt rauf und runter spielte und die Argumente des Gegners verdrehte, ohne dabei groß eigene Inhalte zu liefern. Unterstützt wurde Ver dabei von der in großer Zahl erschienenen Bitcoin.com-Anhängerschaft, die über die gesamte Dauer der Kreuzfahrt aggressiv Werbung für Bitcoin Cash machte. Auch wenn Roger Ver Jimmy Song mit seiner krawalligen Art von der Bühne trieb, dürfte er sich im Nachhinein sicherlich nicht als Sieger gefühlt haben.

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Source: BTC-ECHO

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