Personaldienstleister: Wirtschaft und Entwicklung

Montag, 03.05.2021 08:00 von Kapitalmarkt ARIVA - Aufrufe: 611

Die Charts von Personaldienstleistern dienen als Gradmesser für die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt.
Die Charts von Personaldienstleistern dienen als Gradmesser für die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt. - © pixabay.com © PIX1861 (CC0 Creative Commons)
Zeitarbeitsfirmen sind im Begriff, sich auf die veränderte Arbeitswelt einzustellen. Viele Dienstleistern prüfen ihre aktuelle Geschäftsstrategie und verändern sie gezielt. Mit neuen digitalen Prozessen wollen sie neue Kundenbranchen erschließen.

Deutsche Personaldienstleister sind in einer gedämpften Aufschwungsstimmung. Das Wahljahr 2021 lässt einige Unternehmen auf Entspannung hoffen. Der prognostizierte Marktzuwachs für 2021 wurde mit 5,7 % beziffert. 2020, das Jahr, in dem die Corona Pandemie den Arbeitsmarkt auf den Kopf stellte, verursachte einen durchschnittlichen Umsatzeinbruch von 13,6 % bei Personaldienstleistern. Wo steht die Branche jetzt und wie entwickelt sie sich weiter?

Lünendonk Blitzumfrage Zeitarbeit

Jedes Jahr liefert die Lünendonk-Blitzumfrage Informationen rund um die wirtschaftliche Situation von Zeitarbeitsfirmen. Große Firmen haben naturgemäß größere Widerstandskräfte als mittelgroßer oder kleine Firmen. Dies liegt darin begründet, dass große Unternehmen eine diversifizierte Kundenstruktur aufweisen. Das Marktumfeld bleibt indes schwierig, dennoch wird Zeitarbeit auch in absehbarer Zukunft eine nachgefragte Dienstleistung sein.

Zeitarbeit als Marktindikator

Die Branche der Personaldienstleistungen fungiert als Indikator für die Wirtschaft. Ändern sich konjunkturelle Rahmenbedingungen, ist das fast unmittelbar an Branchenkennzahlen ablesbar.

Wer die Charts von Randstad oder von Adecco betrachtet, sieht den Aktienabsturz im Frühjahr 2020 deutlich. In Zeiten eines Abschwungs ist die Zeitarbeitsbranche der Bereich, in dem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zuerst angezeigt werden. Die Gründe liegen auf der Hand: Bevor Firmen ihre eigenen Mitarbeiter entlassen oder Maßnahmen wie Reduktion von Überstunden oder Anmeldung von Kurzarbeit ergreifen, kürzen Sie die Inanspruchnahme von Zeitarbeitskräften.

Beispiel: Konjunktureinbruch 2008/2009

Der typische zeitliche Vorsprung der Entwicklung in der Zeitarbeitsbranche in Zusammenhang mit konjunkturellen Rückgängen zeigte sich 2008/2009 ebenfalls überdeutlich. Bereits im Frühjahr 2008 machten sich signifikante Rückgänge bei Beschäftigten in der Zeitarbeitsbranche bemerkbar. Erst im Herbst desselben Jahres schlug sich der Beschäftigungsrückgang auch bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Gesamtbetrachtung nieder. Das Factsheet „Entwicklung in der Zeitarbeit“, herausgegeben von der Bundesagentur für Arbeit, welches sich mit Statistiken zur Entwicklung der Zeitarbeit beschäftigt, bildet auf Seite 20 (Abb. 14) den Graph unter dem Titel „Zeitarbeit als Frühindikator – Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte insgesamt und in der Zeitarbeit“ ab.

Konjunkturelle Einflüsse auf Beschäftigungszahlen

Wenn die Konjunktur wieder anzieht, ändert sich das Verhältnis und die Dienstleistungen von Zeitarbeitsfirmen werden wieder stärker beansprucht. Hält der Aufschwung an und stabilisiert sich die wirtschaftliche Lage, werden Unternehmen sicherer und vertrauen auf die stabile Marktsituation. In der Folge steigt die Zahl der Neueinstellung. Wer sich an den Angaben zu sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten bei Personaldienstleistern orientiert, kann daraus dennoch nicht ablesen, ob ein Abbau in diesem Bereich gleichzeitig bedeutet, dass ein Beschäftigungsrückgang auf dem allgemeinen Markt folgt. Wenn die Zahl von Leiharbeitnehmern zurückgeht, können sich dahinter auch diese Gründe verbergen:

  • Leiharbeitsfirmen stellen Leiharbeiter fest ein
  • Leiharbeitnehmer finden eine Anstellung außerhalb der Zeitarbeitsfirma

Ein weiterer Aspekt darf nicht unerwähnt bleiben. Wir leben aktuell in einer Zeit, in der Fachkräfte Mangelware sind. Firmen wollen Fachkräfte langfristig binden und das bedeutet auch, dass Personaldienstleister nur schwer entsprechend qualifiziertes Personal unter Vertrag nehmen können.

Gesetzesänderungen beeinflussen die Zahlen

Auch gesetzliche Änderungen haben Einfluss auf die Beschäftigungszahlen im Bereich der Zeitarbeitsfirmen. 2018 war generell ein Rückgang hinsichtlich der Zahl der Beschäftigten bei Personaldienstleistern zu verzeichnen. Dies könnte damit in Zusammenhang stehen, dass gesetzliche Vorschriften den Markt entsprechend regulierten.

Der Gesetzgeber schrieb mit Wirkung vom 01.04.2017 vor, dass Leiharbeiter nach sechs Monaten die gleiche Entlohnung erhalten müssen wie Stammpersonal. Außerdem wurde die Überlassungsdauer auf 18 Monate festgesetzt.

Dass in der zweiten Jahreshälfte 2018 die Konjunktur abgeschwächt lief, unterstützte diese Entwicklung noch. Der Abbau von Mitarbeitern setzte sich auch 2019 vor, weil die Konjunktur nach wie vor instabil war. Der bereits erwähnten Mangel an Fachkräfte hatte zur Folge, dass die Entleihbetriebe die Arbeitnehmer übernahmen oder dass diese eine andere Beschäftigung fanden. 2020 führte die Coronakrise zu einem tiefen Einschnitt, der nicht nur die Anzahl der Beschäftigten bei Personaldienstleistern minderte, sondern alle Branchen gleichermaßen beeinträchtigte.

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Der Arbeitsplatz im Büro ist längst nicht mehr selbstverständlich. Viele Firmen haben ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Bildquelle: pixabay.com © googlerankfaster (CC0 Creative Commons)

Personalvermittler und Arbeitnehmerüberlassungen im Spannungsfeld aktueller Entwicklungen

Das Jahr 2020 hat die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Dies hat auch Einfluss auf die Jobsuche und auf die Recruiting-Prozesse. Es stellt sich allgemein die Frage, wie Personalentscheidungen inzwischen getroffen werden, welche Aspekte eine Rolle spielen. Aus dem Talent Trend Report 2021 von Randstad Sourceright geht hervor, dass weltweit viele Firmen neue Wege beschreiten. Randstad macht beides: Personalvermittlung und Arbeitnehmerüberlassung. Das Unternehmen hat somit einen umfassenden Blick auf die Branche und benennt die wesentlichen Entwicklungen in der Arbeitswelt:

Überregionales Recruiting

Die Zahl der Arbeitnehmer, die auf Abruf bereitstehen, hat sich verdoppelt. Deshalb werden Recruitingstrategien überregional ausgerichtet. Das Homeoffice hat sich stark gewandelt und ist vielfach bereits zum vollwertigen Arbeitsplatz geworden. Der Wohnort eines Mitarbeiters wird deswegen immer unwichtiger und spielt keine große Rolle mehr bei den Einstellungskriterien. Wenn Standort der Firma und Wohnort des Bewerbers auseinanderfallen, lässt sich das inzwischen ohne Zusatzaufwand kompensieren. Bewerber müssen nicht zwingend umziehen, sondern starten ihren Job direkt aus ihrem Homeoffice heraus.

Rasche Qualifizierungsmaßnahme

Firmen sahen sich gezwungen, ihre Mitarbeiter für die Bereiche zu qualifizieren, in denen eine hohe Auslastung herrschte und sie von den Bereichen abzuziehen, die zusammengebrachen. Auf diese Weise konnten sie Arbeitsplätze erhalten und haben gleichzeitig Fachwissen durch Weiterbildungen aufgebaut. Personalchefs sind der Auffassung, dass diese Umqualifizierungsmaßnahmen, die als Reskilling bezeichnet werden, deutlich zu Mitarbeiterbindung beitragen. Agiles Arbeiten ist wichtiger denn je und es ist notwendig, entsprechend agile Strukturen zu kreieren, die die neuen Anforderungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern entgegenkommen. Firmen haben gelernt mit unvorhersehbaren Veränderungen zurechtzukommen und werden immer besser darin.

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Großraumbüros wie diese gehören in vielen Firmen der Vergangenheit an. Viele verkleinern sich und verändern die Arbeitsprozesse. Bildquelle: pixabay.com © 12019 (CC0 Creative Commons)

Mitarbeiterzufriedenheit erlangt größere Wichtigkeit

Firmen wissen, dass Mitarbeiterzufriedenheit einen hohen Wert hat. Sie wollen, dass von Anfang an die bestmöglichen Rahmenbedingungen für neue Mitarbeiter herrschen. Angefangen vom Erstkontakt über den Arbeitsalltag bis hin zur Kündigung erleben viele Arbeitnehmer diese Prozesse zu Hause im Homeoffice und nicht im Büro. Diese Situation verändert die Wahrnehmung der Mitarbeiter bezüglich ihrer Arbeit. Arbeitgeber sind dazu angehalten neue Prozesse zu entwickeln und neue Kommunikationswege zu gehen. Themen wie flexible Arbeitszeiten, Weiterbildung und Gesundheit werden nicht länger auf die lange Bank geschoben, sondern umgesetzt.

Fazit: Personaldienstleistungsbranche steht vor neuem Aufschwung

Trotz der Einschränkungen, die die Corona-Krise in die Arbeitswelt bringt, zeigen sich die führenden Unternehmen der Personaldienstleistungsbranche optimistisch. Sie setzen auf eine wirtschaftliche Erholung, auch im Zusammenhang mit den steigenden Impfzahlen, die für ein Wiederanziehen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens sprechen. Sicherlich hat die neu beschlossene Corona-Notbremse ihre Auswirkungen auf die Beschäftigungszahlen, doch es zeichnet sich eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte ab.

 

 

 


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