Nachhaltige Anlagen: Lohnt sich der Einstieg ins grüne Investment?

Montag, 15.04.2019 08:03 von Janine-Isabell Franz - Aufrufe: 1008

Nachhaltige Geldanlagen können sich durchaus lohnen (Symbolbild).
Nachhaltige Geldanlagen können sich durchaus lohnen (Symbolbild). - © Gerd Altmann pixabay.com
Der Markt für nachhaltige Anlagen wächst stetig. Doch für Anleger ist es nicht immer leicht, sich dort zurechtzufinden, denn bisher gibt es keine einheitlichen Kriterien zur nachhaltigen Anlage. Welche Möglichkeiten haben also private Investoren? Und welche Indizes könnten interessant sein?

Ob im Supermarkt, bei der Kleidung oder bei der Geldanlage: Der Begriff der Nachhaltigkeit hat mittlerweile Einzug in viele Lebensbereiche gehalten. Nach Angaben des Forums für Nachhaltige Geldanlagen sind für nachhaltige Geldanlagen neben der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit auch ökologische, soziale und ethische Kriterien, die ein verantwortungsbewusstes Investment garantieren, entscheidend. Und private Investoren scheinen dem Thema mehr denn offen gegenüberzustehen.

So ist der Markt für nachhaltige Anlagen in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Im Jahr 2016 belief sich das Marktvolumen für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland auf 157 Milliarden Euro. Ein Jahr später waren es schon 171 Milliarden Euro - ein Anstieg um knapp neun Prozent.

Was bedeutet nachhaltiges Investieren?

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, wird sich früher oder später allerdings fragen, wie ein Investment überhaupt als nachhaltig eingestuft werden kann. Hier können die sogenannten ESG-Kriterien Aufschluss geben. ESG steht dabei als Abkürzung für die Begriffe "environment", "social" und "governance". Es geht also um die unternehmerische Einhaltung ökologischer und sozialer Standards sowie um eine bestimmte Art der Unternehmensführung. Dazu zählen nach Angaben des „Institute for Energy, Ecology and Economy“ beispielsweise die Adaption einer Klimastrategie, der Ausschluss von Kinderarbeit oder die Implementierung einer Nachhaltigkeitsstrategie im Unternehmen. Das große Problem dabei: Für die ESG-Kriterien gibt es keine einheitliche Bewertungsskala. Das heißt: Jene Finanzinstitute oder Agenturen, die ein Rating durchführen, bewerten die Nachhaltigkeit der jeweiligen Investments selbst.

Unter Berücksichtigung der ESG-Kriterien gibt es für Anleger verschiedene Möglichkeiten, nachhaltig zu investieren. Einer der bekanntesten Ansätze ist das Ausschlussverfahren. Dabei werden Unternehmen von der Anlage ausgeschlossen, die bestimmte ökologische oder soziale Kriterien nicht erfüllen. Dazu können die Produktion von Atomenergie oder die Verletzung von Menschenrechten gehören, aber auch Geschäfte mit Waffen, Korruption oder Geldwäsche.

Wollen Anleger in die nach ESG-Kriterien führenden Unternehmen investieren, können sie auch auf den sogenannten Best-in-Class-Ansatz setzen. Dazu zählen laut dem Forum für nachhaltige Geldanlagen Unternehmen, die beispielsweise ein besonderes Umweltmanagement verfolgen, besondere Förderprogramme für ihre Mitarbeiter anbieten oder aktiv gegen Diskriminierung vorgehen. Interessieren sich Anleger für bestimmte Branchen, können sie darüber hinaus auch in Themenfonds investieren. Neben diesen drei Ansätzen gibt es jedoch noch viele weitere Möglichkeiten des nachhaltigen Investierens.

Welche Indizes sich für Anleger lohnen könnten

Um nachhaltig zu investieren, müssen Anleger jedoch nicht einzelne Unternehmen nach bestimmten Kriterien prüfen. Mittlerweile stellen Indexanbieter eine ganze Reihe von Indizes zusammen, bei denen die Index-Unternehmen nach bestimmten Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt werden. Über einen Indexfonds können Anleger meist kostengünstig auf die Entwicklung solcher Indizes setzen.

Ein Index, bei dem Unternehmen nach besonders strengen Kriterien ausgewählt werden, ist der deutsche Natur-Aktien-Index (NAI) des Finanzdienstleisters Securvita. Der Index wendet das Verfahren der Ausschlusskriterien an und verzichtet beispielsweise auf Unternehmen aus den Bereichen der Atomenergie, der Rüstungsindustrie oder auf Unternehmen, die Tierversuche durchführen. Im Index finden sich 30 Unternehmen wieder, darunter Aixtron, Ricoh oder Tesla. Der NAI hat auf Dreijahressicht ein Plus von rund 35 Prozent verbucht. Investiert werden kann in den NAI derzeit nur über den GreenEffects-Fonds mit einer Einmalzahlung von 5.000 Euro.

Für Anleger, die auf internationaler Ebene nachhaltig investieren möchten, gibt es ein breitgefächertes Angebot von investierbaren Indizes der großen Indexfamilien. Dazu zählen die US-amerikanische Dow Jones-Familie, der britische FTSE oder der breit gefächerte MSCI.

Die Dow Jones Sustainability Index (DJSI)-Familie wählt Unternehmen beispielsweise nach dem Best in Class-Ansatz aus und investiert in Unternehmen unter Ausschluss der Tabak-, Alkohol- und Glücksspielindustrie. Der DJSI World umfasst 315 Unternehmen aus Industrienationen. Zu den Unternehmen zählen unter anderem Nestlé, Novartis oder Microsoft. Auf Dreijahressicht schaffte der DJSI World einen Zuwachs von rund 15 Prozent, der Dow Jones Industrial Average erwirtschaftete ein Plus von etwa 19 Prozent.

Die FTSE4Good-Indexfamilie orientiert sich an Unternehmen, die strengen ESG-Kriterien unterliegen. Den FTSE4Good gibt es in verschiedenen Varianten: unter anderem speziell für Industrie- oder Entwicklungsländer, für die ASEAN-Region oder auch für Länder, wie Japan, Taiwan oder Malaysia. In den vergangenen drei Jahren gewann der FTSE4Good Developed rund 45 Prozent an Wert. Beim FTSE 100 waren es im selben Zeitraum nur rund 18 Prozent. Zu den größten Unternehmen im FTSE4Good Developed gehören Microsoft, Apple und Johnson& Johnson.

Der MSCI World Socially Responsible Index (SRI) wählt Unternehmen ebenfalls nach einer hervorragenden Bewertung hinsichtlich der ESG-Kriterien aus. Er umfasst 398 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrienationen, darunter Microsoft, Disney oder Total. In den vergangenen drei Jahren hat der MSCI World SRI rund 12,7 Prozent an Wert zugelegt. Zum Vergleich: Der MSCI World schaffte es auf rund 11,9 Prozent Zuwachs im selben Zeitraum. Die Indizes der drei Indexfamilien gibt es zudem für regionale Märkte, als Varianten, die bestimmte Industrien, wie die Waffenindustrie ausschließen oder als Indizes, die Unternehmen eine maximale Gewichtung im Index vorschreiben.

Bedeutet Nachhaltigkeit immer weniger Rendite?

Trotz des Booms: Erfahrene Anleger stehen nachhaltigen Investments oft kritisch gegenüber. Sie erwarten eine höhere Volatilität ihrer Anlagen und eine geringere Rendite als bei konventionellen Investments. Die Risikostreuung ist bei nachhaltigen Investments oft nicht einfach, da vor allem bei Indexfonds mit strengen Kriterien oder auch bei Themenfonds nur in eine begrenzte Anzahl an Unternehmen investiert werden kann.

Nachhaltige Anlagen können daher laut Wirtschaftswoche eine höhere Volatilität aufweisen – nichts für risikoaverse Anleger. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft können die ESG-Kriterien aber beispielsweise auch Informationen über das systemische Risiko eines Unternehmens offenbaren und so zu einem guten Risikomanagement beitragen. Vor allem können sie Anlegern aber zusätzliche Informationen zu den jeweiligen Unternehmen geben, die über die reinen Finanzkennzahlen hinaus gehen.

Nach Angaben des Handelsblatts bringen nachhaltige Anlagen außerdem nicht grundsätzlich weniger Rendite als konventionelle Investments – im Gegenteil: Die Ratingagentur ISS-Oekom geht laut Handelsblatt davon aus, dass nachhaltige Geldanlagen mindestens die gleiche Rendite, wenn nicht sogar ein besseres Ergebnis erzielen.

Fazit: Nachhaltige Geldanlagen sind schon lange kein Nischenprodukt mehr. Anleger haben viele Möglichkeiten ihr Geld nachhaltig zu investieren. Ob sie ihr Geld eher in  breitgefächerte Indizes oder doch recht spezialisierte Themenfonds anlegen wollen, richtet sich auch nach dem Ziel, das verfolgt werden soll. Nachhaltigkeit bedeutet zudem nicht immer weniger Rendite – sogar das Gegenteil kann der Fall sein.


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