Zehn Jahre Deutscher Derivate Verband: Einheitliche Produktklassen als Meilenstein für mehr Transparenz

Dienstag, 13.02.2018 16:34 von ARIVA.DE Spotlight

Jubiläum beim DDV (Symbolfoto) © ramihalim istock.com

Es war ein Start in höchst unruhigen Zeiten: Als der Deutsche Derivate Verband DDV am 14. Februar 2008 als Interessenvertretung der Herausgeber von strukturierten Wertpapieren in Deutschland offiziell seine Arbeit aufnahm, waren am deutschen Aktienmarkt bereits die Vorboten für eine der schwersten Finanzkrisen der Neuzeit zu spüren. Im Januar 2008 hatte der DAX mehr als 500 Punkte eingebüßt – ein ziemlicher Einschnitt für erfolgsverwöhnte Anleger, schließlich hatte der Leitindex in den fünf Jahren zuvor fast nur eine Richtung gekannt: nach oben. Dass es im Spätsommer noch viel schlimmer kommen sollte, dürfte im Februar 2008 allerdings noch kaum jemand geahnt haben.

Die Gründung des DDV war seinerzeit ein logischer Schritt. Kaum eine andere Anlageform  hatte ein solchen Zuwachs verbucht wie Zertifikate: Seit die Dresdner Bank in den neunziger Jahren mit einem Partizipationsschein auf den Deutschen Aktienindex das erste Indexzertifikat in Deutschland angeboten hatte, war die Zahl der an deutschen Börsen gelisteten Derivate rasant gestiegen. Anfang 2008 waren mehr als 280.000 Papiere an deutschen Börsen gelistet. Immer mehr Anbieter hatten einen offenbar lukrativen Markt für sich entdeckt.

Auch private Anleger profitierten von der neuen Anlageklasse. Sie konnten mit nur einem Zertifikat an der Entwicklung eines gesamten Marktes teilhaben, in Basiswerte investieren, die ihnen sonst nur schwer zugänglich waren, und – je nach Struktur – unter bestimmten Marktbedingungen besser abschneiden als mit dem Direktinvestment. So lag der Börsenumsatz mit Derivaten im Januar 2008 bereits bei mehr als 18 Milliarden Euro.

Hervorgegangen ist der DDV aus dem Zusammenschluss von zwei zuvor parallel existierenden Branchenvertretungen, dem Deutsches Derivate Institut und dem Derivate Forum. Mit einer gemeinsamen Stimme – das haben die seinerzeit 16 Gründungsmitglieder erkannt – kann die Branche viel besser Gehör finden, zum Beispiel bei politischen Entscheidungsträgern. Die Europäische Kommission beschäftigte sich zu dieser Zeit bereits intensiv mit der Frage, ob bei unterschiedlichen Finanzprodukten unterschiedliche Informationspflichten für die Anbieter bestehen und Anleger dadurch nicht bei allen Produkten gleichermaßen geschützt werden.Erster Service: Checkliste für den Zertifikatekauf

Einer von außen verordneten Marktsteuerung wollten die Emittenten durch Selbstregulierung zuvorkommen. „Wesentliche Aufgabe des Verbandes ist es, Marktstandards zu setzen und Projekte wie den Derivate Kodex, das Zertifikate Rating und die Beraterschulung voranzutreiben, die den Schutz der Anleger gewährleisten und die die Transparenz und Verständlichkeit der Zertifikate verbessern“, sagte der bis heute amtierende geschäftfsührende Vorstand Dr. Hartmut Knüppel bei Gründung des DDV.

Zu den ersten und wichtigsten Service-Angeboten des Verbandes gehörte eine mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ausgearbeitete Checkliste, anhand derer private Anleger vor dem Kauf eines Zertifikats wichtige Fragen klären und überprüfen können, ob sie das Produkt verstanden haben. Nicht zuletzt durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers wurde deutlich, wie blauäugig manche Sparer ihr Geld in Derivate investiert hatten, deren Bedingungen ihnen gar nicht bewusst gewesen sind. Auch Lehman hatte Zertifikate, oft mit komplizierten Zinsversprechen, in Deutschland über verschiedene Banken verkauft.Einheitliche Produktklassifizierung durchgesetzt

Dass der Gesetzgeber Banken und Berater in der Folge stärker in die Pflicht genommen hat, war eine Konsequenz der Geschehnisse. Strukturierte Papiere sind dennoch kein Teufelszeug. Sie können je nach Produkt in bestimmten Marktphasen vorteilhaft sein und in einem gemischten Depot ein sinnvolles Investment darstellen. Die Risiken der Produkte müssen dem Investor allerdings bekannt sein. Der Deutsche Derivate Verband hat durch seine Arbeit für mehr Klarheit gesorgt und die Einführung von einfacheren vor allem einheitlichen Produktklassen durchgesetzt – nach „intensiven Diskussionen mit den Mitgliedsbanken“, wie es seinerzeit hieß. Auch ARIVA.DE nutzt diese Produktklassifizierung auf seinem Portal als sinnvolle Ordnung für einen aufgrund der Vielzahl an Produkten komplexen Markt.

Bei den Anlageprodukten sind sieben Produktklassen ohne Kapitalschutz verblieben (Discount-, Bonus-, Tracker-, Outperformance-, Express- und Sprintzertifikate sowie Aktenanleihen). Bei zwei Produktklassen (Kapitalschutz-Zertifikaten und Strukturierten Anlagen) garantieren die Emittenten hingegen bei Fälligkeit die Rückzahlung des Nennwertes. Einheitliche Standards erhöhen die Transparenz, wenngleich ein Preisvergleich aufgrund zahlreicher Ausgestaltungsmöglichkeiten bei Zertifikaten nach wie vor komplizierter ist als bei anderen Finanzprodukten.

Und noch eine Lektion hat die Branche gelernt: Weil Anleger bei Derivaten neben dem Marktrisiko auch das Risiko tragen, dass der Emittent die Schuldverschreibung nicht zurückzahlen kann, veröffentlicht der DDV auf seiner Internetseite so genannte Credit Default Swaps (CDS) für zahlreiche Banken. Die CDS sind ein Maß dafür, wie der Markt die Bonität der Emittenten einschätzt. Vor der Lehman-Pleite wurde der Ausfall eines Emittenten von vielen noch allzu oft als rein theoretische Möglichkeit betrachtet.

Fast vier Milliarden Euro wurden im Januar 2018 an deutschen Börsen mit Anlagezertifikaten und Hebelprodukten umgesetzt – deutlich weniger als vor zehn Jahren. Dass dies in einem weitaus transparenteren Umfeld geschieht als 2008, daran haben der DDV und seine Mitglieder ihren maßgeblichen Anteil. Zum 10-Jährigen Jubiläum darf in den Büros des DDV in Berlin und Frankfurt trotz der turbulenten Geschichte also gefeiert werden.

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