Währungsanleihen: Tour der Leiden am Bosporus

Donnerstag, 12.07.2018 12:48 von Klaus Stopp

In einem sehr schwierigen und unsicheren Marktumfeld, insbesondere wegen der von den USA und China gegenseitig verhängten Schutzzöllen und Gegen-Schutzzöllen, zeigt sich das Devisenpaar EUR/USD bislang wenig beeindruckt.

Die europäische Gemeinschaftswährung startete bei 1,1591 USD etwas verhalten in die zweite Jahreshälfte. Im weiteren Handelsverlauf schaffte es der Euro sogar sich zeitweise bis auf Wechselkurse von 1,1791 USD vorzutasten. Auch nach den neuerlichen Ankündigungen und schier nicht enden wollenden Drohungen vom US-Präsidenten Trump bezüglich der Zollpolitik präsentiert sich die Einheitswährung weiterhin relativ entspannt. So handelt die gemeinsame europäische Währung zur Stunde bei ca. 1,1680 USD und damit auf dem Niveau der vergangenen Handelstage.

Zurzeit findet nicht nur die Fußball-WM statt, sondern auch die Tour de France. Diese wird auch gerne die Tour der Leiden genannt. So könnte man aktuell auch die Entwicklung der türkischen Lira bezeichnen. Denn die Leiden der Währung vom Bosporus werden immer größer. Die Ankündigungen, Erdogan werde künftig den Präsidenten und Vizepräsidenten der Zentralbank alleine bestimmen, der Ernennung dessen Schwiegersohns zum Finanzminister und dessen jüngsten Aussagen zur Zins- sowie Wechselkursentwicklung sorgten bei der Lira für einen historischen Wertverfall. So stieg der Euro auf ein neues Allzeithoch bei 5,8208 TRY. Der US-Dollar handelte zeitweilig bei 4,9743 TRY, nachdem er zu Wochenbeginn noch um die Marke von 4,50 TRY notiert hatte. Neben der Währung verlor auch der Aktienmarkt in Istanbul deutlich und die Rendite der zehnjährigen in TRY begebenen Staatstitel stieg erstmals in die Nähe von 18%. All diese Entwicklungen zeigen eindrucksvoll, dass die Märkte mit den Entscheidungen des Präsidenten ganz und gar nicht einverstanden sind.

Diese Handelswoche ist geprägt von hoher Unsicherheit und deshalb halten sich die meisten Anleger mit ihren Engagements zurück. Nichtsdestotrotz waren bei verschiedenen Währungsanleihen Umsatztätigkeiten zu beobachten. Hierzu zählten insbesondere Bonds auf US-Dollar, russische Rubel, mexikanische Peso, südafrikanische Rand sowie auch türkische Lira.

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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