VW trotzt Dieselaffäre und besorgt sich frisches Geld am Kapitalmarkt

Freitag, 12.10.2018 10:33 von Klaus Stopp

In dieser Berichtswoche ging es am Primärmarkt für Unternehmensanleihen verhältnismäßig ruhig zu. Lediglich 2 namenhafte Unternehmen wagten sich an den Markt und besorgten sich somit frisches Geld. Dabei emittierte VW gleich 3 neue Anleihen und trotzt damit der aktuell immer noch anhaltenden Dieselaffäre. Darüber hinaus refinanzierte sich Nederlandse Gasunie, ein niederländischer Versorger, langfristig über 10 Jahre.

Europas größter Automobilhersteller VW taucht aktuell immer wieder in den Nachrichten auf und dabei begann die Dieselaffäre bereits vor gut 3 Jahren. Erst letzte Woche ging es in Berlin bei der Debatte wieder um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge und wie man mit Nachbesserungen oder aber auch Prämien für „Alt-Fahrzeuge“ die Kunden vor Fahrverboten schützen kann. Ob die Einigung, die letztendlich getroffen wurde, für alle zufriedenstellend ist, darf allerdings weiterhin in Frage gestellt werden. Nichts desto trotz refinanzierte sich Volkswagen mittels 3 neuer Bonds am Kapitalmarkt. Die erste Tranche (A2LQ6A) ist bereits am 16.10.2020 fällig und zahlt den Investoren bis zur Endfälligkeit jährlich 0,25% Zinsen. Das 1 Mrd. € schwere Papier wurde zu 99,881% begeben, was einen Emissionsspread von +40 BP über Mid Swap bedeutete. Mit der zweiten Anleihe (A2LQ6B) konnte der Konzern aus Wolfsburg erfolgreich 850 Mio. € einsammeln und entlohnt die Gläubiger bis zur Fälligkeit am 16.10.2023 mit einem jährlichen Zins von 1,375%. Ausgegeben wurde der Bond zu 99,914% (+95 BP über Mid Swap). Auch die letzte Tranche (A2LQ6C) mit einem Emissionsvolumen von 750 Mio. € konnte der Autobauer erfolgreich platzieren. So erhalten die Anleger für ihr Investment einen Kupon in Höhe von 2,25% p.a. bis zur Endfälligkeit am 16.10.2026. Der Spread von +140 BP über Mid Swap entsprach dabei einem Reoffer von 99,993%. Alle 3 Bonds sind mit der für Privatanleger besonders interessanten Mindeststückelung von 1.000 € ausgestattet.

Der niederländische Versorger, Nederlandse Gasunie, war ebenfalls am Primärmarkt für Corporate Bonds aktiv und sammelte so erfolgreich 300 Mio. € ein. Das Unternehmen mit Sitz in Groningen, welches sich im Staatsbesitz befindet, betreibt ein Fernleitungsnetz für Erdgas von ca. 15.000 km Länge und refinanzierte sich bis zum 16.10.2028 bei einem Zins von 1,375% p.a. Der Bond (A2RSXY) wurde zu 99,214% begeben. Dies bedeutete einen Emissionsspread von +40 BP über Mid Swap. Nederlandse Gasunie ließ sich eine Make Whole Option sowie die Möglichkeit einer jederzeitigen Kündigung zu pari ab dem 16.07.2028 in die Anleihebedingungen aufnehmen. Der Bond ist aufgrund seiner Mindeststückelung von 100.000 € insbesondere für institutionelle Investoren interessant. 

 

 

 

 

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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