Notenbanken und ihre unterschiedlichen Probleme

Samstag, 14.07.2018 10:30 von Klaus Stopp

Bereits am vergangenen Donnerstag wurde das Sitzungsprotokoll des FOMC-Meetings der US-amerikanischen Notenbank (Fed) vom 12. und 13. Juni veröffentlicht. Hieraus ist zu entnehmen, dass auch darüber gesprochen wurde, wie u.a. mit Zinserhöhungen auf ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum zu reagieren wäre. Am sinnvollsten erschien den Sitzungsteilnehmer in diesem Zusammenhang das Beibehalten gradueller Zinserhöhungen, also die Geldpolitik der ruhigen Hand. In diesem Sitzungsprotokoll wurde allerdings auch die Sorge der Notenbanker darüber dokumentiert, dass die Handelspolitik von Präsident Donald Trump Investitionen der Unternehmen behindern und das Wirtschaftswachstum schwächen könnte. Des Weiteren kann der US-Präsident an dieser Stelle auch noch den Hinweis finden, dass die Unsicherheit diesbezüglich zugenommen habe und dies durchaus die Wirtschaftsstimmung und die Investitionsneigung dämpfen könne. „Leider“ umfasst dieses Protokoll aber mehr als 280 Unicodezeichen und wird somit dem US-Präsidenten nicht auf seiner Lieblingsplattform Twitter zur Verfügung gestellt. Denn dann würde er feststellen, dass nicht alle Elemente seiner „America-Only-Politik“ als gut empfunden werden.

Diese Infragestellung der bisherigen Umgangsformen zwischen Verbündeten und Handelspartnern bleibt allerdings auch nicht ohne Auswirkung auf die Gedankenwelt der europäischen Notenbanker. So besteht nach Meinung des Gouverneurs der Österreichischen Nationalbank (OeNB) Ewald Nowotny auch die Gefahr, dass der Handelskrieg in einen Währungskrieg münden könnte. Noch sieht er keine extremen Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft, aber das kann sich noch ändern. Denn selbst Mario Draghi macht sich Sorgen über die zunehmenden protektionistischen Tendenzen. Deshalb sprach er bei seiner Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments davon, die Wachstumsrisiken genau zu beobachten.

Doch das war nicht die einzige Botschaft, die an den Finanzmärkten beachtet wurde. Mit dem Satz „Länder mit hoher Verschuldung müssen nachhaltige Finanzpolitik betreiben“ hat er der neuen italienischen Regierung - ohne sie direkt zu erwähnen - den Hinweis gegeben, dass es jetzt an der Zeit ist, finanzielle Spielräume für die Zeiten zu schaffen, wenn Wachstumsraten sinken. Denn Draghi führte weiter aus, dass Länder mit einer guten finanziellen Position in der Krise ihre Banken heraushauen können. Andere Länder, bei denen sich Probleme bei den Banken abzeichneten, könnten das nicht, da die Märkte nicht glauben, dass sie das finanzieren können. In diese Kerbe schlug anschließend auch noch der Notenbank-Chef Italiens Ignazio Visco, der sein Land für krisenanfälliger als noch vor zehn Jahren hält. Denn der Reformwille sei abgeebbt und so warnte er davor, mit Haushaltssteigerungen die Staatsverschuldung in die Höhe zu treiben. Zum Jahresende 2017 hatte Italien bereits einen Schuldenberg angehäuft, der 131,8% des Bruttoinlandprodukts entsprach. Einem Wert der weit weg von den in den Verträgen von Maastricht vereinbarten 60% ist. Bei dieser Gelegenheit sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es in Deutschland endlich mal wieder gelingen wird, diese Forderung zu erfüllen, was nicht überall in der Eurozone für Freudensprünge sorgen wird. Erhöht dies doch die Gefahr, erneut vom Lehrmeister belehrt zu werden.

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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