Mittwoch, 20.10.2021 03:08 von Frankfurter Börsenexperten, Deutsche Börse | Aufrufe: 254

Marktstimmung: "Reizvolle Einladung"

Ausbleibende Aktienkäufe, Gewinnmitnahmen der Bären und passive Privatanleger deuten auf große Skepsis hin, trotz steigender Stimmung.

13. Oktober 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Marktteilnehmer orientieren sich, wenn es um Begriffe wie „hoch“ oder „tief“ geht, sehr gerne an Extrempunkten aus der Vergangenheit, weil sie dort (vermeintlich) günstig kaufen oder verkaufen möchten. Dies mag auch zuletzt beim DAX der Fall gewesen sein, der bereits kurz nach unserer vergangenen Stimmungserhebung bei rund 14.819 Zählern seinen tiefsten Kurs während des Berichtszeitraums markierte. Ob Zufall oder nicht, das niedrigste DAX-Niveau des zweiten Quartals dieses Jahres wurde mit rund 14.817 Punkten markiert, so dass die Börsianer mit diesem Referenzpunkt quasi eine Einladung zum Kauf in die Schwäche erhielten, wie sie verführerischer nicht sein konnte.

Zugegebenermaßen geschah dies in einem recht ungünstigen Nachrichtenumfeld, das von Tapering-Erwartungen der US-Notenbank, befürchteten weltweiten Energieengpässen, Unwägbarkeiten in China und zunehmenden Inflationsängsten gekennzeichnet war. Mit anderen Worten: Wer den Kauf in die Schwäche wagte, musste mental einigen Mut aufbringen. Und wurde – im Nachhinein – mit einem DAX-Gewinn von bislang zeitweise 3 Prozent belohnt.

Nicht wirklich angebissen

Nun scheint zumindest ein Teil der von uns befragten institutionellen Investoren vorgenannter „Einladung“ zum Kauf in die Schwäche gefolgt zu sein. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche um 14 Punkte auf einen neuen Stand von +2 gestiegen. Auf den ersten Blick ein stattlicher Zuwachs, aber vielen Akteuren hat – trotz der vermutlich veritablen Gewinne aus bearishen Engagements – offenbar der Mut gefehlt, sich deutlich auf der bullishen Seite zu engagieren. Zumindest begnügten sich fast drei Viertel aller ehemaligen Pessimisten lediglich mit Gewinnmitnahmen und sorgten dafür, dass sich die Gruppe der neutral gestimmten Akteure wieder spürbar auffüllte.

Wenig Veränderung gab es indes (verständlicherweise) bei den Privatanlegern, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index gegenüber der Vorwoche mit +12 unverändert notiert – lediglich die Polarisierung zwischen Bullen und Bären hat sich etwas reduziert. Tatsächlich sieht es so aus, als ob die Privatanleger ihre bullishen Engagements der vergangenen 14 Tage nicht wirklich reduziert haben. Nicht etwa, weil man in diesem Gruppe die ökonomischen Rahmenbedingungen anders einschätzt als bei den institutionellen Pendants. Vielmehr vermuten wir, dass die Einstandspreise dieser Engagements auf höherem Niveau liegen und bislang nicht erreicht wurden. Immerhin scheinen die mancherorts unter Wasser befindlichen Positionen nicht aufgestockt worden zu sein.

Die einen konnten nicht, die anderen wollten nicht richtig kaufen

Mit der heutigen Befragung hat sich die Stimmungsdifferenz zwischen privaten und institutionellen Investoren wieder verringert. Während Erstere vermutlich mehrheitlich in ihren bullishen Positionen gefangen blieben, konnte doch zumindest ein Teil der institutionellen Anleger ordentliche Gewinne einstreichen – möglicherweise sogar in der Nähe des Mai-Tiefs. Allerdings haben die meisten Akteure der oben genannten „Einladung“ insofern widerstanden, als ehemals bearishe Engagements zu großen Teilen nicht sogleich um 180 Grad in bullishe Positionen gedreht wurden. Dies ist angesichts der ökonomischen Rahmenbedingungen verständlich.

Zwar zeichnet sich in der relativen Betrachtung auf drei und sechs Monate ein leichter Optimismus bei den Investoren ab, der für den DAX jedoch nicht bedrohlich zu sein scheint. Allerdings bleibt auch fraglich, ob die Bäume auf der anderen Seite in den Himmel wachsen werden. Denn aus einer grundsätzlich negativen Grundstimmung heraus dürften die erfolgreichen Bären aus der vergangenen Woche möglicherweise auf höheren Niveaus (15.400/15.450) erneut als Verkäufer aktiv werden. Andererseits gilt der eingangs genannte weithin erkennbare Referenzpunkt von 14.817 Zählern nach wie vor als wichtiges Niveau, das höchstwahrscheinlich einen zweiten Angriff nicht überleben würde.

13. Oktober 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


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