IVU: Noch ist der Knoten nicht geplatzt

Donnerstag, 21.06.2012 12:08 von Christoph Martin

Als grundsolide muss man die IVU Traffic Technologies AG, den Berliner Hersteller von IT-Systemen für Verkehrsbetriebe, einschätzen. Zwar ist der Umsatz von 2008 „nur“ von 33,8 Millionen Euro auf 39,9 Millionen Euro gestiegen, das Ergebnis des Jahresüberschusses hat sich jedoch im selben Zeitraum verdoppelt. Der Materialaufwand ist von 33,8 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 25,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr zurückgegangen, der Personalaufwand hat sich in diesem Zeitraum um 2,3 Millionen Euro erhöht, und die betrieblichen Aufwendungen haben ebenfalls um 1,8 Millionen Euro zugelegt. Die Zinsaufwendungen sind um 120.000 Euro zurückgegangen, dagegen hat sich das Ergebnis vor Steuern von 965.000 Euro in 2008 auf 2,77 Millionen Euro in 2011 erhöht. Das Ergebnis je Aktie ist im Gleichklang mit dem Vorsteuerergebnis von 7 auf 14 Cent gewachsen. Und was macht die Börse aus der schönen Entwicklung?

Anfang des Jahres 2008 lag der Kurs knapp über einem Euro und ist dann im Zuge der Lehman-Krise auf 60 Cent zurückgegangen und hat sich im Jahr 2010 auf 1,80 Euro fast verdreifacht. Jetzt liegt das Papier wieder in einem Trendkanal von 1,1 bis 1,3 Euro und kann sich trotz den wiederholten Empfehlungen eines renommierten Börsenmagazins nicht zu den alten Höhen emporschwingen. Das heißt, der Kurs hat sich von den fundamentalen Fakten deutlich abgekoppelt. Woran mag das liegen?

An den Geschäftschancen sicherlich nicht, denn 60 Prozent der Weltbevölkerung leben in Städten, und dies wird dazu führen, dass das innerstädtische Verkehrsvolumen sicher weiter überdurchschnittlich anwachsen wird. Gerade bei den Fahrgast-Informations-Systemen haben die Berliner, im Vergleich zu den Mitanbietern, deutlich die Nase vorne. Gerade die Systeme, die von IVU zur Olympia in London eingeführt worden sind, haben IVU nochmals spürbar von der Konkurrenz abgehoben. Aber auch das hat dem Börsenkurs nicht viel genützt.

Wenn im laufenden Jahr ein Umsatz von 40 Millionen Euro durch die Bücher geht (Auftragsbestand per 30. April 37 Millionen Euro), dann sollte zumindest wieder ein Ergebnis in der Größe des Vorjahres herauskommen, aber der eigentlichen Swing, respektive der Durchbruch, der den Kurs der Aktie auf alte Höhen heben könnte,  wird dies vermutlich auch nicht sein. Da müsste wieder einmal ein Großauftrag her, so wie der, den die IVU in Kolumbien, mit 17 Millionen Euro in 2009/10 durchziehen konnte.

Leider hat es ja mit der Realisierung einer Riesenorder aus Chile nicht geklappt, aber wichtig ist ja zu sehen, dass IVU, trotz dieses Umsatzausfalls den moderaten Wachstumskurs weiter fortsetzen konnte. Normalerweise bringt der Ausfall von solchen Großaufträgen in einem 345 Mitarbeiter starken Unternehmen immer erhebliche Turbulenzen mit sich. IVU hat sich jedoch ganz hervorragend geschlagen, und wartet jetzt auf den großen Durchbruch. CFO Frank Kochanski spricht in einem kürzlich veröffentlichten Interview, dass das Projektgeschäft immer einen gewissen „Überraschungsmoment“ in sich haben würde. Wollen wir hoffen, dass die Zündung bald kommt, denn auch im Vergleich zum Wettbewerb ist IVU deutlich unterbewertet.

 

Ihr Christoph Martin

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