Hält die DAX-Euphorie nach Ostern an?

Sonntag, 12.04.2020 13:37 von Andreas Mueller

Mehr als 700 Punkte Zugewinn erreichte unser prominentester Aktienindex DAX (ISIN DE0008469008 | WKN 846900) in dieser kurzen Handelswoche und hat sich damit eindrucksvoll über 10.000 Punkte zurückgemeldet. Welche Impulse waren hierfür verantwortlich und wie fügt sich diese Entwicklung im Chartbild ein?

Die Handelswoche vor Ostern war von dynamischen Aufwärtsbewegungen gekennzeichnet. Dabei wurden sogar 3 GAPs im Chartbild abgebildet, von dem nur das GAP am Freitag wieder geschlossen werden konnte. Dies hatten wir gemeinsam im JFD-Webinar am Donnerstag gehandelt - anbei ein Screen dazu auf Facebook:

Die Bewegung der Woche vollzog sich damit konträr zur Vorwoche (siehe Vorwochenanalyse auf ariva), in der es vor allem ab Mittwoch kaum Volatilität zu verzeichnen gab:

Starke Wochenbewegung im DAX Starke Wochenbewegung im DAX

Die beiden nun noch offenen GAPs sind in diesem Chartbild dargestellt:

GAPs der Woche im DAX GAPs der Woche im DAX

Somit konnte der DAX insgesamt Gewinntage verzeichnen und bei einer recht normalen Volatilität an jedem Tag über der 10.000er-Marke schließen:

DAX-Handelstage im Überblick DAX-Handelstage im Überblick

Was waren die Hintergründe für diese starke vor-osterliche Handelswoche?

Nach dem Ausbruch zum Wochenstart gab es weitere Entspannung am Ölmarkt mit Spekulationen auf eine Abstimmung zur Beschränkung der Förderquoten seitens der OPEC-Mitglieder.

Im weiteren Verlauf gab es zudem einen politischen Impuls. Der linksorientierte US-Senator Bernie Sanders schied aus dem Präsidentschaftsrennen aus und ebnete damit den Weg für eine potenzielle Kandidatur seines Parteikollegen, dem Ex-US-Vizepräsidenten Joe Biden. Da Joe Biden viel wirtschaftsfreundlicher als Bernie Sanders argumentiert, wurde dies an der Wall Street entsprechend positiv interpretiert und auch vom DAX gespiegelt.

Im weiteren Wochenverlauf lag der Fokus erneut auf den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. Nach dem Negativrekord aus der Vorwoche wurden 6,6 Millionen neue Arbeitslose gemeldet. Innerhalb von drei Wochen haben sich somit knapp 17 Millionen Amerikaner erstmals arbeitslos gemeldet und belasten damit die Wirtschaft. Umgehend sprang erneut die US-Notenbank FED ein und kündigte ein 2,3 Billionen Dollar schweres Programm für Firmen, Bundesstaaten und Bezirke an. Dies beflügelte nicht nur den Aktienmarkt, sondern auch andere Assetklassen wie den Goldpreis am Donnerstag.

Erfahren Sie hier mehr über Assetklassen für Trader.

Der DAX profitierte ebenfalls von dieser Liquidität, markierte ein neues Mehr-Wochen-Hoch und präsentiert damit einen stabilen Aufwärtstrend bis zum Osterfest:

Aufwärtstrend im DAX sichtbar Aufwärtstrend im DAX sichtbar

Welche Handelsideen kann man daraus für die neue Handelswoche ableiten?

Die ersten Wochenhochs konnten wenig später erneut erreicht werden. Es bildete sich ein kleines Doppel-Top bei 10.590 Punkten heraus, das am Freitag kurz überboten wurde. Als Kombination dieser Marken hat sich somit ein Widerstandsbereich manifestiert:

Widerstand im DAX Widerstand im DAX

Sollte der Markt diesen Bereich überwinden, setzt er weiteres Potenzial auf der Oberseite frei, welches im großen Chartbild die Korrektur noch einmal weiter ausbaut. Hierzu lege ich den Stundenchart der letzten Wochen zugrunde und sehe das Potenzial bis zum nächsten GAP-Bereich bei rund 11.100 Punkten:

Korrekturzone im DAX-Stundenchart Korrekturzone im DAX-Stundenchart

Wahrscheinlicher halte ich noch einmal das Eintauchen in die grüne Korrekturzone. Darunter wäre die Marke von 10.500 Punkten eine erste Unterstützung und erst bei Bruch dieser Marke ergibt sich das erste ernstzunehmende Shortsignal.

Potenzial ist nach diesem Signal auf der Unterseite bis zur 10.340 vorhanden. Dort verläuft der aktuelle XETRA-Aufwärtstrend und eine Konsolidierungszone vom Mittwoch. Dies könnte in einer Schwächephase das zweite mögliche Signal für die neue Woche darstellen:

Szenario auf der Unterseite im DAX Szenario auf der Unterseite im DAX

In einer weiteren Ausdehnung ist zudem die 10.200 wieder wichtig - dazu kommen wir gerne im jeweiligen DAX-Ausblick, den ich täglich vorbörslich verfasse.


Melden Sie sich gerne für den DAX-Ausblick kostenfrei an.


Es dürfte zudem maßgeblich sein, wie sich die Entscheidung der OPEC+ auf den Ölpreis zum Wochenstart auswirkt und die Zahlen der Infizierten in den USA entwickeln. Denn jede Entspannung der Situation ist für die Wirtschaft ein Segen und kann an der Börse positiv honoriert werden. Je länger sich die Krise jedoch hinzieht oder gar ausweitet, desto stärker sind die Spuren im Wirtschaftskreislauf zu spüren - unabhängig von den Liquiditätsspritzen der Notenbanken und Staaten.

Folgende Wirtschaftstermine stehen nun auf der Agenda:

Der Montag ist an der Deutschen Börse ebenfalls ein Feiertag. Handel findet daher nur in geringem Umfang international statt und ökonomische Termine gibt es erst wieder ab dem Mittwoch.

Dabei ist 14.30 Uhr auf die Einzelhandelsdaten aus den USA und 15.15 Uhr auf die US-Industrieproduktion des vergangenen Monats zu achten. Entsprechende negative Veränderungen werden bereits prognostiziert und sicherlich auch im Beige Book der US-Notenbank am Abend skizziert.

Donnerstag stehen 8.00 Uhr die Deutschen Verbraucherpreise für das Gesamtjahr und 11.00 Uhr die Industrieproduktion aus der Eurozone an. 14.30 Uhr ist die wichtigste Zahl der Woche mit den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe aus den USA und parallel dazu der Phily-Fed-Herstellungsindex.

Am Freitag findet ein IWF-Treffen statt und bereits 8.00 Uhr werden die Erzeugerpreise aus Deutschland bekannt gegeben. Um 11.00 Uhr reihen sich dann die Verbraucherpreise der EU in den Zahlenreigen ein und beenden die Woche aus Sicht der ökonomischen Daten.

Alle Prognosen finden Sie in folgender Tabelle als Übersicht vor:

Wirtschaftstermine der KW16/2020 Wirtschaftstermine der KW16/2020

Kommen Sie gesund durch die Osterzeit und mit frischen Ideen zurück an den Markt.

Viel Erfolg wünscht Ihr Andreas Bernstein (Bernecker1977)  


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Über den Autor

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Andreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen in unterschiedlichen Community's und auf Präsenzveranstaltungen ein und ist somit Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf ariva.de analysiert er vorrangig den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

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