Grüner Fisher Kolumne: Die große Flucht

Dienstag, 02.12.2008 18:21 von Thomas Grüner

Ein unbemerkter Crash.

Während die Aktienmärkte die Schlagzeilen in den Medien beherrschen, findet die wirklich relevante Bewegung derzeit am Rentenmarkt statt. Die Flucht in Staatsanleihen verschärft sich nahezu täglich. Wie geht das weiter?


Umlaufrendite im freien Fall

Die deutsche Umlaufrendite hat heute mit glatt 3% fast ihr Rekordtief wieder eingestellt. 10-jährige US-Staatsanleihen rentieren bereits mit rekordtiefen 2,70%. Selbst 30-jährige US-Papiere rentieren nur mit 3,25%.

Noch im Sommer gingen fast alle Kommentare und Studien von einem weiteren Anziehen der Inflation aus. Die - im Rahmen der staatlichen Rettungspakete für den Bankensektor - ausufernden Staatsdefizite und Neuverschuldungen sollten die langfristigen Zinssätze unter Druck bringen - sprich deutlich steigen lassen. Das Gegenteil ist passiert.

Vordergründig ist diese Situation paradox. Staaten können sich zu immer günstigeren Zinsen Kredite besorgen, obwohl deren Verschuldung rasant ansteigt. Wie passt das zusammen? Die "Hartwährungsländer" USA und Kerneuropa profitieren von einer gewaltigen Flucht in eine vermeintliche Sicherheit. Bedenken Sie: Der Käufer einer US-Staatsanleihe leiht heute den USA - in Zeiten einer rekordhohen Verschuldung - zu rekordtiefen Zinsen sein Geld. Ist das vernünftig und langfristig eine gute Alternative? Wohl eher nein. Warren Buffett hat bereits am 17. Oktober 2008 in einem Beitrag für die "The New York Times" angekündigt, seine kompletten Bestände an Anleihen zu verkaufen und sein Privatvermögen vollständig in Aktien umzuschichten. Mit dieser Aktion war er sicher ein paar Wochen zu früh dran, mittel- und langfristig sollte sich dieser Schachzug jedoch mehr als auszahlen.




Fazit

Die Flucht in Anleihen sehen wir als die letzte Blase in dieser Finanzkrise an, die noch platzen wird. Wenn Sie heute eine 10-jährige Staatsanleihe in den USA zu einer Rendite von 2,7% erwerben, müsste der S&P 500 zum Beispiel in den nächsten 10 Jahren (vor Steuern) nur irgendwann einmal bei mehr als 1.050 Punkten - dies entspräche lediglich dem Stand von vor wenigen Wochen - stehen, um die Anlage in Anleihen zu schlagen. Eine aus unserer Sicht sehr gewagte Wette!

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Über den Autor

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Thomas Grüner ist Firmengründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Seine oft dem allgemeinen Marktkonsens entgegen stehenden Prognosen sorgten schon mehrfach für großes Aufsehen. In den letzten Jahren hat er - teils gemeinsam mit Kenneth L. Fisher, dem Gründer von Fisher Investments - zahlreiche Beiträge und Kolumnen in diversen Finanzmagazinen, Zeitungen und Finanz-Websites veröffentlicht. Die zusammen mit Ken Fisher weiterentwickelten Research- und Prognosetechniken sind Basis des innovativen Investmentansatzes von Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter http://www.gruener-fisher.de.