Eine große Bodenformation im DAX

Mittwoch, 19.10.2011 17:01 von Jochen Steffens

Sie müssen in den kommenden Tagen Ihr Augenmerk auf den DAX richten. Denn hier bildet sich eine große und wichtige Umkehrformation aus. Dazu zunächst einmal der bekannte Target-Trend-Chart des DAX:

Der DAX ist erwartungsgemäß an der Mittellinie (blau gestrichelte Linie) bei 6.000 Punkten abgeprallt und verhält sich damit sehr symmetrisch. Aus dieser Symmetrie ergibt sich nun eine besondere Bodenformation.

Es könnte sich eine regelgerechte, inverse und multiple Schulter-Kopf-Schulter-Formation herausbilden. "Multiple Formation" deswegen, weil sie eine Besonderheit aufweist: Sowohl jeweils zwei, also insgesamt vier Schultern (S) und einen doppelten Kopf (K). Es wäre somit eine Schulter-Schulter-Kopf-Kopf-Schulter-Schulter-Formation, eine SSKKSS. Diese gilt durchaus als wichtige Bodenformation.7.000er Marke im Visier!

Doch noch ist sie nicht vollendet. Dazu muss nach dem Test der 5.509er Marke die blaue Mittellinie bei 6.000 Punkten nachhaltig nach oben gebrochen werden und das unter hohen Umsätzen (siehe rote Prognoselinie, die den idealtypischen Verlauf beschreibt). Geschieht das, besteht eine 80 – 90 prozentige Wahrscheinlichkeit, dass wir bis zum Jahresende oder um das Jahresende herum die 7.000er Marke wiedersehen! Entwickelt sich der Kurs anders, sinkt diese Wahrscheinlichkeit oder die SSKKSS wird sogar hinfällig.Im Sog des EU-Gipfels

Ein wichtiger, aber nicht unbedingt entscheidender, Punkt in diesem Szenario ist dabei der kommende EU-Gipfel. Die Politiker versuchen allerdings bereits die viel zu hohen Erwartungen zu dämpfen. So sagte Bundeskanzlerin Merkel heute zum Beispiel: Sie sehe den EU-Gipfel nicht als letzten, aber wichtigen Schritt.

Meines Erachtens spielt die Politik zurzeit auf Zeit. Sie will den Banken die Gelegenheit geben, sich auf größere Probleme einzustellen. Je länger die Banken sich auf z.B. einen Schuldenschnitt in Griechenland einstellen können, desto höher ist die Chance, dass ein solches Szenario eben nicht zu weltweiten Verwerfungen führt. Ob die Zeit ausreichen wird, ist allerdings schwer zu sagen. Es bleibt damit nach wie vor undurchsichtig.Erfolgreiches Trader-Treffen

Man bemerkt die Auswirkungen der aktuell schwierigen Situation an den Märkten sogar auch an unserem Trader-Treffen. Es war zwar gut besucht, doch im Vergleich zu den vergangene Vorträgen waren dieses Mal noch einige Plätze frei. Das Interesse an den Börsen lässt nach – keine Frage, der Crash und das aktuelle Hickhack hat viele verunsichert. Auch aus den Leser-Mails, die ich von Ihnen erhalte, ist zu entnehmen, dass sich viele Anleger von der Börse so lange zurückhalten wollen, bis die aktuellen Probleme in der EU gelöst sind. Und eigentlich ist sogar auch das auch ein bullisher Hinweis.Tendenz: Bullish

Auch Sven Weisenhaus, der gestern in einem einstündigen Vortrag auf dem Trader-Treffen, seine Analysen vorstellte, zeigte sich bullish. Er hat sowohl die fundamentalen als auch charttechnischen Aspekte in die Analyse mit einbezogen und dabei einige Kernthesen aufgestellt, deren vielleicht wichtigstes Fazit ich Ihnen nicht vorenthalten will:

Er wies darauf hin, dass der Anleihenmarkt mit einem KGV von ca. 55 im Vergleich zum DAX mit einem KGV von unter 10 (!) deutlich überbewertet ist. Daraus lässt sich seiner Meinung nach ableiten, dass es bald zu einer größeren Umschichtung von Anleihen in den Aktienmarkt kommen wird – das wiederum hätte eine größere Rally im DAX zur Folge.

Dies war als mittelfristige Prognose gedacht. Wenn Sie den Steffens Daily schon länger lesen, wissen Sie, dass der Bewertungsunterschied zwischen Anleihen und Aktien auch für uns immer wieder ein wichtiges Prognose-Kriterium gewesen ist. Aber auch andere Faktoren, wie die Entwicklung diverser Konjunkturindikatoren, der niedrige Wert der Stimmungsindikatoren und die charttechnische Situation wurden von Sven Weisenhaus als Gründe für eine mögliche Rally genannt.Es ist die Crux an der Sache

Aber hier verbirgt sich meines Erachtens die Crux an der Sache. Das Gesamtumfeld an den Märkten ist bullish, und wir werden eine Rally sehen, aber nur dann, wenn es nicht zur Kernschmelze im Bankensystem kommt. Die eigentlich entscheidende Frage ist damit weniger, ob die bekannten und vertrauten Prognosemittel wirklich zuverlässig sind sondern, wie groß die Gefahr eines Systemcrashs ist.

Und damit bleibt es für mich dabei: Das Marktumfeld ist bullish,  wenn es zu keinem systemischen Vorfall kommt.Die Reaktion der Leser

Interessanterweise wird genau diese Aussage kritisiert. So erhielt ich als Reaktion auf den Steffens Daily „Ein emotionales Hin und Her“ vom 14. Oktober 2011 eine Mail eines Lesers mit der Aufforderung: „Wann werden Sie sich endlich entscheiden, Herr Steffens?“

Die Antwort darauf ist so simpel wie einfach: Dann, wenn mir genügend Informationen und Tatsachen vorliegen, dass ich eine solche Entscheidung fällen kann – also eine Entscheidung, ob diese Krise bewältigt werden kann oder nicht. Und das ist zurzeit einfach NICHT der Fall. Würde ich mich also jetzt schon entscheiden, wäre es eine emotionale Entscheidung, die auf Glauben, Vermutungen, Gerüchten und gefährlichen Halbwissen beruht. Und das machen meines Erachtens zurzeit schon viel zu viele der schreibenden Zunft. Ich möchte mich hier hingegen weiterhin zurückhalten und erst dann eine klarere Prognose abgeben, wenn ich auch klarer sehe. So habe ich es schon immer gehalten, in Ihrem Steffens Daily.

Viele Grüße

Jochen Steffens

(Quelle: www.stockstreet.de

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Über den Autor

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Jochen Steffens ist als Chefredakteur diverser Fachpublikationen im Bereich Börse und als bekannter Kolumnist tätig. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet er als eigenverant-
wortlicher Daytrader mit dem Schwerpunkt Future-
handel. Als Geschäftsführer der Stockstreet GmbH ist er für die Börsenseite stockstreet.de verantwortlich.
Dort gibt er den täglich erscheinenden Börsen-
newsletter: „Steffens Daily“ heraus.

Für mehr Information: www.stockstreet.de

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