Droht deutschen Banken eine riesige Kapitallücke?

Sonntag, 26.01.2014 11:32 von Klaus Stopp

Seit Beginn der Finanzkrise sind immer alle Investoren davon ausgegangen, dass das Epizentrum in Südeuropa liegt. Daher wurde viele Jahre sehr kritisch beäugt, was in Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern passiert, aber die Solvenz der Retter nie angezweifelt. Bei Frankreich haben sich zwar in der Vergangenheit zwischenzeitlich Zweifler zu Wort gemeldet, aber seit der Verkündung der neuen wirtschaftspolitischen Maßnahmen durch Präsident François Hollande scheint sich wieder Zuversicht breit zu machen.
Es sind allerdings insbesondere die beiden Schutzmächte, die den Finanzmärkten schon bald Sorgen bereiten könnten. Denn nach Erhebung renommierter Wirtschaftsfachleute wie dem Professor an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin, Sascha Steffen, und seinem Kollegen aus New York, Viral Archarya, wird für die Banken in Deutschland und Frankreich ein Kapitalbedarf in Höhe von 485 Mrd. veranschlagt. Diese Summe entspricht fast dem insgesamt in Euroland zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln des ESM. Wenn man sich nun vorstellt, dass zuerst die Banken der kapitalschwachen Staaten gestützt werden und dann mit den anstehenden Stresstests das wahre Ausmaß der Unterkapitalisierung sichtbar wird, so wird einem Angst und Bang. Die Banken in den vermeintlichen Problemländern wurden schon intensiv unter die Lupe genommen, aber nur bedingt in Deutschland, Frankreich und Italien. Insbesondere in Deutschland stehen die Landesbanken, die unter anderem mit fehlgeschlagenen Schiffsfinanzierungen zu kämpfen haben, im Visier der Bankenaufseher.

Jetzt wird sich zeigen, wie ernst es unseren Politikern mit der Stabilität der Kapitalmärkte ist. Wurde in der Vergangenheit gerne der Mantel des Schweigens über die Schwachstellen des Systems ausgebreitet, so ist es jetzt endlich an der Zeit, die Schwachstellen schonungslos aufzudecken. Eine Einflussnahme Deutschlands und Frankreichs auf die Ausgestaltung der Stresstests hätte fatale Auswirkungen auf die Finanzmärkte und wäre grundsätzlich das falsche Zeichen. Eine solche Finanzkrise kann nur mit Vertrauen in das System bekämpft werden und nicht mit Zaubertricks und Augenwischerei. Hoffen wir im Interesse aller Beteiligten, dass zuverlässige Ergebnisse den Weg in die richtige Richtung zeigen.





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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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