Crash Prophet Shiller KGV?

Freitag, 18.01.2019 11:05 von Andreas Knobloch

Crash Prophet Shiller KGV?

 

Liebe Leser,

Bear Market Rallye – Kann der Aktienmarkt überhaupt steigen?

Im März 2017 warnte der Nobelpreisträger Robert Shiller vor einer Überbewertung der Aktienmärkte und zog Analogien zu den Jahren 2000 und 2007.

Das Shiller KGV oder ebenso bekannt als CAPE (Cycle-Adjusted Price Earnings Ratio), welches auf dem Konzept von Benjamin Graham beruht, wird auf der Grundlage der inflationsbereinigten Gewinne der letzten 10 Perioden berechnet. Hierdurch können Schwankungen des Kurs-Gewinn-Verhältnisses über einen Konjunkturzyklus besser eliminiert werden. In Zeiten der konjunkturellen Baisse verbuchen die Unternehmen meist niedrige Margen und in Zeiten des Booms höhere.

Das aktuelle Shiller KGV des S&P500 Index beträgt 28,8, der historische Durchschnitt lag bei 16,9. 

 

Quelle: Grafik Multpl

Die langfristige Grafik zeigt heute somit eine eindeutige Überbewertung des Marktes an, welche kurzfristig überfallende Kurse oder mittelfristig durch eine verhaltenere Kursentwicklung am Aktienmarkt abgebaut werden kann, d.h. man erwartet inflationsbereinigt nur noch einen Return von 3,5% im Vergleich zu den historischen 6,5%.

Es gibt aber sehr große Schwächen beim Shiller KGV.

Das Shiller KGV beinhaltet keine Prognosen. Auch die Steuersenkung in den USA, wonach die Unternehmensgewinne stark entlastet wurden und werden, wird im Schaubild nicht deutlich.

Was viele Anleger beim KGV vergessen. Es muss unterschieden werden zwischen „As Reported“ (inklusive aller Sonderabschreibungen) und „Operating Profits“. Das wird in einem Crash besonders deutlich.

Beispiel Citibank. Im Finanzcrash 2008 war die Bilanz der Citibank technisch defacto Pleite. Die Sonderabschreibungen haben kalkulatorisch eine Überschuldung herbeigeführt. Dagegen war das operative Bankengeschäft noch in den schwarzen Zahlen. Also mehr als Überlebensfähig.

Würde das Shiller-KGV mit den „Operating Profits“ bewertet werden, dann sähe die Kurve anders aus. Deutlich besser. Neben den fehlenden Steuervorteilen ist dies der zweite wichtige Kritikpunkt.

Wir sind da, um solche Dinge aufzuklären. Unser Team hat langjährig professionell Fonds in großen Häusern gemanagt.

Fazit: Die Kurse haben Ende Dezember viele Probleme eingepreist. Die jüngste Erholung war die entsprechende Antwort.

Unsere Marktstruktur-Analyse zeigt, dass an allen wichtigen Märkten die Mehrzahl der Aktien im Steigen sind. Das nehmen wir erst einmal als positives Ereignis hin. Es gibt aber noch kurze und mittelfristige Modelle, die eine ganzheitliche Aussage dokumentieren.

Andreas Knobloch (Deutschland) und Tjiago Domingues, Brasilien, für Trader-Fokus.de

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor

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Andreas Knobloch ist Analyst und Fondsmanager. Seit 1991 ist er professionell in sechs verschiedenen Investmentgesellschaften und Banken tätig gewesen. Dabei war er für diverse Publikumsfonds und Spezialmandaten verantwortlich. Als globaler Allrounder managte er alle Asset-Klassen und hat sich in seiner fast 30 jährigen Börsenhistorie auf die Forschung und Entwicklung von Modellen und quantitativen Ansätzen spezialisiert. Ein besonderes Augenmerk – auch wenn es atypisch klingen mag – gehört zusätzlich dem Value-Investment und dem Timing. Seit einigen Jahren ist er Herausgeber von Trader-Fokus.de und veröffentlicht dort unter anderem die Analysen der „X5-Tagestrendprognose“ – einem börsentäglichen Dienst sowie für Trader und Berufstätige ausgelegte Handelsmodelle, die aus der Praxis für die Praxis entstanden und dadurch, in der Regel, unkonventionell, einzigartig und erfolgreich sind. Für mehr Information:www.trader-fokus.de