Ausklang im DAX zum Juni ungewiss

Sonntag, 28.06.2020 12:35 von Andreas Mueller

Nach 100 Punkten Minus war die Vorwoche zwar kaum verändert, jedoch aufregend. Nicht nur wegen dem Drama Wirecard, welches ich neben der Chartanalyse des DAX mit erwähne.

Im Wochenverlauf rutschte der DAX (ISIN DE0008469008 | WKN 846900) um rund 100 Punkte ab. Dabei sah es zwischendurch nach einem Ausbruch auf der Oberseite und nach einem Durchbruch an der 12.000 aus. Eine Menge Bewegung, die ich hier entsprechend mit einem Ausblick kommentiere. Zum Wochenstart mussten die Marktteilnehmer den Verfallstag entsprechend aufarbeiten und ihre Positionierungen ordnen. Dabei kam es direkt zu einem Anlaufen der 12.400 und damit einem weiteren Test des Widerstandsbereiches.

Am Dienstag konnte dieser dynamisch übersprungen werden und hatte hierbei Potenzial gezeigt, eine mehrtägige Range hinter sich zu lassen. Dies sah charttechnisch sehr sauber aus, wie man im Rückblick feststellen muss:

Rückblick: Range-Ausbruch Dienstag Rückblick: Range-Ausbruch Dienstag

Doch am Mittwoch folgte kein weiterer Impuls. Folglich rutschten die Kurse erneut unter 12.400 und traten damit nicht nur erneut in die Range der davor liegenden Handelstage ein, sondern testeten noch am gleichen Tag deren untere Begrenzung. Dabei konnte der gestiegene ifo-Geschäftsklimaindex den Druck nicht mindern und war trotz des vergleichsweise guten Niveaus keine Stütze am Markt.

Mit einem solchen Stimmungsumschwung hatten wenige Marktteilnehmer gerechnet. Entsprechende Stopps führten zu weiteren Abgaben und durchbrachen am Donnerstag dann die runde Marke von 12.000 Punkten. Am Hochpunkt des Montags aus der Vorwoche drehte der Markt jedoch dynamisch und schloss damit optisch diese Kurslücke:

XETRA-DAX schliesst optisch die GAP-Lücke XETRA-DAX schliesst optisch die GAP-Lücke

Einen weiteren Test gab es nicht, so dass der Freitag im Rahmen der gesamten Wochen-Volatilität lag und letztlich die Range noch einmal erneut fast komplett durchlief.

Der Wochenverlauf sieht entsprechend kaum verändert aus und weist folgende dynamische Ausbruchsversuche aus der Range auf:

DAX-Ausbruchsversuche aus der Range DAX-Ausbruchsversuche aus der Range

Ob hier der jüngste Versuch am Freitagnachmittag die weitere Richtung in der neuen Woche vorgibt, analysiere ich im Ausblick.

Einen täglichen Marktausblick gibt es übrigens per E-Mail an folgender Stelle.

Ein Unternehmen muss noch einmal gesondert erwähnt werden: Wirecard. Die Meldungen überschlugen sich in dieser Woche und hatten im Endeffekt einen massiven Abverkauf zur Folge. Über die Insolvenz und die Hintergründe wurde an anderen Stellen bereits ausführlich berichtet, so dass ich mich hier auf den Chartverlauf (von Tradesignalonline) beschränke und nur 3 für DAX-Trader wichtige Informationen zusammenfasse:

  1. Das Unternehmen verbleibt nach aktueller Lage bis zur nächsten Anpassungssitzung der Deutschen Börse im September im DAX.
  2. Die Gewichtung des Unternehmens hat in Kombination mit dem Kursniveau nur marginalen Einfluss auf den DAX.
  3. Die Kursentwicklungen sind von News getrieben und zeigen den hohen spekulativen Charakter auf.

Einen solchen Verlauf und ein solches "Drama" hat es in der DAX-Historie jedenfalls noch nie gegeben:

Wirecard-Verlauf der letzten beiden Wochen Wirecard-Verlauf der letzten beiden Wochen

Darüber schrieb ich ebenfalls in der Vorwochenanalyse auf ariva.

 

Zurück zum Gesamtmarkt: So sahen die Handelstage der vergangenen DAX-Woche im Detail aus:

Handelswoche mit Tagesdaten DAX Handelswoche mit Tagesdaten DAX

Wie kann es weitergehen am Deutschen Aktienmarkt?

Die Ausbruchsversuche lassen erahnen, wie unsicher der Gesamtmarkt ist. Einerseits herrscht weiterhin Anlagenotstand im Sinne von mangelnden rendite-trächtigen Alternativen am Kapitalmarkt. Gepaart mit der Summe an Rettungspaketen und Eingriffen der Notenbanken sorgt dies für eine positive Grundtendenz und ausreichend Liquidität.

Auf der anderen Seiten erschrecken die Corona-Daten vor allem aus den USA und Lateinamerika immer mehr, sodass man von einer Ausweitung der Einschränkungen ausgehen muss und diese sogar schon partiell wieder sieht. Ob dies nun eine "zweite Welle" ist oder die erste Welle einfach nicht vorbei zu gehen scheint, ist Ansichtssache. Fakt ist jedoch, dass Unternehmen wie Apple mit Store-Schließungen erneut direkt betroffen sind und medizinisch betrachtet weiterhin kein Gegenmittel zur Verfügung steht. Daher dürfte wirtschaftlich vieles für einen langen Genesungsprozess sprechen, der nicht nach einem Quartal und einer V-förmigen Erholung an den Aktienmärkten verdaut ist.

Charttechnisch spitzt sich die Situation ebenfalls zu. Vom Juni-Hoch und vom Juni-Tief sind jeweils Trendlinien vorhanden, welche in der Range der letzten zwei Wochen auf eine Entscheidung zulaufen:

Trendlinien im DAX-Monat Juni Trendlinien im DAX-Monat Juni

Genau in dieser Mitte verläuft die Range und könnte perspektivisch noch einige Tage beibehalten werden, bevor hier der Bruch einer Trendlinie erfolgt.

Im großen Chartbild (Stundenchart) ist die Range ebenfalls deutlich zu erkennen:

Range im Stundenchart DAX Range im Stundenchart DAX

Auch dort ist natürlich das Dreieck konstruierbar:

Ausbruch im DAX abwarten Ausbruch im DAX abwarten

Für das mittelfristige Trading ist der Bruch einer solchen Linie relevant. Unterhalb von 12.000 Punkten kann man hier bereits von einem charttechnischen Signal sprechen, was bis zum Tief des Donnerstag bei 11.960 reichen kann und darunter zum sauberen XETRA-GAP-close bei 11.911. Fällt auch diese Marke, stehen die Tiefs des 12. Juni bei rund 11.830 Punkten als Ziel im Raum.

Die Oberseite wird erst bei einem erneuten Bruch der 12.400 / 12.430 spannend. Hier wäre das nächste Kursziel dann die 12.616 als Hoch vom Dienstag und darüber dann gleich ein Anlaufen zu den Juni-Hochs denkbar.

Immerhin ist der Juni von der Performance her aktuell noch im Gewinn.

Gerne halte ich Sie über die kurzfristig markanten Chartlevel auf meinen Social Media Kanälen (Bernecker1977 auf Twitter, Facebook und Instagram) auf dem Laufenden.

In der kommenden Woche ist am Montag 11.00 Uhr der EU-Geschäftsklimaindex wichtig. 14.00 Uhr folgt aus Deutschland der harmonisierte Verbraucherpreisindex und am Nachmittag aus den USA 16.30 Uhr der Dalls Fed Herstellungsindex.

Am Dienstag schauen wir auf den Arbeitsmarkt in Japan und das Bruttoinlandsprodukt aus England. Die EU-Verbraucherpreise folgen um 11.00 Uhr und dann am Nachmittag 15.45 der Chicagoer Einkaufsmanagerindex sowie das Verbrauchervertrauen Conference Board aus den USA. Zeitgleich hält der US-Finanzminister Mnuchin eine Rede.

Der Mittwoch steht in Japan im Zeichen des Tankan-Reports. Aus Deutschland wird 8.00 der Einzelhandelsumsatz, 9.55 Uhr der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes und parallel dazu die Arbeitslosenquote erwartet. 14.15 Uhr wird dann der wichtige ADP-Arbeitsmarktbericht aus den USA veröffentlicht, welcher als Indikation für die offiziellen Arbeitsmarktdaten der Regierung gilt. 16.00 Uhr runden Daten zum ISM (verarbeitendes Gewerbe, Beschäftigung, Auftragseingänge und Produktion) den Zahlenreigen ab.

Für den Freitag merken wir uns 9.55 Uhr den Markit PMI Gesamtindex in Deutschland und 10.00 Uhr auf EU-Ebene vor.

Alle Daten mit Prognosen entnehmen Sie aus folgender Tabelle:

Wirtschaftstermine in der KW27/2020 Wirtschaftstermine in der KW27/2020

Starten Sie mit dieser Marktvorbereitung gut in die neue Handelswoche und zur Wochenmitte auch gut in den Sommermonat Juli.

Viel Erfolg wünscht Ihnen hierbei Andreas Bernstein (Bernecker1977)

 


Schauen Sie gerne für weitere Meinungen in den Trading-Chat

oder direkt in das Forum von ariva:

https://www.ariva.de/forum/2020-qv-gdaxi-dj-gold-eurusd-jpy-566939?page=530#bottom

 

 

 

*Platzierte Produkte/Tools sind entsprechend markiert und Werbung. Ich handle über JFD https://www.jfdbank.com/de/partner/info

 

 

Risikohinweis: Der Handel mit Finanzprodukten ist risikoreich. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren. Diese Analyse ist keine Handelsempfehlung und enthält lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden.

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Über den Autor

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Andreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen in unterschiedlichen Community's und auf Präsenzveranstaltungen ein und ist somit Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf ariva.de analysiert er vorrangig den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

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