Amazon und CTS Eventim: Großartige Unternehmen können ausbeuten und entdecken

Mittwoch, 05.06.2019 07:24 von Sven Vogel

Stell dir vor, du hast die Wahl. Die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Unternehmen. Das eine ist großartig darin, sein bestehendes Geschäft zu immer größerem Erfolg zu treiben. Das andere erzielt regelmäßig großartige Erfolge beim Erschließen neuer Geschäftsfelder.

Für welches Unternehmen würdest du dich entscheiden?

Deine Wahl sollte – wie so oft im Leben, wenn die Entscheidung schwerfällt – auf ein drittes Unternehmen fallen, das beides kann: ein bestehendes Geschäft ausbeuten und neue Geschäfte entdecken.

Verzeih mir, wenn ich es mir zunächst so einfach wie möglich mache und mit Amazon das offensichtlichste Beispiel für ein solches Unternehmen wähle. Gefühlt vergeht kein Quartal ohne die Ankündigung, dass Amazon eine neue Branche aufmischen möchte, während das ursprüngliche E-Commerce-Geschäft immer erfolgreicher wird. Natürlich enden nicht alle Amazon-Entdeckungsfahrten mit einem Topf voll Gold. Das Unternehmen fördert mit seinen vielen Experimenten aber eine Kultur des stetigen Ausprobierens, was sich in meinen Augen langfristig auszahlen wird.

Es gibt natürlich bedeutend mehr weniger naheliegende und damit interessantere Beispiele. CTS Eventim beispielsweise. Wie die allermeisten Unternehmen gewinnt aber auch Eventim den Vergleich mit Amazon nicht. Den Beweis, erfolgreich neue Geschäftsfelder entdecken zu können, muss das Unternehmen sogar erst noch erbringen. Die Anfänge, die dabei nun aber gemacht wurden, sind zumindest vielversprechend.

Aber der Reihe nach. Lasst uns zunächst einen kurzen Blick auf das bestehende Geschäft werfen, das seit Jahren zuverlässig zu immer neuen Rekorden strebt.

Eventim mauserte sich nach und nach zu dem Unternehmen für Live-Events in Europa. Es wurden Veranstalter aufgekauft, neue Länder erschlossen, neue Künstler unter Vertrag genommen, neue Festivals gegründet und vieles mehr.

Die Ausbeutung des bestehenden Geschäfts war eine grandiose Erfolgsgeschichte. Der Umsatz konnte in den letzten 19 Jahren von 66 Millionen Euro auf 1.242 Millionen Euro gesteigert werden. Das Umsatzplus von beinahe 18 % pro Jahr wird gar noch vom Anstieg des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen getoppt, das um 21 % pro Jahr von 7 Millionen Euro auf nun 228 Millionen Euro angewachsen ist. Auch die Aktionäre kamen in diesem Zeitraum mit einer Kurssteigerung von mehr als 1.000 % voll auf ihre Kosten.

Nun schlägt das Unternehmen ein neues Kapitel auf und begibt sich mit der Pkw-Maut auf Entdeckungsreise. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Kapsch TrafficCom hat Ende des letzten Jahres den Zuschlag für das Eintreiben der Pkw-Maut in Deutschland bekommen.

Noch ist es nicht sicher, ob man dabei genauso erfolgreich ist wie beim Live-Entertainment. Die Aussagen von Gründer und CEO Schulenberg stimmen mich persönlich aber zuversichtlich:

Mit mehr als 250 Millionen verkauften Tickets im Jahr sind wir eines der größten E-Commerce-Unternehmen Europas. Wir haben umfassende Erfahrung im Management von Kundenbeziehungen – und zwar grenz-, sprach- und währungsüberschreitend. Diese Erfahrung können wir bei der Erhebung der Pkw-Maut einbringen … Wir übertragen unsere E-Commerce-Kompetenz und unsere Ticketing-Expertise erstmals in großem Stil in einen völlig neuen Geschäftsbereich. Für die Erhebung der Maut können wir teilweise auf bestehende Software zurückgreifen.

Ein allzu unbekanntes Terrain scheint das Maut-Geschäft für Eventim also gar nicht zu sein – zumindest, wenn es um die Maut für Privatpersonen geht. Genau diese Vertrautheit mit den Anforderungen der Kundengruppe macht mich zuversichtlich, dass das Maut-Abenteuer für Eventim mit einem Topf voll Gold enden kann. Und die Maut in Deutschland vielleicht sogar erst der Startschuss für eine erneute europaweite Erfolgsgeschichte ist.

In diesem Sinne, auf Unternehmen, die beides können, entdecken und ausbeuten. Fool on!

Offenlegung: John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Amazon-Tochter, ist Mitglied im Vorstand von The Motley Fool. Sven besitzt Aktien von CTS Eventim. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Amazon. The Motley Fool empfiehlt Aktien von Kapsch TrafficCom.


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Sven ist nun bereits beinahe ein Jahrzehnt ein leidenschaftlicher Investor. Seit 2015 ist er als Freiberufler für The Motley Fool tätig und seit 2017 mit Deutschland-Premiere von Rule Breakers – Unternehmen, die die Welt verändern der verantwortliche Chefredakteur für diesen Service. In seiner Freizeit treib er viel Sport, kocht und isst gerne mediterran und liest meist irgendetwas, was im weitesten Sinne mit Wirtschaft, Börse und Finanzen zu tun hat.