13.000 im DAX zum Greifen nah

Sonntag, 03.11.2019 15:33 von Andreas Mueller

Die Börsenwoche im DAX kann als Konsolidierung abgeheftet werden. Es gab zwar neue Jahreshochs, doch die Dynamik der Vorwochen ist klar ausgebremst. Bereits zum Wochenstart sahen wir eine dynamische Bewegung auf der Oberseite, welche sich nahtlos an den Trend der Vorwoche anreihte. Hierbei wurde mit 12.986 Punkten ein neues Jahreshoch erreicht und die runde Marke von 13.000 Punkten nur knapp verfehlt. Ab diesem Punkt ging der Markt in eine Konsolidierung über, welche sich verstärkt im Bereich der 12.900 zeigte. Dabei gab es immer wieder Bestrebungen der Bären, auf der Unterseite auszubrechen und eine Trendwende einzuleiten. Diese wurden jedoch vereitelt und stellten sich als Bärenfalle heraus, wie dieses Chartbild von Donnerstagabend aufzeigt:

 

DAX-Bärenfallen unter 12.900DAX-Bärenfallen unter 12.900

 

Die Oberseite war von Dienstag bis Freitagnachmittag immer wieder bei 12.950 Punkten gedeckelt und bot daran entsprechende Trading-Setups. Analysiert man die XETRA-Hochs im Detail, lagen diese recht nah beieinander:

  • Dienstag 12.951,88
  • Mittwoch 12.944,26
  • Donnerstag 12.953,34

Mit den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag konnte diese Marke überwunden und damit ein neues Kaufsignal generiert werden. Die Folge war, wie in der Morgenanalyse spezifiziert, ein neues Jahreshoch:

 

Kaufsignal vom Freitag im DAX vorabKaufsignal vom Freitag im DAX vorab

 

Immerhin war das wichtigste Event der Woche die US-Notenbanksitzung der FED. Am Mittwoch wurde hierbei der Leitzins erwartungsgemäß um 0,25 Basispunkte gesenkt. Aus meiner Sicht wäre eine Senkung aufgrund der vorherrschenden robusten US-Wirtschaft nicht nötig gewesen - Donald Trump vertritt da jedoch vehement eine andere Meinung.

Meine direkte Kommentierung der Zinsentscheidung mit einem Livetrading* verbunden können Sie sich gerne im Nachgang noch einmal hier ansehen:

 

https://www.youtube.com/watch?v=79_wbrDM_jY

 

Immerhin wuchs das BIP im dritten Quartal um 1,9 Prozent nach einer Erwartungshaltung von 1,6 Prozent und die Arbeitsmarktdaten am Freitag untermauerten den starken Trend der US-Wirtschaft mit insgesamt 128.000 neu geschaffenen Jobs. Auch hier lagen die Erwartungen tiefer.

Die US-Notenbank strebt erst einmal keine weiteren Zinssenkungen in naher Zukunft an und untermauert damit das Szenario, dass die Wirtschaft aus eigener Kraft weiter wachsen kann. Dies beflügelte die Wall Street.

So gab es weitere Rekorde zu vermelden. Der Technologieindex Nasdaq stieg auf ein Allzeithoch von 8.386 Punkten und der breitere Aktienindex S&P 500 notierte bei 3.066 Punkten. Der Leitindex Dow Jones hat hierzu noch ein paar Punkte zu erzielen, schaut jedoch im Wochenchart bereits weiterhin dynamisch aus:

 

Dow Jones mit Allzeithoch im BlickDow Jones mit Allzeithoch im Blick

 

Man kann nun argumentieren, dass die paar Punkte bis zur 13.000 im DAX nicht der Rede wert sind. Charttechnisch mag dies stimmen, doch psychologisch lenken solche Marken immer wieder das Hauptaugenmerk der Marktteilnehmer auf sich. Zudem gibt es einige Termingeschäfte, die auf genau solche runden Marken abzielen. Es ist daher wenig verwunderlich, wenn solche Marken letztlich auch erreicht werden und für Trader entsprechende Ziele oder Einstiegspunkte darstellen.

Schaut man sich den mittelfristigen Chartverlauf im DAX genauer an, ist der Aufwärtstrend unbestritten:

 

Mittelfristiger DAX-TrendMittelfristiger DAX-Trend

 

Durch den kurzfristigen Abverkauf am Donnerstag liegt diese nun etwas tiefer als noch vor einer Woche, doch er ist weiterhin aufwärtsgerichtet und somit dominierend für die Marktteilnehmer.

Kurzfristiger ist dabei die 12.900 immer wieder Dreh- und Angelpunkt im Marktverlauf gewesen, wie hier noch einmal dargestellt:

 

12.900 Marke im Fokus12.900 Marke im Fokus

 

Sie kann als ausgiebige Konsolidierungsmarke angenommen und bereits für die neue Woche vorgemerkt werden. Wie man solche Situationen handeln kann, zeigte ich im Livetrading bei JFD* entsprechend immer wieder auf.

Mit den beiden Jahreshochs aus der Handelswoche, welche auf fast gleichem Niveau lagen, hat sich ein kleiner Widerstand ergeben, den man ebenfalls beachten sollte:

 

DAX zwischen Jahreshoch und 12.900DAX zwischen Jahreshoch und 12.900

 

Eine Überschreitung dürfte dann die runde 13.000 auf den Kurszettel rufen. Sie ist wie eingangs skizziert eine psychologische Marke und kann bei entsprechender Dynamik nach dieser Konsolidierungswoche weiteres Potenzial entfachen. Um das daraus resultierende Kurspotenzial zu spezifizieren, muss man das große Chartbild mit einem Blick auf das Jahr 2017 bemühen. Dort ist "unser Allzeithoch" zu finden, zusammen mit der Erkenntnis, dass es im Gegensatz zur Wall Street noch einige Prozente entfernt liegt:

 

Big picture im DAX mit AllzeithochBig picture im DAX mit Allzeithoch

 

Im direkten Vergleich mit den US-Indizes hat der DAX somit das Nachsehen und konnte auch in der Vorwoche nicht mit der Geschwindigkeit mithalten. Hier könnte somit Nachholpotenzial oder eine Ermüdung abzulesen sein.

Von der Performance her war der Oktober sehr stark und mit einem Kursgewinn von 3,5 Prozent statistisch über seinem Mittelwert der letzten 20 Jahre. Das laufende Jahr nähert sich damit einem Gewinn von 22 Prozent im DAX an, das ebenfalls weit über dem Durchschnitt liegt.

Zum Ermüdungsszenario mit einem Trendbruch würde ich daher erst wechseln, wenn wir unter der 12.900 per Schlusskurs notieren und den gezeigten mittelfristigen Aufwärtstrend ernsthafter gefährden. Solange muss man den Marktverlauf und das Momentum akzeptieren und "the trend is your friend" im Hinterkopf behalten. Selbiges Argument gilt für das Trading am US-Markt.

 

Entsprechende Impulse können diese Termine aus dem Wirtschaftskalender bieten.

Am Montag um 9.55 Uhr erfahren wir die aktuellen Daten des Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe und um 16.00 Uhr die Werksaufträge aus den USA. Sie sind ein Maß für die Gesamtaufträge von Gebrauchs- und langlebigen Gütern und spiegeln somit den zweiten Schritt des Konsumverhaltens wider.

Mit der Handelsbilanz aus den USA am Dienstag 14.30 Uhr, dem Market PMI um 15.45 Uhr und dem ISM-Index des nicht-verarbeitenden Gewerbes gibt es weitere Daten zur Beurteilung des Konjunkturverlaufs.

Mittwoch wird der Market-PMI für Europa um 10.00 Uhr vorliegen, gefolgt von den Einzelhandelsumsätzen um 11.00 Uhr. Um 14.30 Uhr stehen die Arbeitsmarktproduktivität aus den USA und die Lohnstückkosten an - ein weiteres Puzzlestück des US-Arbeitsmarktes.

Donnerstag 11.00 Uhr veröffentlicht die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen verschiedene Konjunkturprognosen im Auftrag der Europäischen Kommission. 13.00 Uhr folgt die Zinssatzentscheidung der Bank of England und 14.30 Uhr die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung.

Zum Start des Freitag steht 8.00 Uhr die Deutsche Handelsbilanz an und als Abschluss der Woche dann 16.00 Uhr das Uni Michigan Verbrauchervertrauen aus den USA.

Neuigkeiten zum Handels-Deal zwischen den USA und China, welcher noch immer nicht komplett fixiert und unterzeichnet ist, können immer wieder für Volatilität sorgen. Bleiben Sie daher aufmerksam und mit einem konsequenten Risikomanagement am Markt aktiv.

 

Diskutieren Sie dies gerne im Forum an dieser Stelle:

https://www.ariva.de/forum/2019-qv-gdaxi-dj-gold-eurusd-jpy-560272?page=901#bottom

 

 

Viel Erfolg wünscht Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

 

*Platzierte Produkte/Tools sind entsprechend markiert und Werbung. Der Handel mit Finanzprodukten ist risikoreich. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren. Meine Artikel sind keine Handelsempfehlungen und enthalten lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Sämtliche getroffenen Angaben dienen Ihrer Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Entsprechende Links entsprechen meinen Erfahrungswerten und sollten dennoch als Werbung verstanden werden.

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Über den Autor

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Andreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen in unterschiedlichen Community's und auf Präsenzveranstaltungen ein und ist somit Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf ariva.de analysiert er vorrangig den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

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