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IPO/ROUNDUP: Siemens gibt Startschuss für Börsengang von Medizintechniktochter

Montag, 19.02.2018 09:42 von dpa-AFX

MÜNCHEN/ERLANGEN (dpa-AFX) - Der Industriekonzern Siemens (Siemens Aktie) hat offiziell den Startschuss für den Börsengang seiner Medizintechniktochter Healthineers gegeben. Das Unternehmen veröffentlichte am Montag die sogenannte "Intention to Float". Der milliardenschwere Börsengang, einer der größten in den vergangenen Jahren in Deutschland, könnte so noch im März über die Bühne gehen. Voraussetzung ist, dass das Kapitalmarktumfeld mitspielt. Die Siemens-Aktie legte zu Handelsbeginn rund ein Prozent zu.

"Siemens Healthineers ist jetzt bereit für sein Börsendebüt", erklärte Michael Sen, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Healthineers und Vorstandsmitglied von Siemens. Durch die Börsennotierung verspricht sich Healthineers mehr Flexibilität sowie mehr Möglichkeiten zur Finanzierung von Investitionen. Siemens bekräftigte, Mehrheitsaktionär zu bleiben und die Tochter langfristig unterstützen zu wollen. Das Unternehmen soll in der Siemens-Bilanz auch weiter voll konsolidiert werden.

Die Aktien sollen mittels einer Zweitplatzierung aus dem Bestand von Siemens erfolgen, teilte der Konzern mit. Das bedeutet, dass es keine neuen Aktien geben wird. Bei einer Zweitplatzierung fließt der Erlös in der Regel dem Altaktionär - und damit Siemens zu. Dabei will der Konzern einen bedeutenden Minderheitsanteil abgeben. Früheren Annahmen zufolge sollen es 15 bis 25 Prozent sein. Die Aktien sollen im Regulierten Markt der Frankfurter Börse notiert werden. Auf eine Zeitspanne wollte sich Siemens selbst noch nicht festlegen und bleibt bei früheren Aussagen eines Börsengangs innerhalb der ersten Jahreshälfte.

Mit erwarteten Einnahmen von mehreren Milliarden Euro wäre der Börsengang einer der größten der vergangenen Jahre in Deutschland. Analysten trauen Healthineers einen Marktwert von 30 Milliarden bis 40 Milliarden Euro zu. Dies könnte früheren Spekulationen zufolge Erlöse von 6 bis 10 Milliarden für Siemens bedeuten.

Siemens Healthineers kam im vergangenen Geschäftsjahr (per Ende September) auf einen Umsatz von 13,8 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von knapp 2,5 Milliarden Euro. Mit einer Marge von 18,1 Prozent gehört die Gesellschaft zu den profitabelsten Geschäften von Siemens. In der Bildgebung ist das Unternehmen eigenen Angaben zufolge Marktführer, in der Labordiagnostik die Nummer 2. Dazu bietet Healthineers noch Spezialtherapiekonzepte an. Rund 55 Prozent der Umsätze sind wiederkehrend - wie etwa das Servicegeschäft - und damit unabhängig von ökonomischen Zyklen.

Auf seinem Kapitalmarkttag Mitte Januar hatte Siemens Healthineers potenzielle Investoren mit einem mittelfristig beschleunigten Wachstum sowie einer steigenden Rentabilität umworben. Zudem will das Unternehmen künftig mindestens die Hälfte des Gewinns als Dividende ausschütten.

Mit dem Börsengang von Healthineers verfolgt Siemens-Chef Joe Kaeser die Strategie eines "Flottenverbundes", der die einzelnen Einheiten selbstständiger und damit agiler und wettbewerbsfähiger machen soll. Vor diesem Hintergrund war bereits das Windgeschäft mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa fusioniert worden. Für das Zuggeschäft wurde ein Zusammenschluss mit dem französischen Wettbewerber Alstom vereinbart. Mit dem Börsengang von Healthineers gäbe es künftig drei börsennotierte Töchter, die annähernd für die Hälfte des Konzernumsatzes stehen.

Kaeser, der Details der neuen Strategie im Frühjahr vorstellen will, sieht die Marke Siemens künftig als "starkes und verbindendes Element". Die einzelnen Bereiche sollen sich so organisieren, "dass sich jedes einzelne mit den Spezialisten messen kann". Eine Zerschlagung strebt er jedoch nicht an. Kritiker befürchten jedoch, dass Siemens so schleichend an Einfluss auf die Töchter verliert.

Siemens hat es dabei in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Meisterschaft gebracht, sich von Geschäften zu trennen. Beste Beispiele sind die Börsengänge des Chipherstellers Infineon (Infineon Aktie), dem Lichtkonzern Osram oder dem Komponentenhersteller Epcos./nas/mne/jha/