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Deutsche Börse AG - Goldpreis angeschlagen

Mittwoch, 07.07.2010 15:41 von Aktiencheck

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nicht nur der Verkauf von Zentralbankgold beunruhigt den Goldmarkt, so die Deutsche Börse AG.

Anleger würden auch die deutlichen Gewinne der letzten Monate beim Gold mitnehmen. Die Schmuckindustrie dagegen greife bei dem niedrigen Preis zu und fülle ihre Lager. Bei den Industriemetallen sehe man zwar aktuell eine Erholung. Deutlich gesunkene Frachtraten für Trockenguttransporte würden jedoch vermuten lassen, dass diese Entwicklung nicht nachhaltig sei.

Gewinnmitnahmen und größere Verkäufe von Zentralbankgold würden den Goldkurs unter Druck setzen. Er falle unter die psychologisch wichtige Marke von 1.200 US-Dollar je Feinunze und notiere am Mittwoch unter 1.190 US-Dollar. "Zur negativen Stimmung könnte die Meldung über Gold-Swaps mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ, beitragen", glaube Eugen Weinberg von der Commerzbank. "Die BIZ hält laut eigenem Bericht 346 Tonnen Gold im Zusammenhang mit Gold-Swap-Geschäften, bei denen sie Währungen gegen physisches Gold tauscht."

Diese Nachricht sorge erst einmal für Unsicherheit im Markt. "Auf den zweiten Blick könnte aber ein erneutes Engagement in Gold anstehen, denn vor allem die Zentralbanken der südeuropäischen Staaten kommen als wahrscheinliche Swap-Partner der BIZ in Frage", mutmaße der Analyst. Dies werde die immer noch bestehenden Probleme innerhalb der Eurozone erneut in das Sichtfeld der Anleger rücken und Gold als Sicherheitswährung voraussichtlich wieder steigen lassen.

Eine kleine Gegenbewegung habe die Schmuckbranche ausgelöst, gestützt von den schlechter als erwarteten US-Arbeitsmarktdaten von Ende vergangener Woche. "Goldkäufer der Schmuckindustrie greifen wieder zu, allen voran der weltgrößte Goldkonsument Indien", beobachte der Commmerzbank-Analyst. "Die indischen Goldkäufer nutzen das niedrigere Preisniveau, um ihre Bestände wieder aufzustocken, weil sie bei den sehr hohen Goldpreisen der zurückliegenden Monate ihre Nachfrage nach dem Edelmetall deutlich zurückgeschraubt hatten."

ETF Securities berichte dennoch von einer guten Nachfrage nach ETCs mit physisch hinterlegtem Gold. Anleger würden ETFS Physical Gold (ETFS Physical Gold), ETFS Gold (ETFS Gold) und Gold Bullion Securities (Gold Bullion Securities) kaufen. Auch Xetra-Gold (Xetra-Gold ETC auf Gold [Deutsche Börse Commodities GmbH]) melde Zuflüsse und überschreite erstmals die Rekordmarke von 50 Tonnen eingelagertem Gold. Risikobereite würden einen Hebel einsetzen und ETFS Leveraged Gold DJ-UBSCI (ETFS 2x Daily Long Gold) kaufen.

Die Verschnaufpause sei vielleicht nur von kurzer Dauer gewesen. Industriemetallkurse hätten sich trotz der schlechter als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten nach oben bewegt. Anleger würden gegenwärtig wieder mehr Risikofreude zeigen. "Durch den schwächeren US-Dollar und die festen Aktienmärkte konnten die Metallpreise gestern in der Breite teilweise deutlich zulegen", berichte Weinberg. Eine nachhaltige Erholung sehe der Analyst darin aber nicht. "Leider ist der Baltic Dry Index abermals deutlich gesunken und liegt mittlerweile auf dem niedrigsten Niveau seit 14 Monaten", erkläre der Rohstoffexperte.

Der Baltic Dry Index messe die Frachtraten für Trockenguttransporte und werde als Vorlaufindikator betrachtet. Ein Grund für diesen Einbruch seien die Rückgänge von Eisenerz und Kohle, was vor allem auf eine schwächere Stahlnachfrage in China zurückzuführen wäre. Im lokalen Häusermarkt, einem Hauptabnehmer von Stahlprodukten, hätten sich die Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Abkühlung der Wirtschaft bemerkbar gemacht. Anleger würden an niedrigere Preise für Kupfer glauben und ETFS Short Copper DJ-UBSCI (ETC auf DJ-UBS Copper ER [ETFS Commodity Securities Ltd]) kaufen.

Die Hitzewelle in Europa, kleinere Anbauflächen für Mais und Ernteerträge, die voraussichtlich geringer ausfallen würden als gedacht, würden laut Commerzbank für einen Anstieg der Agrarrohstoffpreise sorgen. "Russland hat seine Prognose für die Getreideernte aufgrund der Dürre deutlich reduziert", berichte Weinberg. "Statt bisher 90 Millionen Tonnen rechne das Land nun mit nur 85 Millionen Tonnen Getreide, davon 57 Millionen Tonnen Weizen." Dies sei ein gravierender Ernterückgang gegenüber dem Vorjahr in einem der größten Exportländer für Getreide. Nachrichten wie diese hätten den Preis für Weizen in Chicago erstmals seit zwei Monaten zwischenzeitlich über die Marke von 5 US-Dollar je Scheffel geschickt.

Auch ETC-Anleger würden reagieren und verstärkt Werte auf einen Getreidekorb wie S&P GSCI Grains Total Return (T-ETC auf S&P/GSCI Grains TR [Source Commodity Markets Plc]), S&P GSCI Agriculture Total Return T-ETC (S&P GSCI Agriculture Index Total ReturnTreasury Bill Secured Source ETC (T-ETC)) und ETFS Agriculture DJ-UBSCI (ETFS Agriculture) kaufen. (07.07.2010/zc/a/a)