Sonntag, 03.07.2022 20:46 von dpa-AFX | Aufrufe: 735

GESAMT-ROUNDUP: Ukraine zieht aus Lyssytschansk ab - Schwere Kämpfe im Osten

Die ukrainische Flagge. pixabay.com

KIEW/MOSKAU (dpa-AFX) - Im Osten der Ukraine sind die russischen Truppen weiter auf dem Vormarsch. Nach wochenlangem Abwehrkampf gab die ukrainische Armee am Sonntagabend bekannt, dass sie aus der Stadt Lyssytschansk im Gebiet Luhansk abzieht. Die russischen Besatzungstruppen hätten eine mehrfache Überlegenheit, erklärte der Generalstab in Kiew. Eine weitere Verteidigung hätte daher "fatale Folgen". Russland hatte zuvor gemeldet, dass es die Großstadt eingenommen habe. Von unabhängiger Seite lassen sich die Berichte aus den Kampfgebieten kaum überprüfen.

Lyssytschansk war die letzte größere Bastion der Ukrainer im Gebiet Luhansk. Dessen Eroberung gehört zu den von Russland benannten Kriegszielen. In der letzten Juni-Woche hatte das ukrainische Militär schon die Großstadt Sjewjerodonezk aufgeben müssen, die von Lyssytschansk nur durch einen Fluss getrennt ist. Vor dem Krieg lebten in dem Ballungsraum etwa 380 000 Menschen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Lage um Lyssytschansk als schwierig und gefährlich. Die Kämpfe bei der Stadt dauerten an, sagte er am Sonntag. Die ukrainische Armee tue alles, was in ihrer Macht stehe. Auf die Frage, ob Russland die Region Luhansk komplett erobern könne, sagte Selenskyj: "Es gibt solche Risiken, dass das Gebiet Luhansk besetzt wird. Sie sind uns klar. Aber man muss verstehen, dass sich die Situation täglich ändern kann."

Gouverneur: Drei Tote nach Explosionen in russischer Grenzstadt

Bei Explosionen in der russischen Stadt Belgorod nahe der Grenze zur Ukraine kamen nach Angaben des Gouverneurs der Region drei Menschen ums Leben. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, darunter ein zehnjähriges Kind. Darüber hinaus seien 50 Häuser beschädigt worden. Die Ursachen des Vorfalls würden untersucht, das Luftabwehrsystem werde voraussichtlich aktiviert.

Russland beklagt wiederholt auch Angriffe auf sein eigenes Staatsgebiet. Kiew äußert sich zu den Vorwürfen in der Regel nicht.

Scholz versichert Ukraine deutsche Unterstützung

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versicherte der Ukraine in einem Online-Interview der ARD abermals deutsche Unterstützung "so lange, wie das erforderlich ist". Zugleich bekräftigte er: "Eine bedingungslose Kapitulation ist nicht akzeptabel, auch kein Diktatfrieden, wie ihn sich Putin vorstellt." Dem US-Sender CBS (CBS Aktie) sagte Scholz, dass Putin den Krieg noch sehr lange fortsetzen könne.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach sich dagegen aus, die Ukraine jetzt zu Verhandlungen zu drängen. "Wir müssen die Ukraine in eine Lage versetzen, in der sie etwas zu verhandeln hat, indem wir sie stark machen, bevor Verhandlungen beginnen", sagte Steinmeier im ZDF. Der Kreml sieht in solchen Äußerungen ein Bestreben des Westens, den Krieg in die Länge zu ziehen.

Das wird am Montag wichtig

Angesichts der massiven Kriegsschäden wollen 40 potenzielle Geberländer zu einer Wiederaufbau-Konferenz im schweizerischen Lugano zusammenkommen. Die Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj will dabei ihre Prioritäten vorstellen. "Es ist notwendig, nicht nur alles zu reparieren, was die Besatzer zerstört haben, sondern auch eine neue Grundlage für unser Leben zu schaffen - sicher, modern, komfortabel, barrierefrei", sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Um die Ukraine soll es am Abend auch bei einem Treffen von Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris gehen./csd/DP/nas

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