Mittwoch, 26.05.2021 12:18 von Zentralredaktion | Aufrufe: 1758

Feststoffakku als Tesla-Kill?: QuantumScape: VWs Wunderbatterie oder Wirecard 2.0? Leerverkäufer warnt, Experte optimistisch – Wer hat Recht?

Eine Tesla-Ladestation: Hier werden E-Autos aufgeladen. pexels.com

Glaubt man QuantumScape, so werden schon bald Feststoffakkus für VWs E-Autos in Salzgitter produziert. Doch ein Leerverkäufer erhebt schwere Betrugs-Vorwürfe gegen QuantumScape. Droht ein Wirecard-Skandal 2.0?


Volkswagen und das börsennotierte Batterie-Start-up QuantumScape haben Mitte Mai angekündigt, im niedersächsischen Salzgitter eine Pilotanlage zur Fertigung von Feststoffakkus bauen zu wollen. Festoffbatterien könnten viele Probleme bestehender Flüssigelektrolyt-Lithium-Ionen-Akkus lösen und gelten deshalb als 'heiliger Gral' der E-Auto-Akkuforschung. Bisher ist es aber keinem Unternehmen gelungen, funktionierende Feststoffakkus in Großserie zu fertigen.

QuantumScape wäre das erste Unternehmen, dem dies gelingen könnte. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) in Duisburg, erklärte dazu gegenüber wallstreet:online: „Für VW und den Standort Deutschland ist es eine riesige Chance, die jetzt von QuantumScape angedachte Pilotfertigung von Feststoffzellen in Salzgitter zu bauen. Geplant ist zunächst ein Pilot von einer Gigawattstunde (GWh), womit bei einer 50kWh-Batterie pro Auto 20.000 Fahrzeuge machbar wären. Wenn VW es mit QuantumScape vor den Wettbewerbern schafft, ordnet sich das Feld der Elektromobilität neu. Der VW-Konzern hätte als erster weltweit das Elektroauto 2.0. Der VW-Konzern wäre Technologieführer vor Tesla und allen anderen.“

Zu den Vorteilen der Feststoffbatterie-Technologie sagte Dudenhöffer: „Elektroautos 2.0 mit der Feststoffbatterie erlauben extrem schnelle Ladevorgänge, kleine und leichte Batterien mit höherer Energiedichte und niedrigeren Kosten, die Zyklenfestigkeit ist nicht mehr zu übertreffen, sprich der Alterungsprozess der Batterie ist ausgesetzt. Zusammengefasst: Es ist die Wunderbatterie. Die bisherigen Elektroautos auf Flüssigelektrolyt-Lithium-Ionen-Zellen würden langweilig.“

Doch es gibt auch kritische Stimmen: Der Shortseller Scorpion Capital erhebt beispielsweise schwere Vorwürfe gegen das Akku-Start-up aus den USA. Demnach sei dessen Akku-Technologie keinesfalls ausgereift. Scorpion Capital spricht sogar von Betrug und zitiert ehemalige QuantumScape-Mitarbeiter.

In dem 188-seitigen Shortseller-Report wird unter anderem ein anonymer ehemaliger Angestellter von QuantumScape interviewt. Auf die Frage, ob QuantumScape die grundsätzlichen Probleme von Festkörperbatterien, die eine Markteinführung in den letzten 50 Jahren verhinderten, gelöst habe, erklärte der: „Auf keinen Fall. So viel kann ich Ihnen mit Sicherheit sagen. Die Antwort darauf ist ganz klar: NEIN.“ QuantumScape werde in den nächsten zehn Jahren keinesfalls ein funktionierendes Produkt in einem E-Auto auf den Markt bringen.

Außerdem hätten auch Volkswagen-Mitarbeiter gegenüber Scorpion Capital erklärt, dass VW-Ingenieure und -Batterieexperten intern sehr skeptisch gegenüber den Behauptungen von QuantumScape seien, heißt es in dem Bericht von Scorpion Capital.

Ein renommierter deutscher Batterie-Experte, der anonym bleiben wollte, hatte ähnliche Aussagen bereits Monate zuvor gegenüber der Redaktion von wallstreet:online getätigt. Demnach seien VW-Mitarbeiter sehr skeptisch, dass die Feststoffbatterie von QuantumScape wirklich kurz vor der Markteinführung stünde.

QuantumScape-CEO Singh hatte die Betrugs-Vorwürfe von Scorpion Capital bereits Mitte April vehement zurückgewiesen und bezeichnete sie gegenüber dem US-Nachrichtensender CNBC als „absurd“. „Wir waren immer transparent darüber, was wir haben und welche Arbeit noch vor uns liegt“, so Singh in der CNBC-Sendung „Mad Money“.

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Die QuantumScape-Aktie verlor seit ihrem Allzeithoch Ende Dezember 2020 mehr als 80 Prozent an Wert. Aktuell kostet ein Anteilsschein 24,06 US-Dollar (Stand: 26.05.2021, 11:27 Uhr):

Autor: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion

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