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Die Panik vor dem Brexit

Mittwoch, 05.10.2016 13:28 von Björn Selck

Bleibt London Europas Finanzmetropole?
Bleibt London Europas Finanzmetropole? - © Shutterstock.com / IR Stone
Nach dem Votum der Briten für den Austritt aus der EU reagierten die Finanzmärkte weitgehend gelassen – bis jetzt.

Als die Briten bei der Abstimmung im Juni „Ja“ zum Brexit sagten, waren die Folgen an den Finanzmärkten noch überschaubar. Zwar fiel das Pfund deutlich gegenüber US-Dollar und Euro, doch anschließend konnte es sich im Bereich zwischen 1,15 und 1,20 Euro stabilisieren. Bis gestern: Am Dienstagmorgen stürzte der Kurs unter 1,15 Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte Großbritannien damit nicht mehr zu den fünf größten Wirtschaftsnationen der Welt zählen. Den Experten zufolge tritt durch den Kurssturz des Pfunds jetzt Frankreich an die Stelle des Vereinigten Königreichs.

Angst vorm „harten Brexit“

Verantwortlich für die plötzliche Panik an den Finanzmärkten ist die britische Premierministerin Theresa May. Die Vorsitzende der Tories kündigte den Beginn des Austrittsverfahrens bis Ende März an. Das weckt Ängste vor einem „harten Brexit“ – ein schnelles und kompromissloses Ende der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens, das die Briten zum finanziellen Verlierer an den Verhandlungstischen der Europäischen Union machen könnte.

Mays Rede, in der sie die Beseitigung der „Herrschaft des EU-Rechts über Großbritannien“ und die Verwandlung ihrer Nation in ein „souveränes Land“ versprach, deutet zähe Verhandlungen mit den übrigen Mitgliedsstaaten an. Vor allem bei Einwanderungsfragen werde ihr Land eisern bleiben, so die Premierministerin. Beobachter glauben, dass eine solche Haltung den EU-Binnenmarkt für Großbritannien verschließen könnte, weil dieser den freien Zugang von EU-Bürgern zum Arbeitsmarkt voraussetzt.

Finanzbranche unter Druck

Den Verhandlungen zwischen britischer Regierung und EU-Kommission könnte auch das sogenannte „Passporting“ zum Opfer fallen. Unternehmen mit Sitz in Großbritannien wäre es dann nicht mehr erlaubt, Dienstleistungen in der übrigen EU anzubieten – eine Katastrophe für Banken und Versicherer, die in der Noch-Finanzmetropole London ansässig sind. Eine neue Studie der Beratungsfirma Oliver Wyman stellt für diesen Fall Umsatzverluste der Finanzbranche von bis zu 38 Milliarden Pfund in Aussicht. Darüber hinaus, so schlussfolgert die Untersuchung, könnte der Wegfall der „Passporting“-Regelung zum Verlust von 75.000 Arbeitsplätzen führen.

Die Finanzbranche des Königreichs, die knapp zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht und 1,1 Millionen Menschen beschäftigt, ist sowohl auf einen freien Arbeitsmarkt als auch auf das EU-weite Angebot von Dienstleistungen angewiesen. US-Banken hatte bereits mit einer Verlegung ihrer Zentralen in andere Länder gedroht, sollte die Freizügigkeit im Rahmen der Austrittsverhandlungen kippen. Der Finanzplatz London könnte dann gegenüber Standorten wie Frankfurt am Main den Kürzeren ziehen. Unterdessen bleibt der britische Aktienmarkt trotz der Befürchtungen auf Rekordkurs: Der Leitindex FTSE steht bei mehr als 7000 Punkten – auch, weil das schwache Pfund den Aktienkauf attraktiv macht.

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