Der Lackmustest für die OPEC+

Montag, 13.07.2020 14:14 von GodmodeTrader - Aufrufe: 209

New York (Godmode-Trader.de) - Nachdem es der OPEC+ unter Führung der Saudis und Russlands gelungen ist, die Rohölpreise in den letzten Monaten (auch als Folge ihrer Fördermengenkürzungen) zu stabilisieren, denkt die Gruppe nun darüber nach, die Vereinbarungen zu lockern. Da sich die Nachfrage mit der Aufhebung der Coronavirus-Sperren erholt, sind die Produzentenstaaten offenbar dazu bereit, die Hähne wieder ein wenig aufzudrehen. Ein Schritt, sollte er zu früh kommen, hohe Risiken birgt.

Eine zweite Welle der Pandemie würde den Ölbedarf wieder deutlich einstampfen. Gleichzeitig ist da noch der Milliarden-Barrel-Berg an Vorräten, der sich während des ersten Ausbruchs aufgetürmt hat. Wenn die OPEC+ das Angebot nun erhöht, und der Markt zugleich erneut schwächelt, könnten die Preise schnell wieder abstürzen. Dann ginge das Spiel von vorne los. Das Pflänzlein der Nachfrageerholung ist noch recht zart.

Es ist dieser Balanceakt, den die OPEC+ am 15. Juli meistern muss, wenn der Gemeinsame Ministerielle Überwachungsausschuss JMMC tagt, das Gremium, das die Fortschritte der OPEC+ überprüft. Der JMMC wird abwägen müssen, ob das 23-Nationen-Bündnis die aktuell geltenden 9,6 Mio. Barrel Tagesproduktion für einen weiteren Monat vom Markt fernhält oder einige Beschränkungen wie ursprünglich geplant wieder aufhebt und die Kürzung auf 7,7 Mio. Barrel verringert. Da die Nachfrageerholung an Fahrt gewinnt, tendieren die Mitglieder zu der letztgenannten Option, weiß die Nachrichtenagentur Bloomberg.

In Russland, dem einflussreichsten Nicht-OPEC-Mitglied des Bündnisses, bereiten sich die großen Ölkonzerne demnach darauf vor, ihre Produktion im nächsten Monat anzuheben, sofern das Energieministerium nicht noch andere Vorgaben macht. Der russische Energieminister Alexander Nowak sagte am 2. Juli, dass seine Regierung noch keine Position bezüglich einer Verlängerung bezogen habe; er betonte aber, dass es besser sei, wenn die OPEC+ an ihren früheren Entscheidungen festhält.

Die OPEC+ könne mit der vorgesehenen Erhöhung fortfahren, ohne den Markt zu überfluten, beruhigt Bob McNally, Gründer der Rapidan Energy Group und ehemaliger Beamter des Weißen Hauses, zu Bloomberg. Die weltweite Nachfrage werde in diesem Quartal um 18 Prozent auf 95,7 Mio. Barrel pro Tag ansteigen, wenn die Wirtschaftstätigkeit wieder aufgenommen wird, prognostizierte McNally. Das werde die Lagerbestände um 5,6 Mio. Barrel pro Tag verringern. „Ich denke, der Markt wird das ziemlich gut verkraften."

Obwohl sich der Brent-Ölpreis von einem Zweijahrzehnttief von 15,98 Dollar/Barrel Ende April mehr als verdoppelt hat und am Montag nahe 43 Dollar/ Barrel gehandelt wurden, bleibt die Stimmung am Markt fragil. Die Beschleunigung der Pandemie in den USA, wo die Infektionen zuletzt einen Rekordstand erreichten, und ihr Wiederauftreten in Asien „wirft einen Schatten auf die Aussichten", warnte die Internationale Energieagentur IEA in ihrem aktuellen Monatsbericht.

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