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CECONOMY IM FOKUS: Nach Chefrauswurf muss Elektronikhändler zurück in die Spur

Montag, 15.10.2018 12:58 von dpa-AFX

Saturn-Logo einer Filiale in Berlin.
Saturn-Logo einer Filiale in Berlin. © LordRunar / iStock Unreleased / Getty Images Plus / Getty Images www.gettyimages.de
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Beim Elektronikhändler Ceconomy ist der Wurm drin. Mehrere Gewinnwarnungen innerhalb kürzester Zeit lösten einen Kurssturz an der Börse aus. Der massive Wertverlust zwang am Wochenende den Aufsichtsrat zum Handeln: Fast die komplette Chefetage von Ceconomy wird nun ausgewechselt. Die künftigen Konzernlenker müssen das verloren gegangene Vertrauen der Anleger wieder zurückgewinnen.

DIE LAGE BEI CECONOMY:

Die Mutter von Media Markt und Saturn ist erst vor gut einem Jahr in die Unabhängigkeit gestartet. Doch statt Wert zu schaffen hat das Unternehmen nach der Abspaltung von der früheren Metro (Metro Aktie) Group bislang Börsenkapital vernichtet. Auslöser waren mehrere Gewinnwarnungen - zwei davon binnen weniger Wochen. Im September senkte Ceconomy die Prognose mit Verweis auf die Hitzewelle in Deutschland und anderen Teilen Europas. Wegen der tropischen Temperaturen kauften die Verbraucher weniger ein. Auch die eingeleiteten Maßnahmen, mit denen vor allem das Deutschland-Geschäft voran gebracht werden soll, zünden nicht so recht.

Nicht einmal drei Wochen später folgte bereits die nächste Korrektur. Über die Hintergründe hielt sich Ceconomy bedeckt. Analysten vermuten, dass es an den Rückvergütungen lag, was aber wiederum Fragen über Lieferantenbeziehungen, die Rabattpolitik und die Informationsabläufe im Unternehmen aufwirft.

Die Großaktionäre protestierten. Vor allem Freenet (Freenet Aktie) -Chef Christoph Vilanek zeigte sich empört und forderte nach der Gewinnwarnungsserie öffentlich Konsequenzen. Der Mobilfunkanbieter hatte sich im Juli mit neun Prozent bei Ceconomy eingekauft und seitdem nur Geld verloren. Auch den anderen Großaktionären Haniel, Meridian Stiftung und Beisheim kann der Wertverlust nicht geschmeckt haben.

Am Wochenende feuerte der Aufsichtsrat schließlich Vorstandschef Pieter Haas. Auch Finanzvorstand Mark Frese darf nur noch so lange im Amt bleiben, bis ein Nachfolger für ihn gefunden ist. Bis dahin führt er zusammen mit Compliance-Vorstand Dieter Haag Molkenteller die Geschäfte.

Haas arbeitete seit Anfang des Jahrtausends für Media Markt und Saturn und war stets ein Befürworter der Aufspaltung der Metro, zu der der Elektronikhändler einst gehörte. Die operativen Herausforderungen bekam Haas in seiner Rolle als Ceconomy-Chef aber nicht in den Griff. Im Wettbewerb mit Internetriesen wie Amazon (Amazon Aktie) verlor der Konzern weiter Federn. Der Schwenk zu mehr Onlinehandel und Serviceangeboten trug zu langsam Früchte. Das zuletzt schwächelnde Deutschland-Geschäft soll nun der Spanier Ferran Reverter Planet auf Vordermann bringen. Der Manager hat bereits das Geschäft in Spanien und Italien zurück auf Kurs gebracht. Nach einem neuen CEO und CFO für den Gesamtkonzern wird nun mit Hochdruck gesucht.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Auf das neue Management wartet aus Sicht von Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers nun viel Arbeit. Desaströse Nachrichten seien zuletzt eher die Norm als die Ausnahme gewesen, schrieb er in einem Kommentar. Das zerstörte Vertrauen zurückzugewinnen, dürfte daher ein langer und schmerzhafter Prozess werden. Die Liste schlechter Managemententscheidungen bei Ceconomy sei lang. Dazu gehören aus seiner Sicht neben der Aufgabe des Russland-Geschäfts die Schwächen bei Umsetzung der Strategie und auch die Kommunikation mit dem Finanzmarkt.

Volker Bosse von der Baader Bank erwartet, dass das Unternehmen nun eine Phase der strategischen Ungewissheit durchlaufen wird. Das Management um Haas habe zwar die richtigen strategischen Schritte eingeleitet, wie etwa den Aufbau einer europäischen Handelsallianz oder die Verknüpfung des stationären Geschäfts mit dem Onlinehandel, gehapert habe es aber an der Umsetzung.

Die Vereinfachung komplexer Strukturen sieht Andrew Porteous von der britischen Investmentbank HSBC als wichtigste Aufgabe an. Ansonsten werde das komplette Geschäftsmodell irgendwann unhaltbar, warnte er. Die dezentrale Aufstellung bei Beschaffung und Logistik sei überholt. Auch müsse ein Wandel in der Unternehmenskultur her. Viele Filialmanager hätten noch nicht verinnerlicht, dass in Zeiten des Internets und der Preistransparenz andere Gesetze gelten, monierte Baader-Experte Bosse.

Ein Konzernumbau wird in jedem Fall kostspielig und dürfte das Ergebnis noch mehr unter Druck bringen, schätzt HSBC-Analyst Porteous. Ein neues Management könne auch die Logik von Beteiligungen wie am französischen Konkurrenten Fnac Darty oder am russischen Wettbewerber M.Video infrage stellen.

Clement Genelot vom Investmenthaus Bryan Garnier geht davon aus, dass noch nicht abgearbeitete Themen zunächst hinten angestellt werden. Dazu zählt er eine Lösung für das schwächelnde Geschäft in Schweden oder die Übernahme des Minderheitsanteils der Kellerhals-Erben. Haas wollte die Erben des Media-Markt-Mitbegründers herauskaufen, um einen Schlussstrich unter einen jahrelangen schwelenden Konflikt zu ziehen. Dieses Kapitel wie geplant bis Jahresende abzuschließen, sei für Ceconomy nun unwahrscheinlich, so Genelot.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Der Umbau an der Firmenspitze gab der gebeutelten Ceconomy-Aktie zum Wochenstart Auftrieb. Der Elektronikhändler steht seit Mitte Juli 2017 auf eigenen Beinen, damals war die Aufspaltung des Handelskonzerns Metro in einen Lebensmittel- und einen Elektronikhändler wirksam geworden. Die bisherige Bilanz ist ernüchternd. Gestartet war die Aktie mit 9,32 Euro, ihren Höchststand erreichte sie Mitte Januar bei 13,40 Euro. Seitdem ging es kontinuierlich bergab. Allein nach der letzten Gewinnwarnung rauschte der Kurs binnen eines Tages um rund 20 Prozent in die Tiefe. Ihren niedrigsten Stand erreichten Ceconomy-Papiere kurze Zeit später am 11. Oktober mit 4,23 Euro. /she/tav/fba