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Bitcoin-Fonds & Co.: Warum die Karibik wichtiger als die Wall Street sein kann

Freitag, 11.01.2019 10:00

Losgelöst von der Debatte, welchen Einfluss Bitcoin-Fonds auf den Krypto-Markt haben, stellt sich die Frage, welche Rolle dabei den einzelnen Jurisdiktionen zukommt. Standardmäßig wird dabei vor allem auf die USA, genauer gesagt die Wall Street und die US-Wertpapierbehörde SEC, geschaut. Dies ist nicht per se falsch, aber eben auch nicht mehr ganz zeitgemäß und differenziert genug. Warum Inselparadiese wie die Karibik weit mehr Einfluss auf Bitcoin-Fonds nehmen können als die Wall Street.

Zweifelsfrei sind die USA der führende und wichtigste Finanzmarkt der Welt. Entsprechend hat sich auch in der Krypto-Ökonomie der Blick über den Atlantik etabliert. Wenn sich die US-Börsenaufsicht SEC beispielsweise zu Bitcoin ETFs und deren Zulassung äußert, dann wird genau hingesehen. Allerdings kann diese Fokussierung dazu führen, Entwicklungen in anderen wichtigen Regionen zu übersehen. Schließlich ist die Finanzmarktadaption der Krypto-Ökonomie ein de facto globales Projekt.

Asien wird unterschätzt

Ein Trend, der nicht nur für die Blockchain-Technologie gilt, sondern generell in Sachen Digitalisierung und ökonomischer Relevanz zutrifft, ist, dass Asien, allen voran China, immer wichtiger wird, während die USA tendenziell an Bedeutung verlieren.

Nun muss man hier einwenden, dass China aufgrund seiner restriktiven Politik nicht den Grad an Finanzmarktöffnung bietet, wie es in den westlichen Industrienationen üblich ist. Ein pionierhafter Vorstoß in puncto Bitcoin ETF ist im Land des Krypto-Verbots definitiv nicht zu erwarten. Allerdings ist Asien mehr als nur China. Länder wie Singapur, Südkorea oder die Sonderverwaltungszone Hongkong sind Dreh- und Angelpunkt des globalen Kapitalmarktverkehrs.



Auch Japan als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt spielt hier eine gewichtige Rolle und kann die Evolution des Finanzwesens prägen. Entsprechend ist es kein Zufall, dass Bitcoin & Co. in den genannten Regionen eine besonders hohe Relevanz erfahren. Eine Relevanz, von der wir in Europa oft nur träumen können.

Wird der erste Bitcoin ETF aus Japan kommen?

Zu dieser übergeordneten Entwicklung passt auch, dass nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg Untersuchungen seitens der japanischen Finanzregulierungsbehörde FSA angestellt werden, die sich um Bitcoin ETFs drehen. Wie konkret diese sind, ist bislang allerdings noch unklar. Eine zeitnahe Zulassung kommt für die FSA allerdings nicht in Frage, wie kürzlich von der Behörde noch mal betont wurde. Klar hingegen ist, dass Krypto-Vorstöße großer Wirtschaftsräume wie Japan einen großen Einfluss auf die finanzmarkttechnischen Interdependenzen haben.

Wenn einzelne Länder oder Wirtschaftsräume vorpreschen, dann übt das auch Druck auf andere Länder aus. Die im Krypto-Bereich gebräuchliche Floskel Fear of Missing Out (FOMO) gibt es auch in der internationalen Politik. Die Angst, von anderen Nationen abgehängt zu werden, fördert in Teilen die Innovationsfähigkeit durch Anpassung der regulatorischen Rahmenbedingungen. Für eine Nation wie die USA wäre es zumindest unangenehm, wenn Finanzinnovationen in anderen Teilen der Welt entstehen.

Die heutigen Hedgefonds-Inseln sind die Krypto-Garanten von morgen

Besonders faszinierend ist in diesem Zusammenhang, dass kleinste Jurisdiktionen und Offshore-Plätze massiven Einfluss auf den globalen Finanzmarkt nehmen können. Deutlich wird dies an den Cayman Islands, einer deregulierten Steueroase in der Karibik. Rund 70 Prozent aller Hedgefonds weltweit sind dort registriert. Rechnet man andere Steueroasen wie die Bahamas oder die britischen Jungferninseln hinzu, dann sind knapp 90 Prozent aller weltweiten Hedgefonds in Steueroasen beheimatet. Bedeutet: Eine geopolitisch vermeintlich vollkommen irrelevante Inselgruppe mit der Einwohnerzahl einer Kleinstadt kann größeren Einfluss in einzelnen Finanzmarktgebieten ausüben als ein ganzer Kontinent.

Auf den Krypto-Markt bezogen heißt das: Finanzmarktinnovationen können hinausgezögert, aber nicht aufgehalten werden. Je stärker sich große Jurisdiktionen vor der Verantwortung drücken, einen regulierten Zugang zum Krypto-Markt zu schaffen, desto eher ist mit Finanzprodukten und Dienstleistungen von deregulierten Finanzplätzen rechnen. So verwundert es nicht, dass deutsche Blockchain-Start-ups ihren ICO nicht in Deutschland, sondern in Liechtenstein oder Gibraltar durchgeführt haben.

Anstatt also immer nur die auf die großen Finanzplätze und deren Regulierungsbeiwerk zu achten, sollten auch die kleinen Flecken auf der Weltkarte Beachtung finden. In der Finanzmarktindustrie sind der Phantasie zumindest keine Grenzen gesetzt und auch die geographischen Grenzen lösen sich immer weiter auf. Wer weiß? Vielleicht gibt es bald den ersten Krypto-Hedgefonds von den Cayman Islands – verwundern würde es nicht.

 
Source: BTC-ECHO

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