Aktien Frankfurt: Anleger reagieren erleichtert auf umsichtige Zentralbank-Pläne

Donnerstag, 14.06.2018 14:58 von dpa-AFX

Nacht über Frankfurt am Main, das zu den wichtigsten Handelsplätzen in Europa zählt. (Symbolfoto)
Nacht über Frankfurt am Main, das zu den wichtigsten Handelsplätzen in Europa zählt. (Symbolfoto) pixabay.com
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Anleger erleichtert. Der Dax drehte am Nachmittag in die Gewinnzone und legte zuletzt um 0,41 Prozent auf 12 943,10 Punkte zu. Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50 , machte ebenfalls eine Kehrtwende in ähnlicher Größenordnung.

Am Vorabend hatte zunächst die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins erwartungsgemäß angehoben, aber für den Rest des Jahres erstmals zwei statt nur einen weiteren Zinsschritt in Aussicht gestellt. Das hatte die Börsen auch in Europa zunächst leicht belastet, denn steigende Zinsen schmälern die Attraktivität von Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren.

An diesem Nachmittag nun stand die EZB im Rampenlicht. Sie kündigte an, ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm schrittweise zurückzufahren und bis Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Zugleich aber wurde versprochen, die Leitzinsen bis mindestens Sommer 2019 auf ihrem aktuellen Niveau zu belassen. Damit lässt die EZB den Geldhahn noch eine ganze Weile aufgedreht.

"Etwas aggressiver beim Anleihekaufprogramm und zugleich recht sanft hinsichtlich der Zinsen. Das ist ein sehr feines Austarieren, mit dem EZB-Präsident Mario Draghi versucht, die Märkte im Lot zu halten und Ausverkäufe zu verhindern", kommentierte Marktanalyst Neil Wilson von Markets.com.

Einzelwerte standen an diesem Tag nur wenig im Blick der Investoren. Am Dax-Ende büßten die Anteile von Thyssenkrupp (ThyssenKrupp Aktie) 1,3 Prozent ein. Die Anleger warten hier unverändert auf den Fortgang der Fusion mit Konkurrentin Tata Steel. Die Aktien von Adidas (adidas Aktie) eroberten mit plus 2,2 Prozent die Index-Spitze.

Ansonsten interessierten eher kleinere Werte. Die Aktien von Gerry Weber (Gerry Weber Aktie) sackten nach gekappten Jahreszielen zeitweise auf den tiefsten Stand seit September 2005. Zuletzt verloren die im März aus dem SDax geflogenen Papiere des Modeunternehmens 5,5 Prozent.

Die Papiere des IT-Vermieters Grenke büßten im SDax nach einer Kapitalerhöhung im Volumen von rund 200 Millionen Euro 4,3 Prozent ein. Ihnen folgten nach veröffentlichten Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal die Titel des Ingenieurdienstleisters Bertrandt mit minus 2,6 Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,29 Prozent am Vortag auf 0,32 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,12 Prozent auf 140,28 Punkte. Der Bund-Future sprang um 0,36 Prozent auf 160,37 Punkte nach oben. Der Euro sackte nach den Aussagen der EZB wieder kräftig unter 1,18 US-Dollar und wurde zu 1,1729 Dollar (Dollarkurs) gehandelt. Die EZB hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1767 Dollar festgesetzt./ck/fba

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---