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AKTIE IM FOKUS 2: Fresenius-Aktionäre fürchten teuren Rechtsstreit mit Akorn

Montag, 23.04.2018 13:48 von dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Erleichterung der Fresenius-Aktionäre über die Absage an einen teuren Zukauf ist der Sorge über einen langen Rechtsstreit gewichen. Hinzu kam eine Umsatzwarnung der Dialysetochter FMC . Die Papiere des Medizinkonzerns gaben ihre hohen Anfangsgewinne am Montag im Handelsverlauf ab und notierten zuletzt unverändert bei 65,70 Euro. Zuvor waren sie in der Spitze um fast 4 Prozent auf 68,24 Euro gestiegen.

Der Dax-Konzern kündigte die Übernahmevereinbarung mit Akorn, weil der Generikahersteller mehrere Voraussetzungen für den Vollzug nicht erfüllt habe. So habe es laut einer von Fresenius (Fresenius Aktie) eingeleiteten Untersuchung unter anderem schwerwiegende Verstöße gegen Vorschriften der US-Gesundheitsbehörde FDA bezüglich der Datenintegrität bei Akorn gegeben, hieß es.

Der US-Generikahersteller sieht sich aber zu Unrecht an den Pranger gestellt und pocht auf die Einhaltung der von Fresenius gemachten Zusagen. Laut dem Analysten Oliver Reinberg vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux könnte Fresenius hier noch ein längerer Rechtsstreit bevorstehen.

Fresenius dürfte allerdings einen guten Grund gefunden haben, den Deal abzusagen, erklärte Analyst Tom Jones von der Privatbank Berenberg. Auch er verwies auf einen ansonsten drohenden langen Rechtsstreit mit unsicherem Ausgang.

Für Analyst Hugo Solvet vom Investmenthaus Bryan Garnier dürft der Schritt für den Dax-Konzern aber in jedem Fall positiv sein. "Egal wie es weitergeht, Fresenius dürfte in jedem Fall im Vorteil sein", sagte er. Sollte Fresenius mit seinen Vorwürfen gegen Akorn Recht haben, würde der Kaufpreis vermutlich deutlich sinken, oder aber Fresenius könnte den Deal wirklich abblasen. Selbst ohne Akorn errechnet der Experte einen Wert von circa 80 Euro je Fresenius-Aktie - ein Potenzial von fast einem Fünftel.

Zum Zeitpunkt der ersten Spekulationen über einen Akorn-Kauf vor rund einem Jahr hatten die Fresenius-Aktien um die 75 Euro gekostet. Ende März 2018 im Tief lag der Preis dann nur noch bei rund 59 Euro - ein Minus von mehr als 21 Prozent.

Im Lauf der Monate hatten sich die Zweifel der Anleger an der Geschäftsentwicklung von Akorn und damit auch an dem rund 4,4 Milliarden Euro teuren Zukauf gemehrt. Im Februar stellte Fresenius dann selbst den Kauf nach anonymen Hinweisen auf den Prüfstand und leitete die externe Untersuchung möglicher Regelwidrigkeiten von Akorn bei der Produktentwicklung ein./mis/ag/tav