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AKTIE IM FOKUS 2: Bayer brechen nach Glyphosat-Schlappe ein

Mittwoch, 20.03.2019 08:17 von dpa-AFX

Werk der Bayer AG in Krefeld.
Werk der Bayer AG in Krefeld.
© Michael-Victor-Photo/iStock Editorial / Getty Imag.

(neu: Analysten, mehr Details und Hintergrund)

FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Eine Schlappe in einem richtungweisenden Glyphosat-Prozess in den USA hat der zuletzt ein wenig aufgehellten Laune der Bayer-Aktionäre am Mittwoch wieder einen herben Dämpfer versetzt. Der Aktienkurs brach am Morgen auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss um mehr als 9 Prozent auf 63,35 Euro ein.

So befand eine Geschworenen-Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco einstimmig, dass der Unkrautvernichter Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen sei. Der Prozess geht nun mit der selben Jury in eine zweite Phase, in der die Haftungsfragen geklärt werden sollen.

Der Fall Hardeman ist für Bayer (Bayer Aktie) und den unter Druck stehenden Konzernchef Werner Baumann hochbrisant, da es sich um einen richtungsweisenden "Bellwether Case" handelt, also eine Art Musterfall in einem Massenverfahren. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können.

Analyst Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst stufte die Bayer-Aktien nach der in seinen Augen überraschenden Niederlage von "Outperform" auf "Neutral" ab und strich das Kursziel von 90 auf 60 Euro zusammen. Bayer scheine keine überzeugenden Argumente gehabt zu haben, um die Behauptungen des Klägers zu entkräften, erklärte der Experte. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bayer und die im Zentrum der Klagen stehende US-Saatguttochter Monsanto eine große Zahl der vielen tausend Glyphosat-Klagen verlieren könnte.

Zudem könnten die Kosten für eine Beilegung der Rechtsstreitigkeiten noch größer sein als er aktuell bei der Bewertung der Aktien berücksichtige, fuhr Peacock fort. Er rechnet aktuell mit rund 11 Milliarden Euro, die auf Bayer zukommen könnten.

So wurden bis Ende Januar Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11 200 Klägern zugestellt. Bereits Ende März soll ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten, weitere sollen rasch folgen.

Bayer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme derweil zwar enttäuscht von der Entscheidung, bleibt aber davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachten. Bayer ist zuversichtlich, im zweiten Teil des Prozesses beweisen zu können, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte.

Angesichts der sich abzeichnenden Kursverluste dürften die Bayer-Aktien am Mittwoch wieder in Richtung ihres Mehrjahrestiefs von 58,34 Euro fallen. Zum Vergleich: Vor einem Jahr kosteten die Aktien noch rund 100 Euro. Nach dem überraschenden Verlust eines ersten Glyphosat-Prozesses im August 2018 ging es dann aber steil abwärts. Seither muss sich Bayer-Chef Baumann Fragen gefallen lassen, ob er die Risiken beim rund 63 Milliarden Dollar (Dollarkurs) schweren Kauf von Monsanto unterschätzt hat./mis/ag/jha/

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